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Augsburg

14.10.2019

Junge Männer und Frauen erzählen, warum sie hier Medizin studieren

Anna Kurnoth und Klaudius Höhne bekommen einen Einblick, wie man mit Mikroskopen arbeitet. Professor Marco Koch (links) gehört zum Team der Medizinfakultät an der Uni Augsburg.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Vorlesungszeit beginnt - auch für die Studenten des neuen Medizinstudiengangs an der Augsburger Uniklinik. Für das Modellstudium nehmen manche einiges in Kauf.

Fabian Unterholzer kommt aus dem Weinort Kaltern. Der liegt in Südtirol und ist nicht unbedingt Augsburger Einzugsgebiet. Jetzt ist der Südtiroler in Augsburg, um hier Medizin zu studieren. Das ist kein Zufall. Von einer Medizinstudentin aus München hat er einen Tipp bekommen: „Bewirb dich doch für das neue Modellstudium in Augsburg, das Konzept ist interessant.“

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Medizin in Augsburg: 84 Studienplätze

Fabian Unterholzer ist einer der jungen Männer und Frauen, die sich an der Augsburger Medizinfakultät für den bayernweit neuen Modellstudiengang eingeschrieben haben. 84 Studienplätze stehen im ersten Jahrgang zur Verfügung, die Einschreibung läuft noch. Die Frage ist jetzt: Wer sind die Neuen in Augsburg und warum sind sie da?

Fabian Unterholzer will schon lange Arzt werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Unterholzer erzählt, er wünsche sich schon seit langem, Arzt zu werden. „Zuerst habe ich mich aber nicht getraut, Medizin zu studieren. Niemand aus meiner Familie kommt aus diesem Bereich.“ Der 27-Jährige ging erst einmal einen anderen Weg. Nach dem Abi ließ er sich in Italien zum Rettungshelfer ausbilden. Dann studierte er in Bozen Pflegewissenschaften. Mit diesem Hochschlabschluss war er parallel in einer Klinik und im Rettungsdienst tätig. Als Unterholzer schließlich von dem neuen Modellstudium in Augsburg hörte, sah er seine Chance kommen. „Obwohl ich ein Einser-Abitur hatte, hätte mein Notenschnitt alleine wohl nicht genügt“, sagt er. Zusatzpunkte im Auswahlverfahren habe er aber verbuchen können, weil in Augsburg auch eine medizinernahe Ausbildung zu den Zulassungskriterien zählt.

Praxisbezug bei Medizinstudium in Augsburg

Klaudius Höhne, 19, kommt aus Hannover. Mit seiner Abinote von „nur“ 2,0 hoffte er, sich in Augsburg auf andere Weise gegen die starke Konkurrenz durchsetzen zu können. Er habe im „Medizinertest“ sehr gut abgeschnitten, sagt er. Und es hat geklappt mit dem ersehnten Medizinstudium. Höhne sagt, er habe sich schon in der Schule sehr für Biologie und Chemie interessiert und ein Pflegepraktikum gemacht. „Operationen fand ich besonders interessant.“ Nun freut er sich darauf, dass der Augsburger Modellstudiengang von Anfang an einen starken Bezug zur Praxis hat. Auch sein erster Eindruck von der Stadt ist vorwiegend positiv. „Augsburg sagt mir zu, aber es ist schwierig eine Wohnung zu finden.“

Für Anna Kurnoth aus Donauwörth war das Medizinstudium Augsburg von Anfang an die erste Wahl. Auch sie findet den innovativen und praxisorientierten Ansatz gut. Die 19-Jährige sagt, es gebe oft Kritik, dass Ärzte nicht genügend Kontakt mit ihren Patienten haben. Aus ihrer Sicht ist eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient enorm wichtig. Anna Kurnoth überlegt, nach dem Studium Landärztin zu werden.

Auch Elisabeth Schröder will in Augsburg Medizin studieren.
Bild: Silvio Wyszengrad

Elisabeth Schröder aus Berlin sagt. „Der Augsburger Modellstudiengang hat Leute angezogen, die Lust aufs Studium haben und Pionierarbeit leisten wollen.“ Das gilt auch für die 23-jährige Berlinerin. Der erste Augsburger Jahrgang sei noch eine kleine Gruppe und gut überschaubar, sagt sie. „Man kann sich einbringen und alle kennenlernen, das ist optimal.“ Als Zusatzqualifikation bringt die Berlinerin eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin mit. Momentan radelt elisabeth Schröder noch täglich eine Stunde aus dem Umland nach Augsburg zur Medizinfakultät. Sie wohnt bei einer Bekannten, bis sie selber eine Bleibe findet.

Aus dem Wissenschaftsbereich kommt Matin Mortazavi. Der 29-jährige Iraner schreibt gerade an seiner Doktorarbeit im Fach Psychologie, das er in München studiert hat. „Während des Studiums habe ich gemerkt, dass ein bisschen mehr grundlagenmedizinisches Wissen für die Forschung wichtig ist. Außerdem möchte ich wieder mehr Kontakt zu Patienten haben“, sagt er. Der Iraner spricht sehr gut deutsch und sagt, er habe auch Angebote gehabt, woanders in Deutschland Medizin zu studieren. Er habe sich aber für Augsburg entschieden, weil das Studium von Anfang an praxisorientiert ist.

Das Interims-Lehrgebäude für die Medizinstudenten steht beim Uniklinikum Augsburg.
Bild: Silvio Wyszengrad

Medizin-Gründungsdekanin Martina Kadmon freut sich schon auf die Pioniere. „Wir sind sehr froh, dass die ersten Medizinstudierenden jetzt bei uns sind und wir sie in den weiteren Aufbau unseres Studiengangs einbinden können.“ Der Modellstudiengang sei auf breites Interesses gestoßen. Es hätten sich viele Studierende aus der Region, aus ganz Bayern, aber auch aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland eingeschrieben. Wo kommen die meisten der Augsburger Medizinstudenten her?

Nach Angaben der Universität haben von den bislang eingeschriebenen Erstsemestern 27 ihre Hochschulzugangsberechtigung im Bezirk Schwaben erworben, 18 in sonstigen bayerischen Bezirken, 20 in sonstigen Bundesländern und neun im Ausland. Professorin Kadmon sagt, „wir freuen uns darauf, nun gemeinsam mit ihnen in die Lehrveranstaltungen zu starten und die Medizinische Fakultät weiter zu gestalten.“

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Was beim Medizinstudium in Augsburg anders läuft

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