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Augsburg-Album

08.04.2020

Josef Ignaz Hörmann malte einzigartige Augsburg-Bilder

Anno 1815 auf dem Obstmarkt. Mit dem zweirädrigen Transportkarren brachte der Händler seine Ware zum Markt.
Bild: Städtische Kunstsammlungen

Plus Vor 200 Jahren starb der Maler und Kupferstecher Josef Ignaz Hörmann. Er hinterließ einzigartige Marktbilder und Augsburg-Ansichten.

Dem Maler und Kupferstecher Josef Ignaz Hörmann war letztmals 1990 im Schaezlerpalais eine Ausstellung gewidmet. Er illustrierte Schmetterlings-Bildbände, hielt Augsburgs Stadttore und Ausflugsziele in Bildern fest – und er dokumentierte in einzigartiger Weise den Marktalltag in Augsburg. Zwischen 1804 und 1820 war er mit dem Kohlestift auf den Straßenmärkten unterwegs und skizzierte Momentaufnahmen. Auf dem Fischmarkt, dem Obst- und Gemüsemarkt, dem Trödelmarkt hielt er mit flüchtigen Strichen Personen und Marktstände fest.

Zeitgeschichtliche Bilddokumente aus Augsburg

Solche Skizzen-Zettel verwahren die städtischen Kunstsammlungen. Es sind Marktszenen, wie sie vor 200 Jahren kein anderer Künstler festhielt. Die Skizzen bildeten die Vorlagen für drei gemalte Bilder. Sie überliefern das Marktleben anno 1815, wie es anschaulicher kaum darstellbar ist. Es sind zeitgeschichtliche Bilddokumente. Doch im künstlerischen Schaffen von Josef Ignaz Hörmann waren Marktbilder lediglich „Luxusprodukte“, für die es kaum Auftraggeber gab.

Josef Ignaz Hörmann skizzierte vor über 200 Jahren einen Verkaufsstand auf dem Trödelmarkt.
Bild: Städtische Kunstsammlungen


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Wer war dieser ungewöhnliche Künstler? Über sein Leben ist wenig überliefert. 1775 wurde er in der Marktgemeinde Obergünzburg im heutigen Landkreis Oberallgäu geboren. Er sei der Sohn „wenig bemittelter Eltern“ gewesen, habe in München seine Ausbildung erhalten und „in Augsburg seine künstlerische Tätigkeit entfaltet“. So viel geht aus einer Kurzbiografie hervor. Sein künstlerisches Schaffen lässt sich dank einer Vielzahl erhaltener Bilder rekonstruieren.

"Ansichten aus der Gegend Augsburgs"

Josef Ignaz Hörmann beherrschte alle Techniken von der Kohle- und Tuschzeichnung bis zum Kupferstich und zur Radierung. Wann er in Augsburg sesshaft wurde, ist bislang unbekannt. 1804 schmückte er das Stammbuch des Augsburger Schmetterlingsforschers Jacob Hübner (1761-1826) mit einem Aquarell. Zu diesem Zeitpunkt dürfte er bereits einige Zeit Mitarbeiter des europaweit bekannten „Entomologen“ (Schmetterlingskundler) gewesen sein. Hörmann übertrug dessen Zeichnungen von Schmetterlingen, Raupen, Schnecken, Käfern und Pflanzen auf Kupferplatten. Sie dienten als Druckstöcke für prächtige Bildbände.

Die Verkaufsliste des Schmetterlingsforschers Jacob Hübner vom 15. November 1806 enthält neben illustrierten wissenschaftlichen Werken acht „Ansichten aus der Gegend Augsburgs“, geschaffen von Josef Ignaz Hörmann. Jacob Hübner brachte die kolorierten Stiche als Verleger unter die Leute. Er verkaufe „allein gegen bare Bezahlung in meinem Haus Litera H 342“ (Erstes Quergäßchen 8), merkte Hübner an.

Ein aufgehäufter Verkaufstisch auf dem „Kräutel- und Gemüsemarkt“. Das Bild von 1815 dokumentiert ein äußerst reichhaltiges Angebot.
Bild: Städtische Kunstsammlungen


Die Kooperation zwischen dem Maler und Kupferstecher Hörmann und dem Verleger Hübner als „Vermarkter“ setzte sich fort. „In den Jahren 1815 bis 1820 hat J. I. Hörmann die meisten der Augsburg zunächst gelegenen Ortschaften und interessanten Partien treu und glücklich aufgenommen.“ So heißt es 1881. Das Verzeichnis „Alte Ansichten aus Bayerisch Schwaben“ führt 71 Hörmann-Bilder auf. Dabei sind seine Marktbilder nicht erfasst.

Augsburger Ausflügler im Blick

Als Käufer dekorativer Bilder aus Augsburgs Umgebung hatten Künstler und Verleger die Augsburger Ausflügler im Blick. Dargestellt sind Ziele, die die Augsburger vor 200 Jahren bei Sonntagsausflügen ansteuerten. Fußläufige Nahziele waren der Hochablass, die Gaststätte auf dem Spickel, die Siebentischwirtschaft und Siebenbrunn. Per Kutsche ließen sich die Augsburger zum Kobel und weiter ins westliche Umland fahren. Diese Ausflügler bediente Josef Ignaz Hörmann mit seinen Ansichten von der Wallfahrtskirche auf dem Kobel und dem benachbarten Ausflugslokal. „Schmuttertal gegen Hammel“ ist ein Bild bezeichnet, in Westheim hielt er ein Bauernhaus im Bild fest.

Von der Stadtmetzg am Fuß des Perlachbergs transportiert eine Magd ein Reh mit einem Hundegespann nach Hause.
Bild: Städtische Kunstsammlungen


Die Talente von Josef Ignaz Hörmann als akribisch genauer Stecher und Radierer von Schmetterlingen und anderem Kleingetier nutzte nicht nur Jacob Hübner. Auch andere Naturforscher übertrugen ihm Arbeiten. Er habe sich „durch die wundervolle Ausführung ein unvergessliches Denkmal als ganz hervorragender Künstler gesetzt“, schrieb ein Auftraggeber.

Josef Ignaz Hörmann wurde Zeichenlehrer an Augsburger Kunstakademie

Er schuf für wissenschaftliche Werke von Naturforschern tausende kleiner Abbildungen. Um Augsburg machte er sich nicht nur mit Marktbildern verdient: 1816 erschienen zwei Zehner-Serien Radierungen von Stadttoren. Josef Ignaz Hörmann muss ungeheuer fleißig gewesen sein. Er zählte zu den freischaffenden Künstlern. Zu Wohlstand brachte es in Augsburg vor 200 Jahren keiner von ihnen. Hörmann wurde im Alter von etwa 40 Jahren Zeichenlehrer an der Augsburger Kunstakademie. Damit hatte er ein festes Einkommen. 1819 heiratete er. Da war er 44. Im Jahr darauf verstarb er. Der 20. Mai 1820 ist sein Todestag. Seine Witwe überlebte ihn 48 Jahre.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums finden Sie hier.

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