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Augsburg

23.07.2019

Kann die Jobbörse allen Fujitsu-Mitarbeiter helfen?

89 Firmen waren mit Stellenangeboten auf der Fujitsu-Jobbörse vertreten.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Das angekündigte Aus verunsichert die Fujitsu-Mitarbeiter. 89 andere Firmen haben ihnen nun Job-Angebote gemacht. Wer dabei war und was die Mitarbeiter sagen.

Kurz vor zehn eröffneten am Montag Vertreter der Augsburger „Allianz für Arbeit“ die eigens für die Fujitsu-Mitarbeiter initiierte Stellenbörse in einer der Werkshallen des Unternehmens. 89 Firmen hatten ihre Stände aufgebaut und nicht nur Kugelschreiber und Süßigkeiten ausgelegt, sondern auch Ausdrucke mit konkreten Stellenangeboten dabei.

Was schnell auffiel: Während große Namen wie MAN oder Huawei dabei waren, fehlte das Augsburger Technologieunternehmen Kontron. Allerdings aus gutem Grund: Die Jobbörse lief nämlich gerade einmal eine Stunde, da gab das Unternehmen bekannt, dass es als Tochter der S&T AG eine ganze Sparte von Fujitsu übernehmen wird – und zwar das so genannte Industrie-Mainboard-Geschäft. Vereinfacht gesagt handelt es sich um Rechner, die in Maschinen, Geräten oder Fahrzeugen verbaut werden.

Verbunden mit dieser Übernahme sind auch Jobofferten für bisherige Fujitsu-Beschäftigten. „Die Übergabe des operativen Geschäfts ist für Oktober 2019 geplant. Kontron wird zudem geeigneten Mitarbeitern von Fujitsu Technology Solutions mit relevanten Qualifikationen in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb Beschäftigungsmöglichkeiten anbieten“, heißt es in der Stellungnahme. Insider rechnen mit einer hohen zweistelligen Zahl an Mitarbeitern, für die diese Stellenangebote infrage kommen könnten.

Kontron übernimmt Fujitsu-Sparte: Erste Reaktionen

Die ersten Reaktionen auf die Übernahme sind positiv. Augsburgs Wirtschaftsreferentin Eva Weber sagte: „Es ist super, dass Mitarbeiter so in der Region bleiben können und das Know-How nicht aus Augsburg abwandert.“ Kontron selbst beschreibt die Übernahme als „strategischen Schritt“: Die Erfahrung von Fujitsu ergänze sich zum Beispiel mit Kontron-Software für das so genannte „Internet of things“ sowie Künstlicher Intelligenz; im Internet der Dinge geht es darum, etwa Maschinen zu vernetzen. „Zusätzlich kennt Kontron die Anforderungen der bestehenden Kunden“, so Carlos Queiroz, Manager Operatives Geschäft der S&T AG.

Während der Verkauf des Segments schlagartig für einen Teil der Fujitsu-beschäftigte neue Jobperspektiven eröffnet, müssen sich immer noch rund 1000 Menschen nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Daher nutzten viele der Betroffenen den Aktionstag am Montag.

Je nach Austrittswelle, in der sie sich befinden, muss ein Wechsel zwischen Herbst 2019 und Herbst 2020 angegangen werden. Darauf haben sich auch die 89 Unternehmen eingestellt. Sandra Auer, Personalleiterin der LechStahlwerke hatte 19 Offerten dabei. „Seit Bekanntgabe der Standortschließung stehen die Lech-Stahlwerke mit Fujitsu in Kontakt um den Mitarbeitern ihre Unterstützung anzubieten“, erzählt sie. Am Montag direkt vor Ort. Das kommt gut an. „Es war wichtig für die Beschäftigten zu sehen, dass sie und Ihre Qualifikationen geschätzt werden und auf dem Arbeitsmarkt etwas wert sind“, sagt Betriebsratsvorsitzender Peter Wagner. Die Stimmung bei der Belegschaft sei gedrückt, es herrsche teils große Verunsicherungen, ob man mit seinem Fujitsu-Spezialwissen anderswo eine Chance hat. Aktionen wie die Stellenbörse würden daher vor allem bei jenen helfen, die nicht zu den höchst Qualifizierten gehören und daher ohnehin begehrt sind. „Endlich merken alle, für sie wird etwas unternommen und es ist nicht aussichtslos.“

Dass Stellenbörsen durchaus von Erfolg gekrönt sein können, weiß Philipp Welzel. Er ist Leiter der Personalabteilung bei Müller Milch und mit solchen Formaten bereits erfahren. Sowohl bei der Stellenbörse für Ledvance-Beschäftigte als auch jene der Gersthofer Backbetriebe war er dabei und sagt: „ Wir bauen im Haus gerade einiges an Stellen auf. Daher sind solche Veranstaltungen wie hier für uns ideal, um den Bedarf an Fachkräften zu sichern. Wir schaffen es auch jedes Mal bis zu einer zweistelligen Zahl an Mitarbeitern direkt zu übernehmen.“ Auch wenn diese womöglich erst in einem Jahr bei Fujitsu ausscheiden. „Wir planen längerfristig und wissen auch heute schon, wen wir in einem Jahr brauchen werden. Wenn wir hier und heute für diese Stellen schon einen Nachfolger rekrutieren können, wäre das perfekt.“

Die Jobbörse begeistert nicht alle

Doch nicht alle sind sofort von der Jobbörse begeistert und nach wie vor verunsichert. „Ich weiß noch gar nicht genau, wo ich mit meinem Können überhaupt gefragt bin. Deshalb informiere ich mich mal ganz breit“, erzählt Gabriele Martinek. Sie arbeitet derzeit in der Produktion. Weil sie kein Auto hat, braucht sie einen Arbeitgeber in der Nähe. Ein Faktor, der von Beschäftigten immer wieder genannt wird. Pendeln wollen viele nicht. Ein Vorteil für Hosokawa. Das Augsburger Unternehmen mit Sitz in Göggingen ist direkt vor Ort und sucht in den verschiedensten Bereichen nach Verstärkung. Sechs konkrete Angebote hat Personalreferentin Lisa Streit heute dabei. „Wir wollten die Chance nutzen, den Fujitsu–Mitarbeitern direkt unsere Hilfe anzubieten“, sagt sie. So ließe sich sofort ausloten, ob man zusammenpasst oder nicht.

Ein Vorteil, den auch Elsa Koller-Knedlik, Chefin der Agentur für Arbeit, schätzt. „Hier kann quasi barrierefrei vermittelt werden. Die Beschäftigten kommen direkt mit den Personalverantwortlichen zusammen. Das nimmt Ängste und das ist enorm wichitg“, sagt sie. Und auch, dass der Aktionstag nicht der letzte Rettungsanker sein wird. „Wir wollen den Prozess weiter begleiten und uns ansehen, was noch zu tun ist“, sagt sie. Das ist auch Standortleiter Uwe Romppel wichtig. „Ich will, dass wir alles bieten, was möglich ist und dafür haben wir die Rückendeckung aus Japan.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kontron übernimmt Fujitsu-Sparte: Es wird Verlierer geben

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