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Prozess

09.07.2010

Kassiererin bediente sich aus der Kasse

Einkauf im Supermarkt (Archivfoto)
Bild: sm

Emmely war gestern. In Augsburg hat eine 24-Jährige weitaus tiefer in die Kasse ihres Chefs gegriffen. Die Angestellte hat 11.000 Euro veruntreut. Im Raum stand eine viel höhere Summe, doch die Beweislage war schwierig. Von Klaus Utzni

Die Berliner Supermarkt-Kassiererin Emmely wurde deutschlandweit berühmt, als sie einen Pfandbon im Wert von 1,30 Euro unterschlug und daraufhin von ihrem Arbeitgeber gekündigt wurde.

Weitaus tiefer in die Kasse ihres Chefs griff die Angestellte eines Lebensmittelmarktes in Augsburg. Sie verlor ebenfalls ihren Job - und landete jetzt vor Gericht. Immerhin fast 70 000 Euro soll sie laut Anklage nach und nach innerhalb eines halben Jahres aus der Kasse genommen haben. Das entspricht fast zehn Prozent der gesamten Bargeldeinnahmen des Ladens.

Dass die Kassiererin sich so lan-ge Zeit selbst bedienen konnte, lag den Ermittlungen der Kripo offenbar an den mangelnden Buchführungskenntnissen des Inhabers, der den Markt erst kurz zuvor übernommen hatte. Ein kleiner Trick genügte nämlich, um die "Barentnahmen" zu kaschieren.

Kassiererin bediente sich aus der Kasse

Die Kassiererin fingierte einfach mithilfe eines sogenannten Retourenschlüssels die Rücknahme bereits "verkaufter" Waren und entnahm dann die Beträge, die den freilich nicht existenten Kunden angeblich zurückgegeben worden waren. Das ging im Jahre 2008 sechs Monate lang gut, bis der Chef ihr auf die Schliche kam.

Einen Teil der Beute im Spielsalon verjubelt

Im Prozess vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Cornelia Böttcher warf ihr Staatsanwältin Dr. Tanja Horvath jetzt 127 Einzelfälle der besonders schweren Untreue vor. Die junge Frau (Verteidiger: Johann Suttner) hatte schon während der polizeilichen Ermittlungen unterschiedliche Versionen ihrer "Kasseneingriffe" zu Protokoll gegeben, darunter auch ihren Chef selbst und dessen Tochter beschuldigt.

Jetzt beharrte sie darauf, lediglich etwa 25 Mal zugelangt zu haben. Und das auch nur, weil sie von ihrem Freund dazu erpresst worden sei. "Er hat mich dazu gezwungen, mich bedroht und geschlagen. Ich war in ihn verliebt, ich war damals einfach blöd", behauptete sie.

Der Freund, ein 29-Jähriger (Verteidigerin: Nazan Simsek), saß nun mit ihr auf der Anklagebank - wegen Körperverletzung. Von der Beute ist nichts mehr übrig. Die 24-Jährige räumte ein, einen Teil der "Zusatzeinnahmen" auch in Spielsalons verjubelt zu haben.

Großteil der Anklage wurde eingestellt

Angesichts der insgesamt schwierigen Beweislage einigten sich schließlich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf einen "Deal". Der größte Teil der Anklagevorwürfe wurde vorläufig eingestellt.

Letztlich verurteilte das Schöffengericht die Kassiererin lediglich wegen der eingeräumten 25 Einzeltaten (Schadenssumme: 11 000 Euro) zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten und der Auflage von 120 Sozialstunden.

Der Freund muss wegen Körperverletzung eine Geldstrafe von 900 Euro (60 Tagessätze zu je 15 Euro) bezahlen. Der Richterspruch wurde sofort rechtskräftig.

Während die Berliner Kassiererin Emmely nach einem gewonnenen Kündigungs-Prozess vor dem Bundesarbeitsgericht wieder an der Supermarktkasse sitzt, lebt die 24-jährige Augsburgerin jetzt von Hartz IV und sucht wieder einen Job. Zumindest als Kassiererin wird sie wohl schwerlich wieder einen finden. Von Klaus Utzni

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