Kültürtage

25.11.2015

Jeder kann was

Werbung darf in keiner Late Night Show fehlen, auch nicht bei den Kültürtagen.
Bild: Michael Hochgemuth

Wie die Late Night Show die Endlosschleife deutscher TV-Programme entlarvt

Moderator Fabio Esposito erwies sich als Meister der Gesichtsgymnastik und zeigte zwei Stunden Höchstleistung. Eigenwillige Gäste, Technikpannen – alles, was das Leben eines Talkshowmasters schwer macht. Dazu eine Prise „Deutschland sucht…“, eine alberne Assistentin mit Riesenpuderquaste und ein mit den Theaterleuten von Bluespots Productions entwickelter Werbeblock über jenes Shampoo, das aus einem Glatzkopf (Winfried Brecheler) die Minipli-Mähne (Hadiye Akyol) zaubert. Zwischendurch noch eine wirklich gute Showband (Remakers), die zur Einstimmung „Rivers of Babylon“ schmettert. Das war die Late Night Show, die, wie viele Kültürtageformate, vor vollem Haus in der Kresslesmühle gastierte.

Vorbilder der Show waren die Endlosschleifen deutscher TV-Talkrunden. Sie parodierte die leeren Gespräche, bei denen der Moderator manisch am Fragekatalog klebt, während seine Besucher konsequent nicht antworten. Die Auswahl der Gäste entsprach einer unterhaltsamen Tour durch die vielfältige freie Augsburger Künstlerszene. Da war Christian Weiblen, Poetry-Slammer der gehobenen Klasse, der mit Janker und Hornbrille als Bertolt Brecht auferstand. Jedes Mal zum Brechtfestival komme er sich „seltsam ausgegraben“ vor.

Ein anderer Gast: Max Olbrich. Der Student spielte sich selbst, erzählte aus seinem Zaubererleben und dass ein Kind mal zu ihm gesagt habe, er sei der schlechteste Zauberer der Welt, seine Mutter an die Hand nahm und ging. Doch der angehende Wirtschaftspsychologe bewies: Er kann Magie. Einen Tisch brachte er auf der Bühne zum Schweben – kein Trick!

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Aus der Kültürtage-Sitcom „Döner mit Sauerkraut“ stattet Hüsso (Yasar Dogan) im Pelzmantel der Bühne einen Besuch ab. Habitus und Witz der Figur Hüsso sind eine herrlich gekonnte Hommage an den anatolischen „Gastarbeiter“. Eine eher selbstironische als spöttische Parodie, die es dann auch noch schafft, das Türken-Klischee zu brechen: In sauberstem Bayerisch stimmt Hüsso auf der Saz „I brenn“ an, eine Geschichte über Gülsüm und andere Bewohner seines türkischen Dorfes mit viel „Herrgottsakrakruzifix“.

Das Programm der Show lebte vom Witz, den unbestreitbar komischen Talenten seiner Künstler. Aber auch vom heimlichen Anspruch der Veranstalter, „Anerkennungskultur“ zu leben: Jeder kann was und wer will, kann mitmachen.

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