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14.07.2010

Jazzige Collagen

"Gasolina" nennt der spanische Maler Ale Zea diese Komposition, die im Schaezlerpalais ausgestellt wird. Foto: Sybille Schiller
Bild: Sybille Schiller

Der Sommerschwerpunkt in Augsburg heißt: "Italien". Das Land südlich der Alpen ist Thema für "Bayern - Italien", der Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte. Und auch die eben eröffnete Sonderschau im Schaezlerpalais huldigt dank dem Künstler Johann Heinrich Schönfeld dem Land, wo die Zitronen blühen.

Nicht aus Italien, aber ebenfalls aus einem sonnenverwöhnten Land, kommt Alejandro Cardosa Zea, dessen Exponate "unter" Schönfeld im Schaezlerpalais hängen. "Collage, Composición, Color" heißt die Präsentation des Spaniers im Liebertzimmer. Der Künstler setzt dabei nicht nur auf die Malerei, also den gekonnten Umgang mit Farbpalette und Pinsel, sondern transferiert auf seine Bildträger mittels Siebdruck und Übermalung (zum Beispiel auch mit Kaffeepulver) Fragmente von Stoff, Papier, Karton und Fotografien. Und wer angesichts der in die Bilder hineinprojizierten Werbeslogans nicht an die Pop-Art-Künstler erinnert wird, der erinnert sich spätestens beim Anblick einer alten Coladose an die Großen dieser Kunstrichtung wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol.

Er kombiniert Druckgrafik mit der Malerei

"Ale" Zea, so der Künstlername des Spaniers, kombiniert Druckgrafik und Malerei. Zwar lässt er der Farbe ihre dominierende Wirkung, doch im Kontrast zwischen den verschiedenen Farbfeldern eröffnet der Bilddramaturg den Blick in neue Ebenen. Was dann aus der Distanz gesehen auffällt, ist die abstrakte Wirkung. So lassen sich die großformatigen Exponate mit einem improvisierten Jazzstück vergleichen - in dem plötzlich ein bestens bekanntes Motiv auftaucht, das durch neue, witzige Verzierungen aufpoliert wird.

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Für die in verschiedenen Drucktechniken hergestellte Grafik gilt, was Ale Zea mittels Farbauftrag gelingt, nämlich Effekte durch Kontraste zu erzielen. Oft ist die unterste Schicht ein Digitaldruck, der nur zum Teil von einer ersten Farbschicht überlagert wird. Siebdruck und Collage stehen dagegen in unmittelbarer Pop-Art-Tradition.

Dass sich für den Betrachter dieser Collagenkunst dennoch das Gefühl festsetzt, hier glorifiziere ein Künstler des 21. Jahrhunderts die 1950/60er Jahre, liegt an den häufig verwendeten Symbolen und Werbeartikeln aus dieser Nachkriegszeit. Da kommt einem die Isetta, Kultauto einer ganzen Generation, ebenso entgegen wie der amerikanische Schlitten. Da weckt eine kitschige schwarz-weiße Filmszene Erinnerungen an Kinohits von einst.

Eine wunderbare Leichtigkeit bestimmt seine Bilder

Und mit dem Wort BLUES breitet sich Melancholie aus. Selbst wenn sich Zea mit bewusst verfremdeten Abbildungen von Konsumgütern gesellschaftskritisch gibt, haftet seinen Bildern dennoch eine wunderbare Leichtigkeit an, die das Gefühl vermittelt, die Zukunft in der globalisierten Welt gestalten zu können.

Laufzweit bis 16. August, geöffnet Di 10 - 20 Uhr, Mi bis So 10 - 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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