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15.05.2010

Ja zur Wasserkraft, aber nicht im Stadtwald

In der Firnhaberau entsteht ein neues Kraftwerk. Es ist unumstritten. Foto: wys
Bild: wys

Augsburg ist eine Stadt, in der die Wasserkraft seit Jahrhunderten große Bedeutung hat. Die historischen Wassertürme am Roten Tor wurden erbaut, um die Versorgung neu zu organisieren. Handwerker betrieben an den Lechkanälen ihre Wasserräder. Heute wird die Wasserkraft vor allem genutzt, um Strom zu gewinnen. Knapp 40 Anlagen sind es an Flüssen und Stadtkanälen. Eine rekordverdächtige Zahl, die man in anderen deutschen Städten schwer finden wird. Auch in jüngster Zeit hat die Stadt zwei weitere Kraftwerke am Lech genehmigt - eines in Hochzoll, das andere in der Firnhaberau.

Der Vorwurf, die Augsburger seien gegen Strom aus Wasserkraft, geht also ins Leere. Augsburg steht vielmehr hinter dem politischen Ziel in Bayern, mehr Strom aus regenerativen Energien zu gewinnen. Und man hat viel getan, um dieses Ziel vor Ort umzusetzen.

Völlig anders verhält es sich allerdings mit dem Projekt, das der Stromerzeuger Eon im Stadtwald bauen will. Dort liegt Augsburgs zentrales Trinkwasserschutzgebiet. Hunderttausende Menschen werden aus den Brunnen versorgt. Es darf nicht sein, dass gleich neben dieser Schutzzone ein Kraftwerk gebaut wird, das Risiken für die Bevölkerung birgt.

Ein Problem ist die jetzige Planung. Nach Einschätzung von Fachleuten wird das Kraftwerk vorhandene Probleme am Lech zementieren. Der Fluss gräbt sich immer tiefer in sein Bett ein. Die Sohle müsste angehoben werden, damit der Grundwasserstand im Stadtwald sein früheres Niveau erreicht. Am Ende kann es aber so weit kommen, dass die Augsburger für die Bohrung tieferer Brunnen zahlen müssen, nur weil man einem Stromerzeuger dort die Lizenz zum Geldverdienen gab.

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Zwar könnte man den Trinkwasserschutz wohl mit einer anders konzipierten Anlage in Einklang bringen. Doch dann ist da noch der Naturschutz. Und der dürfte mit einem Kraftwerk kaum zu vereinbaren sein. Immerhin ist der Stadtwald doppelt geschützt durch deutsches Recht und Europarecht. Gleichzeitig sind dort Tiere und Pflanzen gefährdet, weil es an Wasser mangelt. Der Lech müsste umgebaut werden zu einem vitalen Fluss.

Mit Wasserkraft ist freilich viel Geld zu verdienen. Energieerzeuger versuchen schon seit Jahrzehnten, am Lech im Stadtwald Fuß zu fassen. Bislang war dieses Gebiet tabu. Über alle Parteien hinweg wurde ein Kraftwerk immer erfolgreich abgelehnt. Politik und Bürger waren sich einig, dieses eine wertvolle Stück Natur nicht anzutasten. Auch unter der früheren rot-grünen Stadtregierung ließ man einen Vorstoß abblitzen. Nun ist in Stadt und Land die CSU an der Regierung. Sie könnte entscheidende Weichen stellen. Doch ausgerechnet jetzt droht das Nein zum Kraftwerk im Stadtwald zu wanken.

Kann es daran liegen, dass der Freistaat für den teuren Umbau des Lechs einen Stromkonzern anzapfen möchte und Zugeständnisse macht? Und kann es vielleicht sein, dass mancher Augsburger Politiker nach den satten Gewerbesteuereinnahmen schielt, die ein Kraftwerk bringen würde? Falls das so ist und das Kraftwerk im Stadtwald doch genehmigt wird, dann bleibt nur ein Fazit: Der Naturschutz wird verraten und verkauft.

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