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Stadtbergen

02.07.2016

Jugendlicher wird verprügelt - doch die Polizei kommt trotz Notruf nicht

Prügel musste ein 16-Jähriger in Stadtbergen einstecken. Die Polizei ignorierte offenbar seinen Notruf.
Foto: Alexander Kaya (Symbol)

Ein 16-Jähriger wählt den Notruf und teilt mit, er werde auf einem Skaterplatz in Stadtbergen bedroht. Ein Polizist wimmelt ihn offenbar ab. Nun hat der Vorfall ein Nachspiel.

Es ist der Dienstag nach Ostern. Der Notruf geht nachmittags bei der Einsatzzentrale der Polizei ein. Ein 16-Jähriger ist am Telefon und teilt mit, dass er bedroht werde. Er befinde sich am Skaterplatz in Stadtbergen, sein Freund sei von anderen Jugendlichen geschlagen worden. Ein Grund für die Polizei, sofort einzuschreiten? Der Beamte am Notruf sieht das nicht so. Er wimmelt offenbar den Jugendlichen ab mit dem Hinweis, es sei keine Streife verfügbar. Er solle doch einfach den Platz verlassen oder zum nächsten Revier kommen, lautet die Auskunft des Polizisten.

Handyvideo von der Schlägerei

Die Sache endet für den 16-Jährigen äußerst unangenehm. Er wird von den Jugendlichen, die ihn zuvor bedroht haben, kurze Zeit später verprügelt. Es gibt ein Handyvideo, das Szenen der Schlägerei zeigt. Gefilmt wurde es offenbar von einem, der zum Lager der Schläger gehörte. Er soll das Video später auch zeitweise ins Internet gestellt haben. Die Sequenz wurde von der Polizei gesichert und ist inzwischen ein wichtiges Beweismittel. Zu sehen sind darauf unter anderem zwei Jugendliche mit Wurzeln im Kosovo. Der 16-Jährige gibt an, er sei von den Angreifern geschlagen und getreten worden. Auch gegen den Kopf. Und das auch noch, als er bereits am Boden lag. Der 16-Jährige hatte noch Glück. Er erlitt zwar diverse Prellungen, Blutergüsse und hatte ein blaues Auge. Schwerer verletzt wurde er aber nicht.

Der Fall hat jetzt nicht nur für die Jugendlichen ein Nachspiel, die an der Schlägerei beteiligt waren. Auch dem Beamten in der Einsatzzentrale droht Ärger. Gegen ihn wird nach Informationen unserer Zeitung wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Die Frage ist: Trägt der Polizist eine Mitschuld daran, dass der Jugendliche am Ende zusammengeschlagen wurde? Es sieht zumindest so aus.

Im Augsburger Polizeipräsidium hat man, nachdem die Vorwürfe intern bekannt geworden sind, den Notruf noch einmal angehört. Alle Notrufe, die in der Einsatzzentrale eingehen, werden routinemäßig drei Monate lang gespeichert. „Wir bedauern den Vorfall“, sagt Polizeisprecher Thomas Rieger auf Anfrage unserer Zeitung. Man habe das Verhalten des Beamten einer „unabhängigen rechtlichen Prüfung“ unterziehen lassen wollen. Deshalb sei der Fall umgehend dem für interne Ermittlungen zuständigen Dezernat 13 beim Landeskriminalamt übergeben worden.

Körperverletzung im Amt?

Die Münchner Ermittler haben inzwischen einen Abschlussbericht zu dem Augsburger Fall vorgelegt. Sie kommen offensichtlich zu dem Schluss, dass sich der Notruf-Beamte tatsächlich einer Körperverletzung im Amt schuldig gemacht haben könnte – weil er es unterließ, dem Anrufer Hilfe zukommen zu lassen. Die Akten liegen jetzt bei der Augsburger Staatsanwaltschaft. Die Behörde wird demnächst entscheiden, wie es weitergeht.

Sollte die Staatsanwaltschaft die Ansicht teilen, dass das Verhalten des Beamten strafbar ist, dann droht ihm ein Strafbefehl oder ein Prozess. Das Gesetz sieht für den Vorwurf, der im Fall des Beamten im Raum steht, Geld- oder Freiheitsstrafen vor. Auch die Ermittlungen zu den Schlägereien, die sich an jenem Tag auf dem Skaterplatz abgespielt haben, sind noch nicht abgeschlossen, teilt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Deshalb ist auch noch offen, ob dem Jugendlichen, der das Video mit den Prügelszenen gedreht und zeitweise ins Internet gestellt haben soll, ebenfalls Ärger droht.

Hilfe bekam der 16-Jährige an jenem Tag übrigens doch noch – aber nicht von der Polizei. Wie es heißt, rief der Jugendliche, nachdem er beim Notruf abgeblitzt ist, per Handy auch noch bei einem Freund an – einem kräftigen Landwirtssohn aus einer kleineren Ortschaft im Kreis Augsburg. Als der am Skaterplatz auftauchte, so wird erzählt, sei Ruhe eingekehrt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.07.2016

Aja... jetzt kommen natürlich einige aus dem Loch gekrochen, denen auch so etwas zugestossen ist, oder die einen kennen, der einen kennt... Da kam die Polizei einfach nicht, oder der Rettungsdienst empfahl einem doch tatsächlich, sich selbst in ärztliche Behandlung zu geben, anstatt sofort eine Armada von Einsatzkräften loszuschicken.

Klar, mag der Beamte in diesem Fall nachträglich betrachtet, einen Fehler gemacht haben. Ganz so einfach, wie sich das mancher jedoch vorstellt, ist das nicht immer.

Der Diensthabende am Telefon muss innerhalb kürzester Zeit einschätzen, ob tatsächlich ein Notfall vorliegt, oder eben nicht. Die Kapazitäten unserer Rettungskräfte sind begrenzt und tagtäglich rufen genügend Kasperl einen Notruf an, obwohl es nicht gerechtfertigt ist. Ganz von den Kosten solcher Einsätze abgesehen.

Der junge Mann gab an, er würde bedroht werden und in so einem Falle ist die erste Empfehlung natürlich erst mal, sich vom Ort des Geschehens wegzubewegen.

Hier angebliche Fälle aufzuzählen, die man nicht nachprüfen kann und ein "Sicherheitsproblem" zu propagieren, ist ja wohl völlig daneben.

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04.07.2016

@Dieter S. - Man kann nur dann den Platz verlassen, wenn es die Aggressoren zulassen. Das haben sie allem Anschein nach nicht. Dass sie das Opfer telefoniern lassen, sogar wissentlich mit der Polizei, ist mittlerweile ganz normal. Denn die Täter wissen ganz genau, dass ihnen nichts passieren wird. Im Regelfall kommt die Polizei nämlich überhaupt nicht bzw. so spät, dass es zu spät ist, oder die Täter erzählen den Polizisten irgendwelche wilden Geschichten, verhöhnen dabei das Opfer und es wird zum Täter gemacht. Das ist relativ leicht, denn die Täter sind immer in der Überzahl, kennen sämtliche Tricks und die Polizisten haben keinerlei Interesse diese Straftaten zu verfolgen. Dann müssen sie nämlich Protokolle schreiben, Vernehmungen machen und lauter anderes für sie unangenehmes Zeug. Insbesondere müssten sie sich gegenüber den Tätern durchsetzen. Dazu sind sie im Regelfall nicht in der Lage. Und wenn es dann doch mal zu einer Anzeige kommt wird das Verfahren eingestellt.

Das habe ich genau so in den letzen Jahren so oft erlebt, dass es im Grunde nicht vorstellbar ist in einem Rechtsstaat. Ich arbeite in der Partygastronomie.

Ich bin sogar von den selben Tätern in einer Nacht mehrfach überfallen bzw. bedroht worden. Und das nicht nur einmal. Die Polizisten waren jeweils nicht in der Lage oder Willens die Täter festzunehmen und die Bedrohung zu beenden.

Ein Kollege von mir wurde Opfer eines Raubüberfalls, der Täter hat ihm dabei sogar eine Flasche auf den Kopf geschlagen, danach hat er den Laden geschlossen, alles aufgeräumt und ist dann zur Polizei. Ich hab ihn gefragt, weshalb er nicht die Polizei gerufen habe? "Du weißt doch genau, die kommen eh nicht." war seine Antwort. Da konnte ich nicht mal widersprechen. Dieser Täter ist dann allerdings schon verurteilt woren.

Als ich selbst Opfer eines Raubüberfalls wurde, wurde das Verfahren eingestellt. Die Täter haben einfach die Polizisten mit irgendwelchen wirren Geschichten verarscht. Ich habe sogar ein Rechtsgutachten erstellen lassen. Bringt aber alles nichts. Die Täter laufen weiter frei rum und machen einfach weiter mit ihrer Masche.

Wirklich krass war auch die Anwort eines Polizisten, als ich angerufen hatte, weil ein bekannter Schläger seine Freundin auf der Straße derart verprügelt hatte, dass ihr das Blut aus der Nase ronn: "Herr ..., lösen sie ihre Probleme selber!"

Wenn ich das alles nicht selbst erlebt hätte, ich würde es nicht glauben. Und ich kann ein Buch voller Erlebnisse erzählen.

Meiner Meinung nach, haben wir ein massives Sicherheitsproblem, das unter den Teppich gekehrt wird.

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03.07.2016

Irgendwie schon seltsam, dass der Jugendliche erst den Notruf wählen kann, dann den kräftigen Landwirtssohn aus dem Kreis Augsburg um Hilfe bittet und immer noch die ganze Zeit am Skaterpark wartet, bis seine angeforderte - zugegebenermaßen private - Unterstützung eintrifft. Wenn ich von jemanden bedroht werde, aber noch die Zeit habe zwei Telefonate zu führen, dann versuche ich so viel Raum wie irgend möglich zwischen mich und den Bedroher zu bringen. Das scheint der junge Mann aber nicht für erforderlich gehalten zu haben.

Also so realitätsfremd finde ich die Aufforderung des Beamten am Notruf nicht den Platz zu verlassen.

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03.07.2016

???

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Er wird von den Jugendlichen, die ihn zuvor bedroht haben, kurze Zeit später verprügelt. Es gibt ein Handyvideo, das Szenen der Schlägerei zeigt.

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03.07.2016

Die Schläge bestreite ich ja nicht, aber wenn ich nicht mehr da bin, dann kann ich auch nicht geschlagen werden. Und diesbezüglich ist das Verhalten für mich nicht nachvollziehbar. Auch wenn die Zeit für das Weglaufen kurz gewesen sein mag.

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03.07.2016

Von wegen Polizeiapparat reduziert, da lach ich ja lauthals! Wenns darum geht, Strafzettel zu veteilen oder an unfallfreien Stellen zu blitzen, da kann man die Burschen haben. Wenns darum geht Bürgern zu helfen, bekommen sie ihre .... nicht aus dem Sessel. Der Jugendliche hätte sagen müssen, dass ein paar Flüchtlinge verprügelt werden. Dann wären sie mit einer Hundertschaft angerückt! Hoffe nur, der Beamte bekommty auch die Starfe, die er verdient !

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03.07.2016

Sie haben Recht und wenn man nach einer von Bürgern aufgestellte Sicherheitsgruppe ruft, ist man Rechtsradikal.

Ob bei einem Unfall oder wen man schnell Hilfe braucht, es dauert ewig bis die Polizei erscheint. Aber Morgens um 4:00 Uhr Leute auf dem Weg zur Arbeit, mit barschem Ton kontrollieren, dass funktioniert.

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03.07.2016

Autofahrer die zu schnell, besoffen oder zugekifft sind stellen für die Bürger in diesem Land auch eine große Gefahr dar. Gibt es einen Zusammenhang, dass Sie sich über solche Polizeieinsätze aufregen?

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02.07.2016

Über Jahre wurde der Polizeiaparat kontinuirlich reduziert und "zusammen gestrichen", jetzt sieht man was dabei raus kommt!

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02.07.2016

Der Seeheimer Kreis der SPD forderte kürzlich 20.000 zusätzliche Polizisten für Deutschland.

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Diese Forderung blieb ohne Reaktion bei Bund und Ländern.

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Ich erwarte klare Worte, warum die Kräftesituation bei der Polizei so angespannt ist.

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02.07.2016

Es ist doch wohl klar, daß die Polizeit nicht immer zu 100% verfügbar sein kann. Wenn es Spitzen gibt - muß eben mal eine Wartezeit drinnen sein.

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