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Augsburger Geschichte

06.03.2019

Kaiser Maximilians erstes Quartier

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4 Bilder
Ostansicht der Dompropstei im Stadtplan von 1626. Über den Arkaden zum Garten befindet sich ein Festsaal mit zwölf Fenstern.
Bild: Sammlung Häußler

Die Dompropstei diente als Fürstenherberge. Am Dom-Hotel erinnert eine Gedenktafel an den vor 500 Jahren gestorbenen Gast.

2019 ist ein „Maximilian-Jahr“: Vor 500 Jahren starb Maximilian I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Der 12. Januar 1519 ist sein Todestag. An seinen bedeutenden Lebensstationen wird das Gedenkjahr mit Veranstaltungen und Ausstellungen begangen. Dazu zählt Augsburg. Ab 15. Juni ist „Maximilian I. 1459-1519 – Kaiser. Ritter. Bürger zu Augsburg“ im Maximilianmuseum zu sehen.

Das Gedächtnis an Kaiser Maximilian I. pflegt Augsburg nicht nur im Museum. Seit 1955 ist ihm die Maximilianstraße gewidmet. Sie war 1806 nach dem ersten Bayern-König Max I. benannt worden, doch zum berühmten Kaiser hat Augsburg mehr Bezüge. Auf der Prachtmeile zog er zum Grab des heiligen Ulrich. Maximilian I. war oftmals in Augsburg. Er war auf das Geld Augsburger Kaufleute angewiesen, schätzte Künstler und Handwerker sowie die Gastfreundschaft der Reichsstadt. Augsburg zählte in Maximilians Epoche zu den pulsierendsten Zentren Europas.

Inschriftenplatte am Dom-Hotel

In Augsburg verwahren die Kunstsammlungen, das Stadtarchiv sowie die Staats- und Stadtbibliothek Schatzstücke mit Bezügen zum vor 500 Jahren gestorbenen Kaiser. Sie werden mit Leihgaben in der Ausstellung im Maximilianmuseum zu sehen sein. Daneben nimmt sich eine Inschriftplatte mit seinem Namen am Dom-Hotel bescheiden aus. Seit 1857 ist dort zu lesen: „Dieses Haus war die Domprobstei, neuerbaut im Jahre 1508 durch den Kardinal Matthäus Lang. Hier pflegten während ihres Aufenthaltes in Augsburg der Kaiser Maximilian I. und seine Gemahlin Bianca Maria zu wohnen.“

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Sie wohnten im Vorgängergebäude des auf der Tafel genannten Neubaus von 1508. Ab 1504 besaß nämlich Maximilian ein eigenes Haus nahe der Heilig-Kreuz-Kirche und war zudem Mitbesitzer des Schlosses Wellenburg. Zwischen 1494 und 1504 logierte das Paar in der Dompropstei. Am 16. März 1494 hatte Maximilian – damals noch römisch-deutscher König – in Hall in Tirol in zweiter Ehe die 22-jährige steinreiche Mailänder Herzogstochter Eleonora Bianca Maria Sforza geheiratet.

Vom Augsburger „Kaiser-Hotel“ aus dieser Epoche sind nur mehr Teile der Keller, Fundamente und ein kunstvoller Wappenstein erhalten. Er zeigt das Wappen von Johann Herzog in Bayern. Der Wittelsbacher war von 1468 bis 1486 Dompropst. Die rund 550 Jahre alte Bildhauerarbeit ziert eine Wand in der Halle des Dom-Hotels und dient Gästen aus aller Welt als historischer Hintergrund für Selfies.

Karriere begann als Chorknabe am Hof in Ingolstadt

Die 1508 errichtete Dompropstei, auf die die Tafelinschrift verweist, zeigen Stadtpläne von 1521 und 1626. Auch ein Porträt des Bauherrn, Kardinal Matthäus Lang, ist überliefert. Er war Augsburger. Dessen Karriere begann als Chorknabe am Hof von Bayern-Herzog Georg in Ingolstadt. Die schöne Stimme sicherte dem Hochbegabten aus verarmter Augsburger Patrizierfamilie beste Schulbildung und einen Freiplatz an Universitäten. Mit 25 Jahren beherrschte Matthäus Lang Latein, Französisch und Italienisch perfekt. 1494 wurde Maximilian auf ihn aufmerksam und nahm ihn als Sekretär in seine Dienste. Es folgte der Aufstieg zum königlichen und kaiserlichen Diplomaten, zu hohen Würden und zu Reichtum. Anno 1498 in den Adel erhoben – er nannte sich nun Lang von Wellenburg – wurde Kaiser Maximilians Günstling im Jahre 1500 Dompropst zu Augsburg. 1501 folgte die Ernennung zum königlichen Rat.

Matthäus Lang war kein frommer geistlicher Herr. Trotzdem stieg er 1504 zum Bischof von Gurk auf, bekam 1511 den Kardinalshut und übernahm 1519 das reiche Erzbistum Salzburg. Er war einer der schillerndsten, geschicktesten und mächtigsten Diplomaten seiner Zeit, aber auch der Wissenschaft und üppigem Lebensstil zugetan. Die Amtsgeschäfte als Dompropst in Augsburg erledigte ein Vertreter. Dennoch war ihm Repräsentation wichtig: 1508 ließ er seinen Amtssitz, die Dompropstei, großteils erneuern.

Dokumentierte Streitigkeiten mit der Reichsstadt

Die Geschichte der Dompropstei ist schon vor Maximilians Lebenszeit (1459-1519) durch Akten belegt. Sie dokumentieren Streitigkeiten zwischen der Reichsstadt und den Klerikern. Zum Beispiel anno 1372, als die Reichsstadt gegen den Willen der Geistlichkeit die Mauern um die Dompropstei umbauen ließ. 1381 befahl sie, alles abzureißen, was weniger als 14 Schuh (circa 4,15 Meter) von der Mauer um die Domstadt – der sogenannten „Bischofsmauer“ – entfernt war. Dazu zählte das Haus des Dompropstes.

Dass das heutige Dom-Hotel inmitten der einstigen Römerstadt steht, daran werden die Gäste durch Funde erinnert: Römermünzen, Keramikscherben sowie antike Gläser sind in einer Vitrine präsentiert. Sie waren bei Bauarbeiten auf dem Grundstück zutage gekommen. Natursteine von Römerbauten sind in die Ziegelmauern der Gewölbekeller eingefügt.

1803 war die Dompropstei in Besitz der Stadt übergegangen. Sie verkaufte 1804 die Immobilie. Es folgten etliche Eigentumswechsel, ehe sie am 28. März 1872 der Verein „Katholisches Casino“ erwarb und im rückwärtigen Trakt die Gastwirtschaft zur Goldenen Glocke einrichtete. 1919 wurden Josef und Betty Dietrich Pächter, 1941 konnten sie den Komplex kaufen. Seither ist das Anwesen in Familienbesitz. 1972 wandelte sich der Name von Hotel Goldene Glocke am Dom in Dom-Hotel.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie in unserem Special.

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