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Region Augsburg

15.09.2013

Kampf gegen Missbrauch von Jugendlichen mit Downsyndrom

Maja und Nikolas genießen es beim Schaukeln, dass die Vereinsvorsitzende Karin Lange sie anschiebt. Die Mitglieder von „einsmehr“ möchten Kindern mit Downsyndrom den nötigen Schwung für ein erfülltes Leben geben.
Bild: Sascha Geldermann

Sexuellen Missbrauch erlebt mehr als jeder zweite Mensch mit Behinderung. Auch Eltern von Kindern mit Downsyndrom haben Angst.

Sexuellen Missbrauch erlebt mehr als jeder zweite Mensch mit Behinderung. Das geht unter anderem aus Studien der Caritas hervor. Auch Eltern von Kindern mit Downsyndrom haben Angst, dass ihrem Nachwuchs die Offenheit zum Verhängnis wird. Um Betroffene zu schützen, startet der Verein „einsmehr“ als Downsyndrom-Inititiative für Augsburg und Umgebung in den kommenden Wochen jeweils eine Mädchen- und eine Jungengruppe für Jugendliche mit Trisomie 21. Dabei geht es um sexuelle Aufklärung, aber auch um Freundschaft und um viele andere Teenager-Themen.

Seit über drei Jahren setzt sich der aus einer langjährigen Selbsthilfegruppe entstandene Verein mit Sitz in Augsburg für Menschen mit Downsyndrom ein. Der Name „einsmehr“ bezieht sich auf das zusätzliche Chromosom, das Menschen mit Trisomie 21 haben. Rund 80 Familien gehören zu dem Verein – die meisten haben selbst betroffene Kinder. Zum Angebot gehören unter anderem Seminare, Vorträge und monatliche Treffen. Die Gruppen für Jugendliche erweitern dieses Programm. „Wir wollen unsere Kinder mit diesem Angebot stärken, damit sie ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln und ihre Gefühle äußern können“, sagt die Vorsitzende Karin Lange aus Mering.

Die Mädchengruppe hatte in der Vergangenheit schon einen Vorläufer in Zusammenarbeit mit „pro familia“. Nun führt „einsmehr“ die Gruppe unter dem Dach des Evangelischen Jugendwerks Augsburg und mit finanzieller Unterstützung des Bunten Kreis weiter. Parallel dazu entsteht erstmals eine Gruppe für betroffene Jungen zwischen 13 und 16 Jahren.

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Das Konzept sieht vor, die Jugendlichen drei Jahre lang durch die schwierigste Phase der Pubertät zu führen. Jährlich fallen Kosten von rund 15 000 Euro an. „Daher freuen wir uns sehr, dass wir nun eine großzügige Finanzspritze von 5000 Euro bekommen haben“, sagt Lange. Der Regierungspräsident von Schwaben, Karl Michael Scheufele, überreichte den Spendenscheck in Mering an die Vereinsvorsitzende. Das Geld stammt von dem Gewinnsparverein der Raiffeisen- und Volksbanken in Bayern.

Für die Gruppen gab es doppelt so viele Bewerber wie Plätze

Das Geld investiert „einsmehr“ hauptsächlich in die beiden Jugendgruppen. „Wenn die Mittel dafür da sind, möchten wir im kommenden Jahr sogar noch eine weitere für die Jungen starten“, sagt Lange. Es habe nämlich doppelt so viele Bewerber wie Plätze gegeben. Mit mehr als acht Teilnehmern pro Gruppe ließe sich aber auch bei zwei Betreuern nicht mehr vernünftig arbeiten. Nach den drei Jahren professioneller Begleitung sollen die Treffen in Freizeitgruppen des evangelischen Jugendwerks übergehen. Bei den Mädchen ist das wegen des Vorläufers schon 2014 der Fall.

Sexuelle Aufklärung ist nur ein Schwerpunkt bei den Treffen. Hierbei geht es um Körperwahrnehmung und um den Umgang mit den eigenen Gefühlen sowie mit den Mitmenschen. Freundschaften sind ein weiteres wichtiges Thema. „Wir setzen uns sehr für Inklusion ein, knüpfen aber auch Kontakte zwischen den Betroffenen“, sagt Lange. Das sei wichtig, da die Entwicklungsschere zwischen Jugendlichen mit und ohne Downsyndrom mit zunehmenden Alter immer größer werde. Damit wachse auch der Unterschied bei den Interessen.

Bei den Treffen geht es auch um die berufliche Zukunft der jungen Menschen. Die meisten Betroffenen arbeiten in betreuten Werkstätten. „Wir wünschen uns aber, dass mehr Jugendliche einen Platz auf dem herkömmlichen Arbeitsplatz finden“, sagt Lange.

www.einsmehr.org

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