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Augsburg

01.08.2019

Jakober Kirchweih: Ende oder Neubeginn einer Tradition?

Ein Morgenkaffee statt Bierzelt.
Bild: Andreas Alt

Zehn Tage lang wurde rund um St. Jakob gefeiert – allerdings meist in ganz anderer Form als gewohnt.

Etwa zehn Menschen sind schließlich am Jakobsbrunnen zusammengekommen, teils weil sie gern einen von der Gemeinde St. Jakob angebotenen Kaffee trinken, weil sie sich, auch schon zu früher Morgenstunde, mit anderen Leuten austauschen wollen, oder weil sie den Tag gern mit einer geistlichen Andacht beginnen. Dieser tägliche „Morgenkaffee“ ab 6.30 Uhr gehört zum Programm der Jakober Kirchweih – vor einigen Jahren wäre das wohl undenkbar gewesen. Da ging es weniger um Kaffee- als um Bierkonsum, und das Fest spielte sich hauptsächlich in einem Bierzelt auf dem Jakobsplatz ab.

2013 endete die Tradition des ältesten Augsburger Volksfests. Damals war auch das Bierzelt längst nicht mehr immer voll. Die Stadt zog sich als Veranstalter zurück. Kurz darauf taten sich der Stadtteilverein und die Kirchen in der Vorstadt zusammen, um das Fest zumindest in abgespeckter Form weiterzuführen. Manches können die neuen Veranstalter nicht stemmen, sie haben nun mit dem Fest aber auch andere Ziele und sind daher auf Nachfrage mit ihrem Erfolg gar nicht unzufrieden.

Der Diakon von St. Jakob, Christian Achberger, sieht die Kirchweih jetzt wieder schwerpunktmäßig als religiöses Fest. Die Gottesdienste seien sehr gut besucht gewesen. Man habe dazu auch hohe Amtsträger wie den neuen Regionalbischof Axel Piper und den neuen Stadtdekan Michael Thoma begrüßen können. Auch bei den Vorträgen und Konzerten sei die Kirche voll besetzt gewesen.

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Ähnlich sähen das die Vertreter von St. Max, wo das Pfarrfest gefeiert wurde, und der evangelisch-methodistischen Kirche. Guten Zuspruch gab es laut Achberger auch beim Café in St. Jakob, dem Flohmarkt, der Turmbesteigung, dem Kinderprogramm und dem Pilgerzug. Volksfeste gebe es viele, sagt Achberger, „aber wo sonst gibt es so etwas in Augsburg?“

Kirchweih als gelungenes Werk von Ehrenamtlichen

Die Vorsitzende des Stadtteilvereins, Sabine Hofmann, versteht die Kirchweih eher als gelungenes Werk von Ehrenamtlichen. Einer, der sich sehr engagiere, aber nie genannt werde, sei etwa der Organist von St. Jakob, Peter Meier. Sehr gut angekommen seien die musikalischen Auftritte, unter anderem der Jazzfrühschoppen am ersten Samstag. Die Führungen hätten auch viele Interessenten von außerhalb des Stadtteils angezogen. Festwirt Plötz („Riesenbosna“), der erstmals bei der Jakober Kirchweih dabei war, sei ebenfalls sehr zufrieden und werde voraussichtlich im kommenden Jahr wiederkommen.

Hofmann will aber auch den Handel voranbringen. Sie freut sich, dass es erstmals gelungen sei, wenn auch in kleinem Umfang, Vertreter anderer Kulturen ins Programm mit einzubeziehen. Damit meinte sie die Bäckereien Efendi und Sirin Baklava. Sieben Geschäfte in der Jakoberstraße boten Sonderaktionen, und in der Festzone vor der Kirche fanden Modenschauen statt.

Blickte man nur auf die Festzone, war freilich unübersehbar, dass selbst die wenigen Bänke dort häufig nur schütter besetzt waren. Hofmann räumt ein, dass es Probleme gebe, die man nicht ausräumen könne und mit denen man leben müsse. Um den Termin des Jakobustages herum gebe es immer viele andere Feste und Veranstaltungen in der Stadt. Auch der Platz vor der Kirche sei zum Feiern nicht ideal; er werde von der Straßenbahn durchschnitten. Auch habe man mit dem Wetter nicht immer Glück gehabt. Aber diese Einschränkungen seien nicht so schwer, dass man nicht von einem gelungenen Fest reden könne.

Zurück zum Morgenkaffee. Eine Radlerin nähert sich, offenbar neugierig. Sie wird eingeladen, sich zur Andacht hinzuzugesellen. Aber das will sie nicht; sie schiebt ihr Rad über den Platz vor der Jakobskirche und verschwindet in Richtung Pilgerhausstraße. „Am Montag war sie schon einmal da“, sagt dazu die Leiterin des Morgenkaffees, Margarete Doldi von St. Max, „sie sitzt sonst gern am Brunnen, aber sie wollte kein Gespräch.“ Eine andere Frau war zum Kaffeetrinken da, ging aber wieder, als die Andacht begann.

Viele schätzen die kurze Besinnung am Beginn des Tages

Hier weist man aber eher auf diejenigen hin, die die kurze Besinnung am Beginn des Tages schätzen. Eine 53-Jährige, die nahe bei der Barfüßerkirche wohnt, sagt: „Ich bin gern hier, um Menschen zu treffen, und auch wegen dieses Ortes - den finde ich unglaublich schön.“ Ein 54-Jähriger, der anfangs darum kämpft, richtig wach zu werden und seine Augen offen zu halten, hat sein Homeoffice direkt bei der Jakobskirche. Um sieben Uhr beginnt sein Dienst, aber jetzt braucht er erstmal dringend einen Kaffee. Er bleibt dann doch noch während der Andacht bis 7.30 Uhr.

Die Teilnehmer scheinen einander zu kennen. Ein Passant, der zufällig vorbeigekommen ist, ist anscheinend nicht darunter. Das gibt es aber nach Aussage von Doldi auch immer wieder: Leute, die von der Nachtschicht nach Hause kommen, einer, der vorher im Alten Stadtbad schwimmen war, Straßenreiniger, die kurz ihre Arbeit unterbrechen und sich dazustellen.

Doldi hält nun ihre Andacht - nicht ohne Stolz: „Heute kommt kein Pfarrer und kein Diakon!“ Sie zündet eine Kerze auf dem Bistrotisch an und sagt Nachdenkenswertes über Bittgebete. Es wird gesungen, und Fürbitten werden gesprochen. Am Ende lässt sie eine schwarze Schatulle herumgehen mit kleinen Papierröllchen darin. Jeder der Zettel bietet einen Sinnspruch für den Tag. Einige verabschieden sich nun, die übrigen bleiben noch beisammen stehen und reden über dieses und jenes. Das können auch religiöse Themen sein, so Doldi.

Besucher kommen gezielter zur Führung

Den Charakter des Fests bestimmen die neuen Veranstalter. Sie wollen sich von vermeintlich kleineren Besucherzahlen nicht beirren lassen. Eine Gruppe, die im Festzelt verloren wirken würde, kann in der Kirche oder im Geschäft hochwillkommen sein. Man kann den Organisatoren nicht absprechen, dass sie einmal im Jahr im Viertel etwas Besonderes bieten. Die Besucher kommen jetzt gezielter zur Führung, zum Konzert, zum Gottesdienst. Vielleicht gelingt es eines Tages auch wieder, mehr allgemeines Publikum anzuziehen.

Es ist im Gespräch, den Straßenraum zwischen St. Jakob und dem Jakobertor umzugestalten. Nicht allen gefällt das. Aber wenn es gelänge, die Fußgängerbereiche gegenüber Auto und Straßenbahn aufzuwerten und aus der Jakoberstraße einen Boulevard zu machen, würde davon sicher auch die Jakober Kirchweih profitieren. Dann ließe sich vielleicht sogar das alte Volksfest in den Schatten stellen.

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