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25.02.2015

Juden fassen neuen Mut

Micha Brumlik

Micha Brumlik sieht deutschen Aufbruch

Vor zwanzig Jahren war der Frankfurter Pädagogikprofessor Micha Brumlik gar nicht zuversichtlich, was die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland betraf. „Kein Weg als Deutscher und Jude“ betitelte er 1996 sein Buch. Nun aber revidiert Brumlik seine Einstellung. Es ereigne sich momentan in der zweiten Generation der jüdischen Zuwanderer, vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion, „eine beachtliche Wiederaneignung der jüdischen Traditionen Deutschlands“. Damit eröffnete er am Montagabend in der Synagoge die internationale Tagung „Rückkehr-Erzählungen“ der Universität Augsburg zusammen mit der Hebrew University Jerusalem, die noch bis Mittwoch läuft.

Würde er heute eine Fortsetzung seines autobiografischen Essays schreiben, sollte sie „Die dritte Heimat“ heißen, meinte Brumlik. Die deutsche Migrationsgesellschaft habe inzwischen einen ganz anderen Begriff von Staatsangehörigkeit, nicht mehr geleitet von ethnischer Zugehörigkeit. Wie noch lange nach dem Ende des Dritten Reichs und dessen Rassenwahn. Juden in Deutschland waren nach 1945 vor allem versprengte Osteuropäer. Und mit Israels Staatsgründung 1948 wanderten über 85 Prozent der 150000 Displaced Persons dorthin aus. Wer blieb, hatte mit Schuldbewusstsein zu kämpfen, auf verfluchtem Boden der Mörder leben zu müssen, sagte Brumlik. Zudem nutzten jene Juden häufig das Rotlichtmilieu, um bald zu Geld zu kommen. Im gleichen Maße ihrer Scham wuchs der Selbsthass: Nirgends spendete man mehr für Israel als unter deutschen Juden.

Micha Brumlik, am 4. November 1947 in der Schweiz geboren, zog selbst nach dem Abi 1967 in einen Kibbuz, kehrte jedoch 1969 zurück. Politisch engagierte er sich bei den Grünen – allerdings in klarer Solidarität mit Israel. Was ihn auf der Linken zum Nonkonformisten machte.

Dazu tritt er für ein religiöses Judentum ein. „Im Gottesbegriff wird sich das zukünftige Judentum in Deutschland entscheiden“, betonte Brumlik in der Synagoge. Junge Juden seien religiös aufgeschlossen und wissbegierig. Er freut sich, dass mittlerweile hierzulande das orthodoxe, das konservative und das Reformjudentum vertreten sind, Rabbiner ausbilden und so die Pflicht zur Einheitsgemeinde ablösen.

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