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11.02.2010

Kein Spitzenjob für Karriere-Pfarrer

Thomas Schwartz ist so etwas wie der Pfarrer Fliege von Augsburg - nur katholisch. Schwartz ist ein medial sehr präsenter Netzwerker. Mal moderiert er im Fernsehen. Mal ist er bei Journalisten als Experte für Wirtschaftsethik gefragt. Schwartz war Hochschulpfarrer. Man kennt ihn als Autor, Verleger und Honorarprofessor. Zuletzt war er von der Kirche für eine hohe Führungsposition vorgesehen. Doch nun hat die Karriere des Geistlichen eine überraschende Wendung genommen.

Vor etwa einem Jahr setzte man in der Diözese große Hoffnungen in Schwartz: Der 45-Jährige sollte an die Spitze der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) in der Diözese aufrücken - also künftig einen der größten Sozialdienstleister in Bayern mit über 3000 Mitarbeitern führen. Schwartz wurde ins Direktorium des KJF geholt mit dem Ziel, die Nachfolge des langjährigen Vorstandsvorsitzenden, Prälat Günter Grimme, zu übernehmen. Dieser will sich Ende 2011 nach 30 Jahren in diesem Job verabschieden.

Nur Mitarbeiter informiert

Inzwischen sind diese Pläne der Kirche überholt. Schwartz hat sich von der KJF getrennt. Mitarbeiter des Unternehmens wurden vor einigen Wochen über diesen Schritt informiert. Öffentlich mitgeteilt wurde die sensible Personalie aber bislang nicht. Das wiederum sorgt für Spekulationen. Vermutet wird zum Beispiel, der Abschied von Schwartz sei nicht ganz freiwillig gewesen. Er und Grimme hätten es "nicht miteinander gekonnt". Die Betroffenen weisen solche Vermutungen zurück.

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Der Entschluss zum Rückzug sei von Schwartz selbst ausgegangen, sagt Grimme. "Es war sein Wille, dem stattgegeben wurde." Zuvor habe es "intensive Gespräche" gegeben. Schwartz sagt, die Führung eines so großen Unternehmens sei einfach nicht das Richtige für ihn gewesen. "Von morgens acht Uhr bis abends 20 Uhr jagt eine Sitzung die andere. Das hat mir zu schaffen gemacht." Ihm sei klar geworden, dass die neue Aufgabe ihn ganz und gar gefordert hätte. Seine Vorlesungen an der Uni und Hochschule hätte er über kurz oder lang aufgeben müssen. Diese Tätigkeit und auch der Umgang mit vielen unterschiedlichen Menschen sei ihm aber sehr wichtig.

Nachfolgersuche schwierig

Prälat Grimme muss nun noch einmal von vorne anfangen. Zusammen mit der Diözese sucht er weiter nach einem Nachfolger. Die Liste geeigneter Kandidaten ist offenbar nicht sehr lang, weil die Bewerber viele Voraussetzungen erfüllen müssen. "Es ist keine ganz leichte Aufgabe, aber ich bin Optimist", sagt Grimme.

Schwartz hat inzwischen eine "Auszeit" hinter sich, die ihm genehmigt worden war. Und auch seine Zukunft ist noch offen. Er will wieder eine Stelle als Pfarrer annehmen und als Seelsorger tätig sein. Eine Pfarrei hat er aber noch nicht. Und er will weiter Vorlesungen vor Studenten halten, an der Hochschule Augsburg und an der Uni.

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