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Katholische Kirche

01.05.2016

Jacqueline Straub (25) kämpft für ihren Traum, Priesterin zu werden

Jacqueline Straub, 25, vor dem Freiburger Münster.
Bild: Ulli Fricker

Jacqueline Straub, 25, ist begeisterte Boxerin, hat einen Freund, will irgendwann heiraten – und katholische Priesterin werden. Eine schier aussichtslose Kombination. Oder?

Ihre Augen. Sie sind grün-grau-blau, je nach Stimmung und Tageslicht. An diesem verregneten Sonntag sind sie zunächst grau mit einem Tropfen Anthrazit. Es ist dunkel in der Vorhalle des Freiburger Münsters, in der Jacqueline Straub auf und ab geht und die alten Steinfiguren betrachtet. Der gotische Raum als Treffpunkt ist bewusst gewählt. Die 25 Jahre alte Frau, die zu Füßen der fünf klugen und törichten Jungfrauen Platz nimmt, hat einen Berufswunsch, der mitten in diese christliche Bildwelt passt: Sie will katholische Priesterin werden.

Ohne Wenn und Aber. Sie will Kinder taufen, feurig predigen, Tote begraben. Sie will Brot und Wein in Fleisch und Blut verwandeln. Und dazu auch noch heiraten dürfen. Das volle Programm also, das volle katholische Programm.

Jacqueline Straub weiß, wohin sie will

Jacqueline Straub weiß seit zehn Jahren genau, wohin sie will. Mit 15 hatte sie ein Erlebnis, das ihr altes Leben über den Haufen geworfen hat. „Ich wurde von Gott berufen“, erzählt sie, und: „Mein Glaube ist damals auferstanden.“

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So begann sie ihr neues Leben mit dem erklärten Ziel, Priesterin zu werden, mit allen Vollmachten. Also allem, was die römisch-katholische Kirche seit bald 2000 Jahren nur Männern gewährt. Eine Bastion, gegen die schon Heerscharen von Frauen anrannten. Erreicht haben sie nichts. Noch nicht, sagt Straub. Die Frau will das ändern, die Männerdomäne am Altar.

Vor ihrer persönlichen Wende war sie nicht besonders religiös. Jacqueline Straub wuchs in Württemberg auf, in Göggingen bei Sigmaringen und in Pfullendorf. Dort machte sie Abitur.

Das kirchliche Leben beeindruckte sie kaum. Der Vater ist aus der Kirche ausgetreten. Die wichtigste Anregung kam von außen: Eine Freundin nahm sie mit in ein katholisches Jugendlager. Das war der Beginn ihrer Bekehrung.

Alles andere folgte daraus mit einer für sie zwingenden Logik. Mit 17 Jahren fing sie als Ministrantin an. In einem Alter also, in dem die meisten Mädchen mit dem Dienst am Altar aufhören. Aber nicht sie.

Jacqueline Straub sprach viel mit Pfarrern und Pastoralreferenten. Alle hörten ihr zu, die meisten machten ihr Mut und unterstützten das Vorhaben. Aus einer religiös gleichgültigen Jugendlichen war über Nacht eine Vorkämpferin für eine große Sache geworden.

Die Gefühlsentscheidung von damals ist inzwischen gereift und auf einen akademischen Weg gebracht. Nach dem Abitur begann sie, Theologie zu studieren. Sie weiß, dass es auf gute Argumente ankommt, die sie für ihre Sache sammeln muss.

Die gibt es längst. Sie wurden von klugen Frauen (und Männern) in vielen Jahrhunderten gesammelt, oft unter Tränen und Enttäuschungen. Jacqueline Straub liest und liest und schreibt und schreibt.

Straub spricht von ihrem Traum mit allem Eifer

Erst im badischen Freiburg mit seiner renommierten katholischen Fakultät. Mit ihrem Vorhaben hält sie nicht hinter dem Berg. Dafür ist sie viel zu offen und zu redselig. Von ihrem Traum – manche nennen ihn Utopie – spricht sie mit allem Eifer.

Sie fand Fürsprecher. Und sie eckte an. Einer ihrer Professoren grüßte sie nicht mehr, seit er sie im Fernsehen gesehen hatte. Deshalb wechselte sie nach Fribourg in die Schweiz. Demnächst wird sie in Luzern ihr Masterstudium abschließen. „Die Schweizer sind liberaler“, sagt Straub, die inzwischen in Muri im Kanton Aargau wohnt.

Ihr größtes Pfund ist freilich nicht das Fachwissen, das sie sich an den Hochschulen über Kirche und Liturgie angeeignet hat – das haben andere auch. Es ist ihr Gespür für die Medien.

Sie ist selbstbewusst, kann sich verkaufen, weiß, dass ihre Geschichte wie geschaffen ist für eine gute Story. „Die meiste Arbeit verbringe ich mit Medienarbeit“, erzählt sie lachend. Nur so könne sie aufklären.

Die Tür zum Münster fällt ins Schloss. Das Gespräch geht an anderer Stelle weiter. Statt zugiger Vorhalle mit den gotischen Jungfrauen nun ein altes Freiburger Gasthaus. Sie bestellt Kässpätzle. „Ich mag halt Regionales, Sushi brauche ich nicht“, erzählt sie, während der Käse auf der Gabel lange Fäden zieht. Ihre Augen sind inzwischen smaragdgrün.

Fernsehen, Tageszeitungen, Magazine: Jacqueline Straub hat keine Berührungsängste. Routiniert präsentiert sie ihre Argumente. Etwa dieses: „Ist es gerecht, wenn man mehr als die Hälfte der Christenheit von Weiheämtern ausschließt?“ Natürlich nicht. Die junge Frau sagt es ohne Verbitterung. Es ist eine Feststellung.

Sie ist unbefangen. Sie lacht gerne übers ganze Gesicht, das fast noch kindliche Züge aufweist. Sie sagt Sätze wie „Ich brenne für Gott“, und man findet keinen Grund, ihr das nicht abzunehmen. Über ihr Christsein spricht sie wie andere über Kochrezepte. Frei von der Leber weg.

Ihren Feldzug für Frauen im Priesteramt hat sie auf professionelle Beine gestellt. Ihre Schwester Meli leitet ein Fotostudio und hat für Jacqueline einen Online-Auftritt eingerichtet. „Für das Bild hat mir Meli noch Locken gedreht“, erzählt sie. Seit bald drei Jahren tourt sie mit ihrer Mission durch die Lande. Sie hält Vorträge und fliegt zum Frauenkongress in die USA. Sie hockt in Talkshows und lächelt und argumentiert in ihrem sanften schwäbischen Dialekt und lächelt wieder. Eben war sie drei Tage bei Stern TV. „Immerhin, die Zugfahrt haben sie bezahlt.“

Mit dem Predigen hat sie auch begonnen. Ein Pfarrer in Österreich lud sie in seine Kirche ein. Und sie hat dem Papst ihr Anliegen in einem Brief geschildert, auf Deutsch und auf Spanisch. Franziskus prangt auf der Schützhülle ihres Handys.

Das Leben zwischen Studium und Kampagne zieht sie mit viel Disziplin durch. Für anderes ist kaum Zeit. Nur Boxen gönnt sie sich, ihre Lieblingssportart. Sie trinke und rauche nicht, sagt Jacqueline Straub. Sie verzichtet auf Partys und geht dafür früh zu Bett. Fürs Chillen hat sie weder Zeit noch Nerven.

Straub kleidet sich dezent modisch. Kein Lippenstift, leichter Lidschatten. Fürs Foto zieht sie die dunkle Jacke mit dem Pelzkragen aus. Darunter trägt sie einen roten Blazer, kardinalsrot. Wie passend.

Ihr Schweizer Freund versucht, sie hin und wieder zu bremsen. Zum Beispiel, wenn sie auch im Urlaub täglich ihre Mails anschaut, zurückschreibt und neue Termine vereinbart.

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, steht in großen Buchstaben auf ihrer Internetseite. Der Satz stammt vom heiligen Augustinus, dem kein Papst widersprechen wird.

Wenig spricht dafür, dass Straub mit ihrer Mission Erfolg haben wird

Ob sie mit ihrer Mission Erfolg hat? Es spricht wenig dafür. „Vielleicht ist das erst in 20 Jahren möglich, dann wäre es auch gut.“ Sie ist stolz, wenn Priester ihr schreiben und Gläubige die Hand drücken. Die Verfechter des traditionellen Modells – nur Männer – melden sich auch, sie hört dann versteckte Andeutungen heraus.

Einige Freunde hat sie durch ihr Engagement verloren, Mitstudenten distanzieren sich, gehen ihr aus dem Weg. Aus Neid oder aus Sorge um die eigene Zukunft? Sie weiß es nicht.

Gelegentlich hört sie die Empfehlung, sie könne ja die Konfession wechseln, evangelisch und gleich Pastorin werden. Das lehnt sie ab. Die Großmutter hat ihr geraten, katholisch zu bleiben. „Man wechselt nicht einfach die Kirche“, zitiert sie die Oma. Sie lässt sich nicht abschieben oder in ein anderes Fach stecken.

Sie liebt das Katholische an sich und für sich, sie schätzt den Papst und sakrale Räume, sie liebt Weihrauch, Assisi, Taizé und akzeptiert nicht, dass sie dieser Gemeinschaft nicht ganz vorne dienen darf. „Ich bin zur Priesterin berufen, nicht zur Konvertitin.“

Im Sommer ist Jacqueline Straub mit dem Studium fertig. Und dann? Sie weiß, dass das Frauenpriestertum ein dicker Balken ist, den sie mit der Feile bearbeitet. Sie weiß, dass sie eine enorme Menge an Aufmerksamkeit umwälzt. Doch die Amtskirche und deren Bischöfe erreicht sie nicht. Noch nicht.

Sie hat einen Plan B in der Schublade. „Dann eben Journalistin“, sagt sie, am liebsten bei einer Kirchenzeitung. Erfahrung hat sie schon gesammelt. Sie hat Kommentare geschrieben und Analysen.

Plan B ist inzwischen Plan A geworden. Mithilfe ihres Kreuzzugs für das Frauenpriestertum kann sie viele Kontakte knüpfen. Und doch kommt sie immer wieder zu diesem einen Punkt zurück: Eines Tages soll eine Frau am Altar stehen.

Verabschiedung auf dem Freiburger Münsterplatz. Gleich will sie noch ihren Freund treffen. Sie eilt davon. Man könnte meinen, ihre Augen leuchteten jetzt himmelblau.

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Die Diskussion ist geschlossen.

01.05.2016

Sie könnte bei der Altkatholischen Kirchen Priesterin werden.

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01.05.2016

vll sollte sei dann einfach evangelisch werden ;D

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