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Augsburger Geschichte

24.09.2020

Kanonen, Löschwagen und Römerschätze - die wechselhafte Geschichte des Zeughaus

Das Ersatzmuseum Römerlager belegt seit 2015 die Toskanische Säulenhalle, in der ab 1607 Kanonen standen.
Bild: Sammlung Häußler

Plus Kanonen, Löschfahrzeuge und nun die Ausstellung Römerlager: Das Augsburger Zeughaus hat eine bewegte Geschichte, die auch schon bundesweit für Aufsehen sorgte.

Von 1607 bis um 1880 „parkten“ Kanonen in der Toskanischen Säulenhalle des Zeughauses bei St. Moritz. Von 1899 bis 1975 standen unter den Gewölben einsatzbereite Feuerwehrfahrzeuge. Seit 2015 beherbergt die Halle das „Römerlager“. Das sind Exponate des Römischen Museums in der Dominikanerkirche. Es musste am 5. Dezember 2012 geschlossen werden. Die Toskanische Säulenhalle wandelte sich zum Übergangsmuseum, zum „Römerlager – Das römische Augsburg in Kisten“. Die Bezeichnung und ein großer Kistenstapel sollen ausdrücken, dass hier Zeugnisse aus Augusta Vindelicum nur „kampieren“.

„Die Römer in Schwaben“ hieß diese Ausstellung 1985 in der Toskanischen Säulenhalle.
Bild: Sammlung Häußler

Augsburg soll natürlich wieder ein Römisches Museum bekommen. Wann das sein wird, ist derzeit allerdings nicht absehbar. Fest steht: Das „Römerlager“ wird noch etliche Jahre die stilvolle Toskanischen Säulenhalle belegen. Den Namen verdankt die dreischiffige Gewölbehalle zwei Reihen Säulen aus Jurakalk in „toskanischer Ordnung“. Sie tragen die Kreuzgratgewölbe. Unter diesen Gewölben fand am 6. Dezember 1980 die Eröffnung des „neuen“ Zeughauses als Bildungs- und Begegnungszentrum mit einem Bürgertreff bei Folklore, Musik und Tanz statt.

Das Augsburger Zeughaus wurde zum Vielzweckgebäude

Die Vorgeschichte dazu: Am 30. April 1975 beschloss der Stadtrat, das Zeughaus in ein Vielzweckgebäude mit Kurs-, Seminar- und Werkräumen sowie einem Kinosaal umzubauen. Der Säulenhalle war eine Sonderrolle zugedacht. Sie sollte keine Dauerbelegung erhalten, sondern für Ausstellungen, Bürgerfeste, Tagungen, kulturelle und soziale Aktivitäten zur Verfügung stehen. Der Stadtratsentscheidung von 1975 war ein turbulentes Jahrzehnt über das Schicksal des Zeughauses vorausgegangen.

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Nur noch der Name „Zeughaus“ erinnert daran, dass es zur Verwahrung von Waffen gebaut wurde. Arsenal, Rüstkammer oder Zeughaus waren Bezeichnungen für solche städtischen oder staatlichen Waffenlager. „Zeug“ – das war Kriegswerkzeug: Kanonen, Musketen, Säbel, Harnische, Munition, Pulver. Die Reichsstadt bevorratete davon Unmengen. 1806 war mit der Einverleibung Augsburgs ins Königreich Bayern die städtische Wehrhoheit beendet. Das Zeughaus wurde zum königlich-bayerischen Waffenarsenal.

Augsburger Feuerwehr zog in neue Zentrale um

Um 1880 hatte es als Artillerie-Depot der bayerischen Armee ausgedient. Am 17. April 1895 vollzog sich die Konversion, der Wandel von der militärischen zur zivilen Nutzung: Die Stadt kaufte das Zeughaus, um es zur Hauptfeuerwache umzubauen. 1899 war sie funktionsfähig, und zwar für 76 Jahre. 1965 beschloss der Stadtrat den Bau einer neuzeitlichen Feuerwehrzentrale an der Berliner Allee. Am 1. Juli 1975 zog die Feuerwehr um.

Die Toskanische Säulenhalle des Zeughauses diente von 1899 bis 1975 als Garage für die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr.
Bild: Sammlung Häußler

Nach den Beschlüssen von 1965 sollte zu diesem Zeitpunkt das Zeughaus eigentlich dem Horten-Konzern überlassen werden. Er wollte es dem benachbarten Kaufhaus „Merkur“ angliedern. Doch es kam anders. Der Vertrag wurde am 13. Oktober 1965 unterzeichnet. Der Konzern bekam von der Stadt ein Erbbaurecht mit bis zu 88 Jahren Laufzeit eingeräumt. Mit der Abgabe städtischen Eigentums von derart historischer Bedeutung an einen Warenhauskonzern waren keineswegs alle einverstanden.

Zunächst verweigerte die Regierung von Schwaben die Zustimmung. Das Augsburger Verwaltungsgericht musste eingeschaltet werden. 1968 landete die Streitsache „Zeughaus“ beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, 1970 beim Bundesverwaltungsgericht. Diese höchste gerichtliche Instanz rettete das Zeughaus für die Augsburger: Sie machte neue Stadtratsbeschlüsse zur Auflage. Die Stadt bekam dadurch die Möglichkeit, aus dem 1965 geschlossenen Vertrag auszusteigen. Davon machte der Stadtrat Gebrauch.

Geschichte des Zeughauses bis zum Jahr 1980 auf einer Steintafel im Foyer.
Bild: Sammlung Häußler

Gegen das als „Kulturbarbarei“ bezeichnete „Verscherbeln“ des Zeughauses kämpfte seit 1965 die „Augsburger Aktion“. Dieser Zusammenschluss kulturell Engagierter startete im Herbst 1967 eine massive öffentliche Kampagne mit einer 162-seitigen Dokumentation „Rettet das Augsburger Zeughaus“. „Kulturbewusste, mündige Bürger“ sollten sich damit umfassend informieren und sich dafür einsetzen, dass das Zeughaus „im alleinigen Eigentum der Öffentlichkeit“ bleibe, hieß es darin.

Augsburger Zeughaus-Kontroverse war Thema für die Presse

Die deutsche Presse berichtete ausführlich über die Augsburger Zeughaus-Kontroverse. Der Stadtrat als Entscheidungsgremium stand dabei sehr negativ im Blickfeld. Die massive Kritik bewirkte ein Umdenken. 1971 begann eine „Rückabwicklung“ des Vertrags mit dem Horten-Konzern, 1975 wurde die Nutzung als Bildungs- und Begegnungszentrum mit gastronomischer „Betreuung“ beschlossen. 1978 begann der Umbau, am 6. Dezember 1980 konnte das „neue“ Zeughaus eröffnet werden.

Die historische Zeughausfassade: Das Portal unter der Michaelsgruppe führt in die Toskanische Säulenhalle.
Bild: Sammlung Häußler

1985 fand in der Toskanischen Säulenhalle die Ausstellung „Die Römer in Schwaben“ mit der Präsentation antiker Fundstücke statt. 30 Jahre später erinnerte man sich daran: Seit 26. Juni 2015 ist die historische Halle ein „Römerlager“. Am 12. Mai 2020 endete die Corona-bedingte Schließung. Mit einem Hygienekonzept, zu dem das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung gehört, ist das „Römerlager“ zu den Öffnungszeiten der Augsburger Museen zu besichtigen.

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