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Veranstaltung

01.02.2019

Kirche und Kabarett im Doppelpack

„Langsam wird’s eng“, meinen „Die Schwarzarbeiter“ um fünf vor Zwölf. Das Kabarett-Ensemble, bestehend aus evangelischen Pfarrern, wartet mit einem neuen Programm auf. Die klerikalen Künstler kommen aus Augsburg, Bobingen, Ingolstadt und Bad Wörishofen. Von links: Micha Seyboth, Peter Lukas, Uwe Stenglein-Hektor, Susanne Ohr, Stephanie Fessler und Claus-Philipp Zahn.
Bild: Uwe Stenglein-Hektor

Die „Schwarzarbeiter“ haben als Pfarrer einen ernsten Beruf, dem man manchmal am besten mit Humor begegnet. Jetzt haben die sechs Mitglieder ein neues Programm erarbeitet

Sie nennen sich „so eine Art Selbsthilfegruppe“, die über ihr Dasein lachen, aber auch lästern kann. Seit einigen Jahren schon verarbeiten „Die Schwarzarbeiter“ ihre Erfahrungen aus Alltag und Praxis zu einem klerikalen Kabarett-Programm, das sie im Augustana-Saal zum Besten geben. So auch am Freitag, 8. Februar, um 19.30 Uhr. Dann heißt es für sie: „Langsam wird’s eng“.

Eng ist auch der Zeitplan, um für die drei Auftritte zu proben. An diesem Montagnachmittag treffen sich die sechs Kabarettisten der evangelischen Kirche bei Uwe Stenglein-Hektor in Pfersee. Der ehemalige Pfarrer der Hochzoller Auferstehungsgemeinde, der heute an der Berufsschule 1 Religion unterrichtet, gehört mit Micha Seyboth, Lehrer am Peutinger Gymnasium, seit 2013 zum Ensemble der Schwarzröcke. 2011 war bereits Peter Lukas von der Bobinger Dreifaltigkeitsgemeinde dazugestoßen. Bevor sich Susanne Ohr aus der Erlöserkirche Bad Wörishofen im vergangenen Jahr der Gruppe anschloss, praktizierten Stephanie Fessler aus Ingolstadt-Brunnenreuth und Claus-Philipp Zahn von der Augsburger Paul-Gerhard-Kirche im Team den im wahrsten Sinne schwarzen Humor.

Diesmal haben sie sich einer Mitteilung zufolge vorgenommen, dem Korsett aus Denkblockaden, Ordnungsfimmel und Verwaltungswahnsinn ans Leder zu gehen. Was der Kirche wie ein Schraubstock die Luft zu nehmen scheint, seien Personalmangel, Dienstordnungen und natürlich der Datenschutz. „Trotz allem“, so Seyboth, „vergessen wir aber nicht, warum wir dieser Kirche angehören.“ Wie „Heini und Reini“ eben, hinter denen sich niemand geringerer verbirgt als die beiden Kirchenobersten Bayerns – der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und sein katholisches Pendant Reinhard Kardinal Marx. Und die beiden von ihnen vertretenen Kirchen seien sich beileibe „nicht so einig, wie die zwei“, sagen die Schwarzarbeiter. Auf untergeordneter Ebene machen die Kabarettisten auch vor den Regional-Promis nicht halt. Dazu gehören Stadtdekanin Susanne Kasch oder Regionalbischof Dekan Axel Piper.

An diesem Nachmittag gibt es schon einmal einige Leseproben. Die sogenannte „Casual-Agentur“ wird thematisiert, die in allen Lebenslagen kontaktiert werden kann. In petto hat sie einen Paten-Pool, eine Flatrate für Taufen, oder einen Workshop für den Sargbau, bei dem man während des Werkelns ganz zwanglos über den Tod ins Gespräch kommt. Die Urne gibt es aus Pappmaschee und die Predigt als Slam. Noch Diskussionsbedarf wirft die Frage auf, ob es sich um ein gemischtes Doppel handeln kann oder ob es nicht vielmehr gleich ein Duell ist. Im Package jedenfalls bietet die Casual-Agentur unter anderem die Verehelichung nach dem Modell „Heimatliebe“ an, bei dem das Brautpaar in Tracht vor den Altar tritt, der Pfarrer den bevorzugten Dialekt spricht und die Scheidung inklusive ist.

Die Gründung der Gruppe „Die Schwarzarbeiter“ geht auf das Pfarrersehepaar Wolfgang und Heide Wunderer zurück. Gründungsanlass sei die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung der Rechtfertigungslehre gewesen. Bestandteil der Realsatire ist der virtuelle Gottesdienst ebenso wie die getwitterte Predigt: „Gibt es alles“, sagen die Pfarrer, die sich darüber wundern können, wofür man Kirchensteuermittel verpulvern kann. Ausgangspunkt des Programms ist, was die Theologen gerade selbst erleben. Zu den „leidigen Themen“ gehört die immer schwierigere Terminfindung. Und wie sie sagen ist Entertainment ein Teil ihres Therapie-Programms. Da ein Großteil des Publikums am kirchlichen Leben teilnimmt, weiß es, wovon die Rede ist.

Samstag, 9. Februar, 19.30 Uhr, und Sonntag, 10. Februar, 16.30 Uhr. Karten für den Augustana-Saal Im Annahof 4 gibt es zum Preis von zwölf Euro an der Abendkasse.

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