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Bürgermacht & Bücherpracht

14.04.2011

Jörg Breu im Maximilianmuseum

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5 Bilder
Bürgermeister Mang Seitz, der Auftraggeber der Chronik der Weberzunft. Dieses Blatt ist im Maximilianmuseum aufgeschlagen.
Bild: Foto: Staats- und Stadtbibliothek

Weber-Chronik und Weberhaus-Fresken in Ausstellung vereint

Augsburg Die Staats- und Stadtbib-liothek Augsburg hat aus ihren ungeheuren Schätzen Prunkhandschriften für die Ausstellung „Bürgermacht & Bücherpracht“ im Maximilianmuseum ausgewählt. Ehren- und Familienbücher aus der Renaissance sind dort bei schonendem Licht aufgeschlagen in Vitrinen zu bewundern. Diese Codices bilden den Rahmen für die Leihgaben aus München, Stuttgart, aus der Eton College Library (England) und der Real Biblioteca de El Escorial (Spanien). Alle diese kostbaren Werke haben eines gemeinsam: Sie sind „Made in Augsburg“.

Eine der stadtgeschichtlich bedeutsamen illustrierten Handschriften soll im heutigen „Augsburg-Album“ vorgestellt werden: die Chronik der Weberzunft, verfasst von Clemens Jäger, illustriert in der Werkstatt von Jörg Breu. Ihre heutige „Heimat“ ist die Staats- und Stadtbibliothek an der Schaezlerstraße. Da dort bislang eine Präsentation mangels entsprechender Räume nicht möglich ist, wird dieses Werk im Maximilianmuseum gezeigt. In der Vitrine ist jene Seite aufgeschlagen, auf der sich der Auftraggeber kurz vor seinem Tod abbilden ließ: Mang Seitz (1485-1544), Zunftmeister der Weber und siebenmaliger Bürgermeister der Reichsstadt Augsburg. Mit dem Verfassen der Chronik hatte er Clemens Jäger (um 1500-1561) beauftragt. Der war eigentlich Schustermeister. 1541 wechselte er in reichsstädtische Dienste, wurde Ratsdiener, Herold und Sekretär.

Er ordnete das verwahrloste städtische Archiv und verfügte somit über beste Quellenkenntnisse zur Stadtgeschichte. Diese ermöglichten ihm das Verfassen fundierter orts- und familiengeschichtlicher Werke. Die 1544 vollendete Chronik der Weberzunft ist einer seiner handschriftlichen Codices.

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Die rund ein Dutzend Bildseiten trug Jörg Breu der Jüngere (um 1510-1547) bei. Der hatte bereits 1538 die Amtsstube im Weberhaus restauriert. Sie befindet sich jetzt im Bayerischen Nationalmuseum in München. Ab 1540 entstanden in der vom Vater übernommenen Werkstatt opulent illustrierte Handschriften. Zur Zeit von Jörg Breu d. J. trat die Papierhandschrift mit aquarellierter Federzeichnung einen Siegeszug an, und er war damals der führende Künstler auf dem Gebiet der Buchmalerei in Augsburg.

Die Ausstellung „Bürgermacht & Bücherpracht“ versammelt erstmals sämtliche Prunkhandschriften Jörg Breus d. J. Einige der Schätze aus der Augsburger Staats- und Stadt-bibliothek wurden vor Jahrzehnten letztmals der Öffentlichkeit präsentiert, andere noch nie. Der Codex aus dem Eton College (1541 fertiggestellt, 1545 an König Heinrich VIII. von England verschenkt) und das „Lib-ro heraldica“ von 1546 aus dem Escorial (einst Philipp II. von Spanien verehrt) waren bislang niemals ausgeliehen worden. Sie sind nun erstmals seit über 450 Jahren gemeinsam am Entstehungsort Augsburg zu sehen. Das berühmte Fugger’sche Ehrenbuch wurde erst 2009 von der Bayerischen Staatsbibliothek (München) erworben. Es wird ebenso im Maximilianmuseum präsentiert wie das Augsburger Geschlechterbuch aus der Staatsgalerie Stuttgart.

Auch die Verflechtung der Augsburger Künstlerfamilien wird in der Ausstellung in einzigartiger Weise sichtbar. Ein vom 1913 abgebrochenen alten Weberhaus geborgener Fresko-Rest, 1538 von Jörg Breu d. J. gemalt, zeigt Hans Tirol. Der war seit 1538 Ratsdiener, von 1541 bis 1548 reichsstädtischer Bauvogt. Hans Tirol war mit Jörg Breu verschwägert und Verfasser des Eton-Codex. Dieser wiederum liegt in einer Vitrine in unmittelbarer Nähe des Freskos. Aufgeschlagen ist natürlich eine von Jörg Breu kunstvoll illustrierte Doppelseite.

Die Ausstellung „Bürgermacht & Bücherpracht“ blendet über viereinhalb Jahrhunderte zurück in eine Epoche, in der sich die Reichsstadt Augsburg auf der Höhe ihrer politischen und wirtschaftlichen Macht befand. Der Rat, geschichtsbewusste Bürger, Patrizier und Zünfte konnten sich mit kostbar ausgemalten Prunkhandschriften „Selbstdarstellungen“ von höchster Qualität leisten. Sie erhöhten mit Chroniken, Familien- und Wappenbüchern ihren eigenen Status und verhalfen mit ihren Aufträgen der Buchmalerei in Augsburg zu außergewöhnlicher Blüte. Davon zeugen die immens wertvollen Exponate der Ausstellung.

Info: Die Ausstellung „Bürgermacht & Bücherpracht“ ist bis 19. Juni im Maximilianmuseum zu sehen (nur montags geschlossen).

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