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Augsburg

10.11.2019

Klima-Demo am Sonntag: Aktivisten präsentieren ihre Forderungen an die Stadt

Am Königsplatz versammelten sich am Sonntag rund 1500 Bürger, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Die „Fridays-for-Future“-Bewegung hatte diesmal einen Sonntag gewählt, um Berufstätigen eine Teilnahme an den Kundgebungen, die sonst freitags stattfinden, zu ermöglichen.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Am Sonntag sind 1500 Menschen auf die Straße gegangen, um für CO2-Einsparungen zu demonstrieren. Die "Fridays-for-Future"-Aktivisten haben ein Papier mit Ideen aufgelegt.

Am Sonntagnachmittag haben nach Schätzungen der Polizei rund 1500 Menschen in der Augsburger Innenstadt für mehr Aktivitäten beim Klimaschutz demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 2500 Teilnehmern. Die Schüler-Aktivisten der Augsburger „Fridays-for-Future“- Bewegung hatten einen Sonntag als Kundgebungstermin anberaumt, um berufstätigen Teilnehmern die Teilnahme zu ermöglichen. Zudem, so die Organisatoren, wolle man sich nicht vorwerfen lassen, mit den vormittäglichen Freitagskundgebungen das Ziel zu verfolgen, die Schule zu schwänzen.

Viele Eltern waren bei Klimademo in Augsburg dabei

Neben Schülern waren am Sonntag auch relativ viele Erwachsene und Eltern mit ihren Kindern unterwegs. „Wir finden die Demos der Schüler gut und wollten diesmal als Eltern auch selbst mit dabei sein“, so Richard Bremer, der mit Frau und den zwei Töchtern, 12 und 14, ein selbst gemaltes Transparent vor sich hertrug.

In kurzen Redebeiträgen forderten die Klimaschützer auch von der Stadt Augsburg, sich stärker beim Klimaschutz ins Zeug zu legen. Man wolle keine weiteren Pläne, sondern Ergebnisse. Es genüge nicht, sich den Titel Biostadt zu geben oder Stadtbusse mit Bioerdgas fahren zu lassen, um sich dann zurücklehnen zu können.

Klima-Demo am Sonntag: Aktivisten präsentieren ihre Forderungen an die Stadt

Klimaschützer haben 26 Forderungen an die Stadt Augsburg

Die Aktivisten haben ein 26 Punkte umfassendes Programm mit Forderungen an die Stadt aufgestellt. Themen darin sind unter anderem:

  • Augsburg soll den sogenannten Klimanotstand ausrufen – ein symbolischer Akt, der die Dringlichkeit des Klimaschutzes unterstreicht.
  • Augsburg soll einen Masterplan vorlegen, um den städtischen Anteil am Pariser Klimaabkommen zu erfüllen.
  • Die Zahl der öffentlichen Parkplätze soll jährlich um drei Prozent gesenkt werden, um Autos aus der Stadt zu bekommen. Zudem wird gefordert, das gebührenpflichtige Parken auszudehnen.
  • Der öffentliche Nahverkehr soll massiv ausgebaut werden. Gefordert werden weitere Straßenbahnlinien und mehr Bahn-Haltepunkte sowie eine Taktverdichtung. Gleichzeitig soll der Nahverkehr sozialgerecht ausgestaltet werden. Auch die Fahrradinfrastruktur soll ausgebaut werden. Wo es keinen Radweg gibt, soll der Fußweg für die Radbenutzung freigegeben werden. An großen Kreuzungen soll es gleichzeitig Grünphasen an allen vier Übergängen für Fußgänger und Radler geben, um ein diagonales Queren zu ermöglichen.
  • Die Stadt Augsburg soll nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen nutzen, Recycling-Papier verwenden und in ihren Einrichtungen auf mehr Biolebensmittel und vegetarische Gerichte setzen.
  • Neubauten sollen künftig mindestens Passivhausstandard erfüllen.
  • Um die Solarenergie voranzubringen, soll die Stadt ihre Gebäude flächendeckend damit ausstatten, den Neubau von Anlagen bei Privatleuten subventionieren und Nutzungsrechte für Dächer kaufen, um dort dann Fotovoltaikanlagen in eigener Regie zu installieren.

Ihre Forderungen stellten die Aktivisten zuletzt im Umweltausschuss des Stadtrates vor. Dort wurde unter anderem beschlossen, dass eine Klimaschutzkommission eingerichtet wird, um weitere CO2-Einsparungen in der Stadt zu erzielen. Entscheidungen des Stadtrats werden zudem künftig vorab obligatorisch auf ihre Klima-Auswirkungen geprüft.

Aktuell kommen pro Augsburger und Jahr rund 7,5 Tonnen CO2 zusammen. Das Klimaschutzziel der Stadt sieht bis 2030 eine Reduzierung auf 4,75 Tonnen vor.

Einen "Klimanotstand" will die Stadt Augsburg nicht ausrufen

Die Ausrufung eines sogenannten Klimanotstandes, wie ihn die Aktivisten fordern und andere Kommunen vorgemacht haben, lehnt die Stadt ab. „Der Begriff suggeriert, dass man nichts machen kann. Dabei sind wir auf dem richtigen Weg, müssen uns aber sicher noch mehr einschränken“, sagte Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) zuletzt. Auch Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) sieht darin eine Symbolpolitik, die zu nichts führe. „Uns gehen allmählich die Superlative aus, wenn wir einen Notstand ausrufen.“

Unter dem Motto Augsburg for Future veranstalteten Klima-Aktivisten am Sonntag eine Demonstration. Rund 1500 Menschen kamen.

Video: Bernd Hohlen

Die Demonstration am Sonntag verlief wie immer ohne Zwischenfälle. Da der Rathausplatz wegen des Christkindlesmarkt-Aufbaus nicht zur Verfügung steht, sammelten sich die Teilnehmer am Königsplatz und zogen quer durch die Innenstadt. Es kam zu Straßensperrungen, von denen zeitweise auch Bus und Straßenbahnen betroffen waren. Die nächste Kundgebung in Augsburg ist für Freitag, 29. November, im Rahmen eines globalen Aktionstags angekündigt.

Auch am Rand des Presseballs gab es eine Demonstration

Bereits am Samstagabend demonstrierten etwa 30 Mitglieder der Gruppe „Extinction Rebellion“ am Rande des Presseballs vor der Kongresshalle. Die Aktivisten legten sich in einer Performance als scheinbar Tote auf den Boden, um auf die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen aufmerksam zu machen.

Lesen Sie auch: Mehr Verkehr, weniger CO2: Wie steht Augsburg beim Klimaschutz da? (Plus+)

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11.11.2019

Wenn sich ein millionenschweres Projekt für die Stadt Augsburg lohnen würde, dann wäre es ein Großrechner auf dem die Verkehrsflüsse der Stadt simuliert werden und eine konsquente zentrale Steuerung aller Ampeln. Ziel der Steuerung sollte es sein, den Verkehr für alle Teilnehmer zu beschleunigen und keine Schikanen für den Individualverkehr aufzubauen. Jeder Stau erzeugt auch unnötig CO2.

Eine weitere Verbesserung des ohnehin sehr guten ÖPNV in Augsburg ist nicht zu bezahlen. Es macht keinen Sinn, außerhalb der Stoßzeiten warme Luft in 40 Meter langen Straßenbahnen zu transportieren. Als Ersatz für das Auto müsste es Sammeltaxis geben, die auch schwer erreichbare Punkte zu einem bezahlbaren Preis anbinden, das wäre hier noch das einzige Optimierungspotential.

Ein zukunftsweisendes Projekt wäre auch, die Straßenbahntrasse in Hochzoll wieder für den Autoverkehr freizugeben, mit einer Ampelsteuerung, die Staus vermeidet und den Trambahnen immer freie Bahn gibt.

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11.11.2019

Ihre Lösung ist wirklich noch mehr Individualverkehr in der Stadt aber dafür schneller und das in einer gewachsenen Stadt wie Augsburg? ÖPNV beschneiden? Sammeltaxis? Danke aber diese Ideen können ruhig in den 80ern begraben bleiben. Augsburg ist eine Stadt die immer mehr zusammenwachsen muss und die Überschwemmung mit diesen Blechlawinen entschieden entgegentreten sollte. Jedem sein SUV, wie er möchte aber dann nur auf privatem Grund und Boden abgestellt außerhalb von der Stadtmitte. Leere Trams gibt's doch nur weil jeder meint bis an Rathausplatz mit der eigenen Karosse anfahren zu müssen.

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11.11.2019

Meine Lösung zielt auf eine Optimierung der vorhandenen Ressourcen ab, anstatt Finanzmittel in die Befriedigung von irgendwelche Dogmen zu pumpen. Und Straßenbahnen sollten sich ruhig die Straße mit den Autos teilen, dort wo der städtische Raum knapp ist.

Straßenbahnen kriegt man eben zu den Schwachlastzeiten nicht voll, selbst wenn der Fahrschein kostenlos wäre, weil einfach nicht genug Leute unterwegs sind. Unklug wäre es, den Takt dann noch weiter zu verdichten. Im Übrigen sind leere Züge auch sehr umweltbelastend, wenn viele Tonnen Masse ohne Nutzen durch die Landschaft transportiert werden. Ich sehe diese 40 Meter langen, nicht kuppelbaren Tramzüge eher als einen Fluch denn einen Segen an, weil es damit unwirtschaftlich ist, schwächer besiedelte Stadtgebiete anzubinden.

Anders herum gibt es im Augsburger Stadtgebiet genug weiße Flächen, wo der ÖPNV einfach nur unattraktiv ist. Wie sollte man die anders erschließen als durch Taxis oder Privatfahrzeuge? Oder sollen Busse ein Gitternetz von 500 Meter Breite abfahren, am besten im 5- Minutentakt? Ein ineffizienter ÖPNV belastet nicht nur die Stádtkasse sondern auch die Umwelt.

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11.11.2019

Egal ob Taxi oder Combino - man braucht immer einen Fahrer.

Ein Fahrer der gerade Abends und am Wochenende den Großteil der variablen Kosten des Betriebs ausmacht.

Und natürlich ist auch ein Combino in der Stadt umweltfreundlicher und billiger pro Kilometer als ein normaler Dieselbus.

Keine Abgase in den städtischen Straßenschluchten und ohne Staub aus Reifen- und Bremsabrieb.

Auch den deutlichen Straßenverschleiß durch Busse darf man nicht vergessen - man sieht es ja gut am Kö, wie oft hier die Fahrbahnoberfläche wieder hergestellt werden muss. Auch die Teerkolonnen machen die Luft nicht besser...

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11.11.2019

>> Wo es keinen Radweg gibt, soll der Fußweg für die Radbenutzung freigegeben werden. <<

Ein "Erfolgsmodell" wie man in der Pferseer Unterführung täglich beobachten kann.

>> Neubauten sollen künftig mindestens Passivhausstandard erfüllen. <<

Man beachte das "mindestens"! Nun wie soll das an einem neblig-bedeckten Tag bei 1 Grad wie gestern funktionieren?

>> Augsburg soll den sogenannten Klimanotstand ausrufen – ein symbolischer Akt <<

Es gibt hier keinen Zustand der einen Notstand rechtfertigt; auch besteht beim Notstand immer die Gefahr der Einschränkung von Bürgerrechten. Dem ist entschieden entgegen zu treten!

>> Die Zahl der öffentlichen Parkplätze soll jährlich um drei Prozent gesenkt werden, um Autos aus der Stadt zu bekommen. <<

Erst mal den ÖPNV als Alternative ausbauen - und erkennen, dass der HBF Umbau ein ziemlich verlogenes "Klimaschutzprojekt" war.
Der Augsburger Bahnhofsumbau - der teure SUV unter den Varianten - dazu ohne die Linie 5 relativ sinnlos.

Und wer glaubt in der Mehrheit zu sein, kann auf kommunaler Ebene jederzeit ein Bürgerbegehren starten.

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11.11.2019

Nachtrag zum Thema "mindestens Passivhausstandard:"

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Ist-die-Heizung-immer-aus-So-lebt-es-sich-in-einem-Passivhaus-id55936041.html

Man sieht hier deutlich, dass die Demonstranten beim Vortrag ihrer Forderungen nicht wirklich auf Basis wissenschaftlicher Fakten stehen und einen nicht akzeptablen Ökopopulismus an den Tag legen.

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10.11.2019

Die Klimaaktivisten sollten sich als erstes mal um das Müllproblem kümmern, das wäre viel dringender. Wenn man bedenkt, wieviel Müll jeder Bürger produziert, ist sehr bedenklich, aber man geht für das Klima auf die Straße und hat Forderungen, anstatt mal zu Hause anfangen, Müll zu vermeiden.

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11.11.2019

Was hat das eine mit dem anderen zu tun Herr G.? Mit Argumenten wie Diesen zeigt sich, daß die Aktivisten genau auf dem richtigen Weg sind. Es wird von Gegnern immer erst persönlich angegriffen und Vorwürfe gemacht, damit man selbst nichts ändern muss. Die nächste Stufe wäre dann die Lösungsvorschläge bei denen jeder weiß, das sie nie umgesetzt werden und zuletzt die Beleidigung. Wie wäre es die Forderungen auf sachlicher Basis zu diskutieren?

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