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Vortrag Die Augsburger Polizei in der NS-Zeit

11.10.2011

Kein Freund und Helfer

Gegen Ende der 1920er Jahre hatten die 350 Augsburger Schutzpolizisten und die vier Hundertschaften Bereitschaftspolizei alle Hände voll zu tun. Die Aufmärsche der „Braunhemden“ trugen nationalsozialistische Propaganda in die Arbeiterviertel. Kampfbünde der bürgerlichen und linken Parteien stellten sich ihnen in den Weg.

Gerhard Fürmetz, der im Stadtarchiv über den Weg der Augsburger Polizei in den Nationalsozialismus referierte, betonte zwar den zunächst „guten Ruf“, den die Augsburger Beamten in Bayern genossen. Doch die Quellen zeigten klar, so der Historiker, dass Polizei und Behörden schon früh mit Nachsicht auf die NS-Agitation reagierten.

Als die Augsburger Stadtpolizei 1929 verstaatlicht wurde, beschrieb ihr erster Direktor Julius Koch beim Festakt die Polizei noch im Sinne der Weimarer Republik als Freund und Helfer. Auch Nachfolger Ernst Eichner mahnte 1930 eine härtere Gangart gegen nationalsozialistische Aufmärsche an. Er wurde 1933 als „Gesinnungslump“ entlassen.

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SS-Führer Rolf von Humann-Hainhofen übernahm das Amt. Schon am 10. März 1933 (fünf Tage nach der Reichstagswahl) waren 63 kommunistische und sozialdemokratische Funktionäre verhaftet, drei Wochen später saßen 315 Augsburger in Schutzhaft. 1936 hielt die Exilführung der SPD fest: „Die ganze Atmosphäre der Stadt atmet Zwangstaat und Zuchthaus. Mit der Polizei will niemand mehr etwas zu tun haben.“ Die Geheime Staatspolizei und ihr gefürchteter Kommandant Hugo Gold taten ab 1935 ihr Übriges.

Trotz aller Absichten der USA: Eine konsequente Ahndung der Polizeiverbrechen fand nach 1945 nicht statt, erklärt Fürmetz. Humann-Hainhofen etwa ließ sich 1949 in Bielefeld entnazifizieren. Hugo Gold wurde 1948 als „Mitläufer“ rehabilitiert und nie angeklagt. (stefs)

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