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24.12.2020

Kirche voller Weihnachtsszenen: Ein Spaziergang durch den Augsburger Dom

Das Jesuskind in der Krippe ist das typische Weihnachtsbild im Augsburger Dom. Aber wer genau hinguckt, kann noch mehr Weihnachten finden.
Bild: Annette Zoepf

Plus Der Augsburger Dom steckt voller Weihnachtsszenen - wenn man weiß, wo sie sich befinden. Ein Rundgang durch die Kirche zeigt die versteckten Darstellungen.

Das Christkind liegt auf einem weißen Tuch vor dem Altar, es ist umringt von rot blühenden Weihnachtssternen. Das ist das typische Bild des Augsburger Doms an Weihnachten. Auch dieses Jahr wird es wohl wieder so aussehen - nur wird der Dom zu den Gottesdiensten sehr viel leerer sein. Denn Weihnachten ist wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr ein völlig anderes Fest. Deshalb möchten wir die Kirche und ihre Weihnachtseindrücke dieses Jahr zu Ihnen bringen. Denn wer mit offenen Augen durch den Dom spaziert, der kann an jeder Ecke Weihnachtsszenen finden. Wenn er weiß, wo.

Die beste Begleiterin für diesen Weihnachtsspaziergang ist Sabine Helling. Sie arbeitet als Führerin im Besuchsdienst des Doms und weiß ziemlich viel über die einzelnen Kunstwerke im Dom - und nicht wenige davon sind weihnachtlich. Das beginnt schon beim Reinkommen. Wer den Dom über das Südportal betritt - jenes, vor dem St. Ulrich auf seinem Pferd sitzt - kann schon eine Darstellung von Jesu Geburt sehen. Wenn er ganz genau hinschaut.

Am Südportal des Augsburger Doms wird die Geburt Jesu dargestellt

Denn außen an der Eingangstür ist das Leben Marias in Stein gemeißelt. Es beginnt damit, dass ein Engel Joachim und Anna die Geburt Marias verkündet und ziemlich in der Mitte ist auch die Geburt Jesu dargestellt. Maria sitzt in einem winzigen Haus und hält ihr Kind im Arm.

Bild: Christina Heller-Beschnitt

Im Dom sind nicht weniger Szenen von Jesu Geburt zu sehen. Die wohl bekannteste: die Krippe. Sie ist das ganze Jahr zu besichtigen - allerdings ist das Tor nur in der Weihnachtszeit offen. Die Figuren rücken vor und näher an den Betrachter heran und der Boden der Krippe wird mit Moos und Stroh ausgelegt.

Die Krippe im Augsburger Dom ist eine der ältesten in ganz Deutschland

Die Krippe ist eine der ältesten - wenn nicht sogar die älteste - in Deutschland, erzählt Helling. Zum ersten Mal wird sie 1582 in einer Inventarliste des Doms erwähnt. Wobei, das stimmt nicht ganz. Damals ist nur die Rede von Maria und dem Jesuskind. Der Rest der Figuren kam später hinzu. Ende des 16. Jahrhunderts übernehmen die Jesuiten den Dom in Augsburg - und die sind für ihre Krippendarstellungen bekannt, erzählt Helling. Heute besteht die Krippe aus der Heiligen Familie, zwei Schäfern, den Heiligen Drei Königen, zwei Engeln, Ochs und Esel, Lämmern und zwei Täubchen.

Die erste Krippe - so wie wir sie heute kennen - also mit Figuren in einem Stall und einem Kind, das in der Krippe liegt - gab es wohl 1560 in Portugal. Auch sie gehörte dem Orden. Die Jesuiten waren damals bekannt für ihre Figurenszenen, mit denen sie Geschichten aus der Bibel nacherzählten und die Geburt Jesu ist eine dieser Szenen, erzählt Helling. Bilder der Geburt gab es aber schon früher. Und auch die lassen sich im Dom besichtigen.

Ein Bild im Mittelschiff des Augsburger Doms verlegt die Krippe nach Ulm

Zum Beispiel im Mittelschiff auf zwei Bildern von Jörg Stöcker. Der Ulmer Maler hat ebenfalls die Geburt Jesu und auch die Anbetung des Kindes durch die Heiligen dargestellt. Vermutlich kamen sie um 1860 in den Dom, sagt Helling. Der damalige Bischof wollte den Dom gotisch einrichten. Damals sei eine Menge Kunst getauscht und gekauft worden, sagt Helling. Denn - so seltsam es klingt - auch Bischöfe wollten in der Einrichtung und Ausstattung ihres Doms dem Zeitgeschmack entsprechen. Und so musste 1860 viel Kunst weichen und Platz für Szenen aus Marias Leben machen.

Wer das Mittelschiff ganz hinten durchquert, gelangt in die Marienkapelle. Eine Rokoko-Kapelle mit goldenem Hauptaltar und rosa Wänden. Normalerwiese nimmt der Bischof hier seine Weihnachtsansprache auf - und natürlich gibt es auch hier eine Krippe. Sie steht zur Weihnachtszeit immer auf dem Altar und stammt aus der Barockzeit.

Der Krippenschrein in der Marienkapelle des Augsburger Doms stammt aus der Barockzeit

Das besondere an diesem Krippenschrein: Er besteht aus mehreren Einzelteilen, die vermutlich gar nicht als Krippe gedacht waren. Das Ensemble wurde nach und nach zusammengesetzt. Der älteste Teil ist ein Bild der Gottesmutter Maria, die den Kopf senkt und liebevoll nach unten blickt. Gleich alt sind die gedrechselten Säulen am Rand des Schreins.

Etwas später entstand das Jesuskind in der Krippe und wieder etwas später kam der Stall dazu. Samt Ochs und Esel links und rechts. "Ob die Krippe wirklich so geplant war oder ob sie eher zufällig entstanden ist, lässt sich heute schwer sagen", sagt Helling. Aber jetzt gehört das Ensemble zur festen Weihnachtsausstattung im Augsburger Dom und wird jedes Jahr wieder hervorgeholt.

Über dem Nordausgang des Augsburger Doms ist Maria im Wochenbett zu sehen

Der Weihnachtsspaziergang endet am Nordausgang der Kirche: Auch hier gibt es eine Geburtsszene. Und die hält noch mal etwas besonderes bereit. Anders als in der Krippe wird Maria liegend im Bett dargestellt, Jesus liegt auf ihrem Bauch. Der Ochs und der Esel blicken von oben über einen Futtertrog auf die beiden hinunter. Josef steht hinter dem Bett. Eine liegende Maria im Wochenbett sei ein seltener Anblick, sagt Helling. Links daneben ist wieder die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige zu sehen - und natürlich auch der Stern von Bethlehem.

Aber wie kommt das eigentlich, dass es im Dom so viele Weihnachtsszenen gibt? "Der Augsburger Dom ist ein Mariendom. Das heißt, er ist mit Szenen aus Marias Leben geschmückt und Jesu Geburt ist einer der wichtigsten Momente in ihrem Leben", erklärt Helling.

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