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Augsburg

16.01.2021

Klinik-Streit: Eltern kämpfen weiter für Hessing-Einrichtung Augsburg

Das Hessing-Förderzentrum in Göggingen musste das Sozialpädiatrische Zentrum abgeben. Eltern sind sauer. Sie haben eine Petition im Landtag eingereicht.
Foto: Annette Zoepf

Plus Die Betreuung von 1200 Kindern und Jugendlichen in Augsburg soll von der Hessing-Stiftung ans Josefinum gehen. Jetzt soll sich der Landtag damit befassen, die Petition ist eingereicht.

Das Aus des Sozialpädiatrischen Zentrums bei der Hessing-Stiftung in Göggingen wird jetzt ein Thema für den bayerischen Landtag. Der Elternbeirat des Hessing-Kinderhauses hat dazu eine Petition im Landtag eingereicht. Die Politik soll prüfen, ob das Verfahren nochmals aufgerollt wird. Die Hoffnung ist, dass es zumindest eine halbjährige Übergangsfrist geben soll. Seit Jahresbeginn ist das Josefinum für die spezielle Betreuung von Kindern und Jugendlichen zuständig, die teils sehr große Entwicklungsstörungen haben. Der Unmut bei den Eltern ist deshalb so groß, weil die Entscheidung sehr kurzfristig bekannt gegeben wurde.

Unterstützung findet der Vorstoß der Eltern bei den beiden Landtagsabgeordneten der Freien Wähler, Johann Häusler und Fabian Mehring. Häusler sagt: "Als familienpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion ist mir ein solcher Vorgang noch nicht untergekommen." Nicht nur die Kurzfristigkeit der Bekanntgabe an die Betroffenen sei ein Unding. Befremdlich sei zudem, dass die Hessing-Stiftung bislang keine Begründung erhalten habe, warum die zuständige Stelle die Entscheidung getroffen habe.

Am 16. Dezember entschied der "Zulassungsausschuss Ärzte Schwaben", dass das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) in Augsburg für die nächsten Jahre nicht mehr an das Hessing-Förderzentrum für Kinder und Jugendliche (HFZ), sondern an die KJF Klinik Josefinum vergeben werden soll. Dies solle bereits gut zwei Wochen nach der Entscheidung mit Wirkung zum 1. Januar 2021 geschehen.

Eltern sind über das Ende der Betreuung bei Hessing verärgert

Eltern, deren Kinder bei Hessing betreut werden, waren darüber von Anfang an verärgert. Am Silvestertag gab es auf dem Parkplatz der Hessing-Stiftung eine Protestaktion. Eine so kurzfristige Umstellung, vor allem während der Corona-Pandemie, sei eine untragbare Härte für die betroffenen rund 1200 Kinder, Jugendlichen und deren Familien, die zum Teil schon über viele Jahre eine enge Vertrauensbeziehung mit ihren Therapeuten aufgebaut haben, hieß es.

Die Hessing-Stiftung muss das Sozialpädiatrische Zentrum laut Beschluss abgeben.
Foto: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

Nun folgt der nächste Schritt: Der Landtag wird eingeschaltet. Die Schließung des Sozialpädiatrischen Zentrums am Hessing-Förderzentrum und der damit verbundene Übergang auf das Josefinum sollte um mindestens sechs Monate verschoben werden, "damit eine für die Betroffenen wichtige kontinuierliche Therapie gewährleistet werden kann und die Familien die entsprechenden neuen Abläufe in einer Übergangsphase sinnvoll organisieren können", heißt es in der Begründung.

Die Entscheidung des Zulassungsausschusses sollte überprüft werden. Es sei aus ihrer Sicht mehr als fragwürdig, führen die Eltern in der Petition aus, ob in Anbetracht der sofortigen Vollziehbarkeit das Wohl der betreuten Kinder und Jugendlichen ausreichend berücksichtigt wurde. In der Petition wird der Vorschlag unterbreitet, dass wegen der hohen Nachfrage und des vorhandenen Bedarfs womöglich zwei Zentren installiert werden könnten.

Das Josefinum in Oberhausen soll das Förderangebot von Hessing übernehmen.
Foto: Ulrich Wagner (Archivfoto)

Auch damit sollen sich die Landtagsabgeordneten befassen. Wörtlich heißt es in der Petition: "Wir regen außerdem dringend eine Überprüfung an, ob angesichts des bereits eingetretenen und des prognostizierten Bevölkerungswachstums der Stadt Augsburg sowie des großen Einzugsgebiets weit über die Stadtgrenzen hinaus in Augsburg der Bedarf für zwei sozialpädiatrische Zentren gegeben ist. Die Kosten einer frühen Intervention sind um ein Vielfaches geringer als die Kosten, die durch eine solche Maßnahme vermieden werden."

Ärger um Förderzentrum: Hessing will Gespräch mit Josefinum suchen

Die Hessing-Stiftung wartet laut Auskunft ihres Direktors Roland Kottke nach wie vor auf die offizielle Begründung, weshalb der zuständige Ausschuss das Sozialpädiatrische Zentrum künftig lieber am Josefinum angesiedelt sieht. Man habe diese Begründung bis Mitte Januar versprochen, sie sei bislang aber noch nicht eingegangen. Dennoch hat Hessing beim Berufungsausschuss Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Davon unabhängig will Hessing das Gespräch mit dem Josefinum suchen, um für die betroffenen Kinder die bestmögliche Lösung zu finden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Klinik-Streit wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen

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