07.01.2014

Klare Stimmen

Junges Vokalensemble in St. Anna

Die Glocken hatten sieben Uhr geläutet, trotzdem blieben die Chorränge leer. Das Publikum in St. Anna am Sonntagabend wurde schon unruhig, als sich schließlich das „Junge Vokalensemble Schwaben“ von hinten verstreut um den Altarraum gruppierte, eine Piano-Clusterwolke intonierend, die sich zur Harmonie formierte. Der Vierertaktschlag der zentral platzierten Chorleiterin Andrea Huber wirkte dazu wie ein Kreuzzeichen: In seinem 10. Chor-Konzert zum Ausklang der Weihnachtszeit legte der junge Chor nach dem eindrucksvollen Arrangement von Andrea Huber zu Beginn noch einmal den Weg von Advent bis Heiligabend zurück.

Umspannt wurden sechs Jahrhunderte Musikgeschichte vom choralhaften, kunstvollen Chorsatz bis zum Christmas Carol. Die jungen, klaren Stimmen beeindruckten mit reicher Dynamik und Farbigkeit, ausgehörten Harmonien, klarer Aussprache, exponierten Spitzentönen, sonorer Tiefe und stilistischer Wandlungsfähigkeit.

Eine Uraufführung als Höhepunkt

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Das Halleluja mit der Melodie des „Panis Angelicus“ forderte anspruchsvolle Sprünge, Brahms’ „Gegrüßet Maria“ Einfühlung in die Welt des Komponisten, Mendelssohns achtstimmiges „Frohlocket, ihr Völker“ klassisch homofonen Chorgesang.

Ein Höhepunkt war die Uraufführung von „Gebet“ des 23-jährigen Dominik Bullach, der Text stammt von dem jungen Lyriker Dreischütz alias Fabian Wayne. Bullach ist Chormitglied, studiert Physik und Mathematik in München und komponierte bereits für Filme. Sein erstes, sehr gelungenes Chorwerk, das er selbst dirigierte, klang verheißungsvoll und faszinierte das Publikum. Der Einsatz von Frauengesang und Männergemurmel wirkte plastisch, die sanft reibenden Dissonanzen erinnerten, mit einem leisen filmmusikalischen Hauch, an moderne Kirchenmusik etwa von John Rutter und Morton Lauridsens „Magna Mysterium“.

Zuletzt kamen die Klassiker, „Es ist ein Ros’ entsprungen“ nach Praetorius, „Kommet ihr Hirten“ mit engelsgleichem Frauengesang am Anfang und zuletzt erdenden Bässen, am Ende „Stille Nacht“, die dritte Strophe wurde gemeinsam gesungen. Insgesamt ein sehr stimmungsvoller, gelungener Abend.

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