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Augsburg

22.12.2020

Keine Beatmungsplätze? Uniklinik widerspricht Virologen Kekulé

Eine an Covid-19 erkrankte Patientin wird mit einer Maske beatmet.
Bild: Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Plus Gab es in Augsburg zeitweise keine Beatmungsplätze mehr für Corona-Patienten? Was das Uniklinikum zu einer Aussage des bekannten Virologen Prof. Kekulé sagt.

In den vergangenen Wochen war die Uniklinik Augsburg immer wieder in den Schlagzeilen: Es ging um Mitarbeiter, die aufgrund der Corona-Pandemie am Limit arbeiten, einen Aufnahmestopp für Patienten, die nicht zwingend sofort behandelt werden müssen, Warteschlangen bei Operationen. Die Situation ist angespannt, sagt Ärztlicher Direktor Prof. Michael Beyer, die Mitarbeiter arbeiten am Limit. In einem Nebensatz warf der Virologe Prof. Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale), vergangene Woche in seinem Podcast "Kekulés Corona-Kompass #130" ein, dass die Intensivstationen der Augsburger Uniklinik jüngst "komplett voll" waren und es so keine Beatmungsplätze mehr für Covid-19-Patienten gegeben hätte. Was ist dran?

Solche Aussagen würden "Verunsicherung schaffen"

Prof. Michael Beyer weist diese Aussage zurück. "Wir wissen nicht, woher Herr Kekulé diese Informationen bezogen hat. Es stimmt jedenfalls nicht, dass es keine Beatmungsplätze für Corona-Patienten mehr gab." Die Augsburger Uniklinik hält es für schwierig, wenn durch solche Aussagen gerade in Krisenzeiten mit "Fake News" Verunsicherung in der Bevölkerung geschaffen werde. Die Zahl freier Kapazitäten werde täglich den verschiedenen Registern (DIVI, IVENA, etc.) gemeldet und seien somit transparent. In Augsburg konnten bislang alle Covid-19-Patienten entsprechend versorgt werden. "Ja, wir konnten bislang jedem Covid-19-Patienten, der Unterstützung bei der Atmung brauchte, diese Unterstützung auch geben. Da Augsburg besonders betroffen war, wurden, um Ressourcen zu schaffen, auch intensivpflichtige beziehungsweise beatmete Patienten in kooperierende Kliniken verlegt", berichtet Beyer. Dies allerdings werde zunehmend schwieriger, da auch andere Kliniken inzwischen am Rande der Belastbarkeit arbeiten.

Die Frage, ob ein Patient ein Beatmungsgerät erhält oder nicht

Der Virologe Alexander Kekulé führte in seinem Podcast aus, dass aufgrund der hohen Patientenzahlen in den Krankenhäusern nun die Grenze erreicht sei, wo Kliniken auch Triage-Entscheidungen treffen müssten, also die Entscheidung darüber, welche Behandlung ein Patient erhalte - etwa einen Platz in der Intensivstation oder ein Beatmungsgerät. Der Ärztliche Direktor der Uniklinik bestätigt auf Anfrage, dass das in Augsburg noch nicht der Fall war. "Nein, wir mussten auf den Covid-Intensivstationen nicht triagieren und hoffen, dass das auch weiterhin so bleibt. Durch die hohe Bereitschaft und Solidarität der Kliniken innerhalb und außerhalb des Rettungsdienstbereiches Augsburg konnten wir stabile Patienten abverlegen", sagt er. Dadurch könnte die Uniklinik Augsburg für alle kritischen Patienten die notwendigen Kapazitäten schaffen, um ihnen die intensivmedizinische Betreuung zu geben, die sie benötigten.

Abverlegen sei Ausdruck für den Versorgungsengpass

Beyer betont, dass ein Abverlegen von Patienten noch keine Triage darstelle, sondern vielmehr der Ausdruck für den Versorgungsengpass sei. Patienten würden in andere Krankenhäuser und Universitätsklinken verlegt, wenn sie sich in einem stabilen - wenn auch kritischen - Zustand befänden und transportfähig wären. "Das können auch beatmete Patienten sein", sagt Beyer. Versorgungsengpässe hatten sich in den vergangenen Wochen an der Uniklinik Augsburg deshalb ergeben, weil sie einen Rekord bei der Zahl der behandelten Corona-Patienten verzeichnete und damit an ihre Grenzen geriet. Es wurde ein Aufnahmestopp für alle Patienten verhängt, die nicht zwingend sofort behandelt werden müssen. Es wurden nicht nur viele Corona-Patienten ins Klinikum eingeliefert - auch innerhalb des Krankenhauses hat sich eine ganze Reihe von Patienten neu mit dem Virus infiziert. Auf mehreren normalen Stationen gab es Ausbrüche, berichten Pfleger. Die infizierten Patienten mussten in die Corona-Bereiche umverlegt werden.

Krankheitsausfälle auf Seiten des Personals

Für die Mitarbeiter des Uniklinikums ist die Situation eine starke Belastung. Auch deshalb, weil die Pflege von Corona-Patienten wegen der strengen Hygieneauflagen besonders anstrengend ist und Zeit kostet. Die Krankheitsausfälle haben sich in den vergangenen Wochen auch auf Seite der Mitarbeiter gehäuft. Wie viele sich aus den Reihen des Personals mit dem Coronavirus angesteckt haben, kann der Ärztliche Direktor nicht sagen: "Eine solche Angabe ist nicht möglich, da Arbeitnehmer dem Arbeitgeber nicht im Detail mitteilen müssen, woran sie erkrankt sind." Es komme leider vor, dass sich zuvor als negativ getestete Patienten auf stationärer Ebene später als Corona-positiv herausstellten, so Beyer. "Auch Mitarbeiter sind von solchen Ausbrüchen betroffen. Aber auch im privaten Bereich haben sich Mitarbeiter angesteckt, beziehungsweise sind Kontaktpersonen und müssen in Quarantäne."

Testzentrum und Hotline für Mitarbeiter

An der Uniklinik Augsburg wurden ein eigenes Mitarbeiter-Testzentrum und eine Hotline für Mitarbeiter eingerichtet. Die Mitarbeiter sensitiver Bereiche würden turnusmäßig getestet, während es zusätzlich für jeden Mitarbeiter die Möglichkeit gebe, sich über einen Kalender online für eine unmittelbare Testung anzumelden. Kam es zu unerwarteten positiven Ergebnissen auf stationärer Ebene, würden auch alle betroffenen Mitarbeiter getestet - auch wenn sie im Dienst immer eine FFP-Masken trugen.

Alle Neuigkeiten zum Coronavirus in Augsburg lesen Sie in unserem News-Blog.

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23.12.2020

"Eine solche Angabe ist nicht möglich, da Arbeitnehmer dem Arbeitgeber nicht im Detail mitteilen müssen, woran sie erkrankt sind."

Für eine normale Krankheit stimmt das...

https://www.dgbrechtsschutz.de/aktuelles/coronavirus-faq/coronavirus-mitteilungspflicht/

>> Das neue Corona-Virus unterliegt aber einer behördlichen Meldepflicht. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin muss die Infektion unverzüglich unter Angabe Ihrer persönlichen Daten dem zuständigen Gesundheitsamt mitteilen. Das Amt leitet dann Maßnahmen ein, zu denen auch solche zur Bekämpfung der Krankheit im Betrieb Ihres Arbeitgebers gehören. <<

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