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Handel

10.04.2017

Ist Ostern das zweite Weihnachten?

Ein Symbol dafür, wie viele das Osterfest mittlerweile empfinden: als zweites Weihnachten. Dieser „Osterweihnachtsbaum“ steht am Vorderen Lech in der Augsburger Altstadt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Spielwaren- und Einzelhändler in Augsburg und der Region profitieren von der Freude am Schenken. Bei den Konditoren dagegen fällt die Bilanz gemischt aus

Den Wunschzettel für den Osterhasen schreiben? Klingt zunächst nach einer Verwechslung, doch für immer mehr Kinder – und auch Erwachsene – wird das Osterfest zu einer Art zweitem Weihnachten; zumindest, was die Vielzahl der Geschenke betrifft. Neben kleinen süßen Leckereien, die früher in der Wohnung oder im Garten versteckt und mit viel Freude gesucht wurden, stecken mittlerweile immer häufiger Sachgeschenke in den Nestern. Manchmal sind sie so groß, dass sie kaum noch unterm Fernsehtisch oder hinter dem Buchsbaum Platz finden.

Ostern entwickelt sich seit Jahren zu einem sehr starken Umsatzbringer. Es ist die stärkste Saison nach dem Weihnachtsgeschäft“, sagt Karl-Hans-Pfleger, Geschäftsführer von Spiel und Freizeit in Gersthofen. Der Trend gehe zu wertigen Geschenken wie Schulranzen, Kettcars, Trampolinen, Sandkisten oder Sportartikeln. Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie bestätigt dies. Die Spielwarenbranche könne, dank der Entwicklung, beim Ostergeschäft immer weiter zur Süßwarenindustrie aufschließen. Rund 150 Millionen Euro (Weihnachten sind es etwa 1,3 Milliarden) werden in diesem Zeitraum umgesetzt. Im Schnitt gäben Eltern und Großeltern 35 Euro für Spielzeuggeschenke zu Ostern aus.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Einzelhandel. „Sicherlich profitieren nicht alle Branchen gleichermaßen, aber wir können für unser Haus schon auch sagen, dass Ostern die zweitwichtigste Zeit nach Weihnachten ist“, sagt Sascha Schönherr, Center-Manager der City-Galerie. Die Menschen hätten Ostern in den vergangenen Jahren als zweite Möglichkeit wahrgenommen, sich gegenseitig mit einem Präsent eine Freude zu machen. Die Klassiker seien Blumenarrangements oder Düfte, Bücher und Elektronik-Zubehör, beispielsweise fürs Smartphone. Dazu kommt laut Wolfgang Puff vom Schwäbischen Einzelhandelsverband gutes Essen: „Zu den Osterfeiertagen lässt man es sich im Familien- und im Freundeskreis gut gehen und ist auch bereit, für Essen und Trinken mehr Geld auszugeben.“

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Unangefochtene Nummer eins unter den Ostergeschenken bleiben aber die Süßwaren. In Bayern, so schätzt Puff, werden etwa 20 Millionen Osterhasen verkauft. Dazu stehen laut Bundesverband der Süßwarenindustrie Eier und Fruchtgummi mit österlichen Motiven in der Gunst weit oben. Vermehrt beschenkten sich seit einigen Jahren auch Erwachsene damit.

Klingt nach guten Geschäften für die örtlichen Konditoren. Doch hier fällt die Osterbilanz gespalten aus. Während Marion Wiedersatz, Filialleiterin der Dichtl-Cafés in der Bahnhof- und der Maximilianstraße, nach wie vor von guten Umsätzen spricht, schränkt Christian Eber, Geschäftsführer der Konditorei Eber am Rathausplatz, deutlich ein: „Das Ostergeschäft ist im Gegensatz zur Weihnachtszeit längst nicht mehr der Umsatzmotor wie vor zwanzig oder dreißig Jahren.“ Dass die Menschen weniger Süßes verschenken, glaubt er nicht. „Die Auswahl ist größer geworden. Pralinen gibt es jetzt auch im Warenhaus und Schoko-Osterhasen beim Filialbäcker. Da muss man nicht mehr zum Konditor.“ Zwar sei das Ostergeschäft für Eber nach wie vor eine wichtige Säule, aber bei Weitem nicht mehr so stark wie früher.

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