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Augsburg

11.02.2018

Kampfflieger, Königstreuer und Magier: Wer ist Rico Strauß?

So kennen die Augsburger Rico Strauß – der Königstreue trägt gerne Tracht. Doch er war früher auch Kampfflieger und zaubert für sein Leben gern.
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So kennen die Augsburger Rico Strauß – der Königstreue trägt gerne Tracht. Doch er war früher auch Kampfflieger und zaubert für sein Leben gern.
Bild: Silvio Wyszengrad

In seiner Tracht fällt Rico Strauß als Königstreuer auf. Er hat viel mehr zu erzählen, als von seiner Verehrung für den Ludwig II. Dass er Kampfflieger war und FKK macht.

Es gibt zwei bekannte Bärte in Augsburg. Der eine ist eher rauschig-wild und hängt im Gesicht des selbsternannten "König von Augsburg". Der andere Bart ist akkurat gezwirbelt. Er ziert die Oberlippe eines Mannes, der tatsächlich gerne einen echten Monarchen in Bayern hätte. Rico Strauß gehört zu den Königstreuen in Augsburg, ein Verein, der das bayerische Brauchtum pflegt. Mit seiner üppigen Tracht und seinem Schnauzer ist er in Augsburg eine auffallende Erscheinung. Kaum vorstellbar, dass der gemütlich wirkende Strauß einst als Kampfpilot den Geschwindigkeitsrausch liebte. Und nicht nur das.

Mit Siezen hält sich der 77-Jährige erst gar nicht auf. "Ist Dir das schon aufgefallen?", fragt er. Strauß zeigt auf die kleine Wäscheklammer aus Holz, die an seiner Trachtenjacke heftet. "WBFZAM" steht darauf zu lesen. Also gut: Was bedeutet denn die kryptische Abkürzung? Rico, so sei er jetzt auch frei heraus genannt, frohlockt. "Wer bleed fragt zahlt a Maß", erklärt er und bricht in Gelächter aus. "Die habe ich immer auf der Wiesn und auf dem Plärrer dran. Das klappt jedes Mal." Rico Strauß ist ein fröhlicher Mensch. Er liebt die Geselligkeit. Und er liebt es andere zu unterhalten. Darum hat er zum Interview auch einen Lederbecher und einen kleinen, roten Ball mitgebracht.

Als "Magic Rico" tritt Strauß bei Zaubershows auf

Der Augsburger ist seit über 50 Jahren ein leidenschaftlicher Zauberer. Demnächst tritt er wieder auf, in einem Autohaus in Schwabmünchen. "Ich mache aber keine Bühnenshow, sondern mische mich unter die Leuten und zeige meine Tricks." Ricos Finger mit den vielen dicken Ringen lassen den Ball unter dem Lederbecher verschwinden. Wo der Ball jetzt ist, will er wissen. Ja, unter dem Becher halt. Er frohlockt, hebt den Becher. Der Ball ist verschwunden. Lachend zieht ihn Rico stattdessen aus einer Tasche seiner Trachtenjacke.

"Magic Rico" nennt er sich selbst. Angefragt werde er für Geburtstage und Firmenfeiern. "Die Leute wollen mich haben. Sie wissen, dass ich für Spaß und Gaudi sorge." Vier Stunden Programm könne er bieten. "In meinem Alter habe ich halt viele Zaubertricks angesammelt." Schon als Kind habe ihn die Magie fasziniert. Vorbild war sein Vater. "Ein geselliger Mann, der auf Partys gerne mal Tricks zeigte." Seine erste Zaubershow präsentierte der Augsburger 1967 im Bundeswehrcasino in Schwabstadl vor 60 Gästen. In seiner Freizeit bildete er sich auf Magierkongressen weiter. In der US-Showstadt Las Vegas habe er sogar eine Meisterprüfung für Magier absolviert.

Seine Meisterprüfung für Magier absolvierte Strauß in Las Vegas

Beim gemeinsamen Essen dort mit Zauberern überraschte Strauß mit seinem "Papperl-Trick". Strauß riss dafür ein Stück von einer Serviette ab, klebte es mit Spucke auf ein Messer und hielt es in die Runde. "What’s that?" habe er gefragt, um es dann selbst zu erklären: "a Papperl". Wie durch Zauberhand verschwand das Papierfitzelchen erst vom Messer und hing plötzlich wieder auf dem Besteck. Die amerikanischen Kollegen sollen vom "Papperl" ganz begeistert gewesen sein. "Wichtig ist es, spontan mit Gegenständen tricksen zu können und dazu Geschichten zu erzählen." Bei Auftritten werde er oft gefragt, wo denn sein Hut mit dem großen Buschen sei. Die Zuschauer vermissen dann Rico Strauß’ Trachtenhut, mit dem man ihn oft in Augsburg sieht.

Heute zum Interview hat er ihn freilich aufgesetzt. "Normalerweise hat man einen Gamsbart auf dem Hut, dieses Haar aber stammt von einem Hirsch-Brusthaar. Darum ist es auch so üppig", erklärt der Königstreue. Viel Geld habe er dafür ausgegeben. "Es gibt eine Gamsbart-Olympiade in Bad Goisern und da wurde der gebundene Buschen auf Platz vier gewählt", erzählt er stolz. Sein Hutrand ist mit vielen Ansteckern versehen. "Das hier ist echtes Edelweiß, hier sind zwei Hirschzähne mit silbernem Eichenlaub, das Vereinswappen der Königstreuen, das ist das Bild von König Ludwig gefasst in einem Hirschhornkranz und das ist Franz Josef Strauß. Der darf natürlich auch nicht fehlen." Den Franz-Josef Strauß hat er schon mal persönlich getroffen.

Jahrelang war er Kampfflieger bei der Luftwaffe

Auf der Luftfahrtausstellung in Hannover. "I bin auch a Straußerl", habe er den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten angesprochen. "Ja, fliegst du denn", habe der Politiker ihn gefragt. Der Augsburger bejahte, beide kamen kurz ins Gespräch. Rico Strauß ist nämlich nicht nur Königstreuer und Magier. Hauptberuflich war er etliche Jahre Kampfflieger bei der Luftwaffe in Neuburg an der Donau. Als Navigator saß der gebürtige Traunsteiner in der Phantom. Strauß war viel im Ausland auf Kommando unterwegs, um mit anderen europäischen Kampffliegern Einsatzszenarien zu üben. In ein paar brenzlige Situationen sei er dabei schon geraten. Wie etwa bei einem Einsatz in Sardinien.

Rico Strauß war Navigator in einem Phantom-Kampfjet.
Bild: Ingo Wagner, dpa

"Über dem Meer platzte uns eine Hydraulikleitung, Flüssigkeit tropfte auf das heiße Triebwerk, wir mussten es abstellen." Strauß machte sich innerlich schon auf den Schleudersitz gefasst. Im Sinkflug habe man es gerade noch zurück zur Insel geschafft. Geschwindigkeit fasziniert den 77-Jährigen. Er grinst. "Deshalb fahre ich seit 30 Jahren nur Porsche. Ein paar Tickets musste ich schon zahlen." Als Kampfflieger ging Rico Strauß früh in Rente. Danach arbeitete er viele Jahre als Reiseführer für einen Veranstalter. Er mag es halt gesellig. Und er mag es Menschen zu unterhalten. "Allein Thailand besuchte ich 24 Mal mit Reisegruppen." Weil Strauß in allen Dingen als Perfektionist erscheint, verwundert es kaum, dass er zu der Zeit auch Thailändisch lernte. "Da bekommst du auf den Nachtmärkten für deine Reisegruppe ganz andere Preise." Strauß liebt Reisen, aber er liebt auch Augsburg, seine Heimat.

Was findet er so toll an Ludwig II?

In Pfersee kaufte sich der einst verheiratete Strauß vor Jahren ein Haus, "bis mich das Wertach-Hochwasser rausgeschwemmt hat." In seinem Lechhauser Penthouse sei dann das Wasser von oben gekommen. Mit einer Eigentums-Wohnung in der Innenstadt ist er jetzt glücklich. Strauß mag den Plärrer, die Biergärten in der Stadt. Am Kaisersee macht er mit Bekannten gerne FKK. "An unserem Platz weht die bayerische Fahne und die deutsche Flagge mit der Aufschrift ,FKK only Augsburg’." Seit 30 Jahren gebe es die Gemeinschaft, die sich dort zum Nacktbaden und -sonnen treffe. "Die Fischer werfen uns vor, dass wir Unrat hinterlassen oder unzüchtige Sachen tun. Dabei sind wir es, die den Müll dort wegräumen. Der Schwulentreff weiter hinten interessiert uns nicht."

Die Erzählungen von Rico Strauß sind so bunt und vielseitig, wie er selbst. Zwei Fragen aber seien beim Weißbier noch gestattet. Warum er denn König Ludwig so verehre? "Er war seiner Zeit gedanklich weit voraus, wurde aber immer wieder ausgebremst. Wenn man seine Schlösser sieht, weiß man, was er geschaffen hat", erklärt er. Freilich hätte er gerne wieder einen König. "Aber es geht auch ohne." Ob es schwer ist, den Bart immer so akkurat zu zwirbeln? "Nein, dafür gibt es Bartwichse. Aber hinter meinem Bart steckt eine Geschichte." Irgendwie war das fast klar. Er erzählt. "Schon bei der Bundeswehr hatte ich einen Bart. Aber beim Fliegen mussten wir Atemmaske tragen und ein Teil des Bartes schaute immer neben raus. Vor lauter Aufregung beim Fliegen biss ich die Enden oft ab." Strauß hatte das irgendwann satt. Ab da drehte er die Bartzipfel unter der Maske weg. So entstand sein bekannter Zwirbelbart. Ohne Magie.

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