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Augsburg

09.07.2014

Klinikum: Personalrat und Ärzte schlagen Alarm

Der steigende Arbeitsdruck für Ärzte und das Pflegepersonal gefährde die Qualität der Patientenversorgung, befürchten Kritiker des Sanierungskurses am Klinikum.
Bild: Alexander Kaya

Jahrelang wurde der Sanierungskurs am Augsburger Großkrankenhaus stillschweigend mitgetragen. Doch jetzt regt sich Protest. Die Befürchtung: Unter den Einsparungen könnten auch Patienten leiden.

Am Klinikum gärt es in der Belegschaft massiv: Personalrat und Ärztlicher Kreisverband klagen über steigenden Arbeitsdruck und die vorübergehende Nichtbesetzung von Arztstellen. Man habe die Sorge, dass sich dies – trotz allen Engagements der Belegschaft – auf die Qualität von Medizin und Pflege auswirken könne. Schon jetzt, so ist aus mehreren Quellen zu hören, leide das Personal darunter, für die Patienten zu wenig Zeit zu haben. Der Klinikums-Vorstand widerspricht: „Wir haben die Verantwortung, das Klinikum so zu führen, dass die Patienten gut versorgt werden“, sagt Alexander Schmidtke.

Der geäußerte Unmut ist in dieser Massivität neu. Bisher trug der Personalrat den Sanierungskurs mit, den Strategie-Vorstand Schmidtke seit seinem Antritt 2009 fuhr. Die Furcht war offenbar, dass das in der Vergangenheit chronisch defizitäre Haus von der Stadt und dem Landkreis Augsburg andernfalls an einen privaten Betreiber gehen könnte.

Inzwischen ist klar, dass der Freistaat das kommunale Großkrankenhaus in den kommenden Jahren übernehmen wird. Die Voraussetzung dafür: Das Haus soll keine Verluste schreiben. In den vergangenen Jahren erwirtschaftete Schmidtke eine „schwarze Null“ oder einen Überschuss, indem er das Haus umstrukturierte und die Patientenzahlen steigerte. Doch für 2014 scheint diese Rechnung – darauf deutet die Zwischenbilanz im Frühjahr hin – nicht aufzugehen.

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„Die Stimmung im Haus ist miserabel“

Die Folge: Die Abteilungen dürfen frei werdende Arztstellen – etwa aufgrund auslaufender Zeitverträge – teils für mehrere Monate nicht neu besetzen. Dass einige Ärzte bis wenige Wochen vor Vertragsende nicht wussten, wie es weitergeht, brachte nun das Fass zum Überlaufen. „Die Stimmung im Haus ist miserabel“, sagt ein langjähriger Kenner des Klinikums. Rolf Harzmann, Ex-Chefarzt, früherer Stadtrat und Schmidtke-Kritiker, sagt: „Ich habe Sorge, dass das Klinikum Schaden nimmt, wenn der Kurs fortgesetzt wird.“ In einem Brief protestierten Oberärzte gegen die Maßnahmen.

Der Ärztliche Vorstand Prof. Peter Schuff-Werner sagt, man habe versucht, auf die Belange einzelner Kliniken Rücksicht zu nehmen und „nicht mit der Brechstange“ vorzugehen. Einsparungen seien unumgänglich. Teils könnten Kliniken die Ziele erreichen, indem sie Ärzte anhalten, Überstunden abzubauen, sodass das Haus weniger Rückstellungen bilden muss. „Medizinisch haben wir eine gute Qualität. Das zeigt der Vergleich mit anderen Krankenhäusern“, betont er. Neben der Sofortmaßnahme hat Schuff-Werner einen Drei-Jahres-Plan ausgearbeitet, in dem die Wirtschaftlichkeit jeder Klinik unter die Lupe genommen wird.

Zustände wie in einer Fabrik?

„Ineffizienz lässt das Gesundheitssystem nicht mehr zu“, sagt Schmidtke. Das betreffe generell große Häuser wie das Klinikum, die maximale Versorgung bieten, den Aufwand von den Kassen aber nicht erstattet bekommen. „Das ist ein Thema, das auf Bundesebene geregelt werden muss.“ Die Finanzierung werde „immer mehr zum Spagat“. Dass die Wirtschaftlichkeit im Denken der Krankenhaus-Leitung eine immer größere Rolle spielt, kritisiert Dr. Kurt Reising, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes. Er spricht von „Zuständen wie in einer Fabrik“ und einer „Industrialisierung“ der Medizin. „Man bekommt zunehmend den Eindruck, dass es nicht um die Patienten, sondern ums Geld geht“, so Reising.

Personalrats-Vorsitzende Hildegard Schwering sagt: „Die Mitarbeiter gehen unzufrieden nach Hause, weil sie ihre Arbeit nicht so erledigen können, wie sie es von sich erwarten.“ Zwar werde gute Arbeit geleistet, aber inzwischen habe sie jeden Tag vor allem Krankenschwestern und Pfleger bei sich, die nicht mehr wissen, wie sie die Arbeit schaffen sollen. Die Zahl der Überlastungsanzeigen durch Personal hat laut Klinikumsleitung aber nicht zugenommen. In Überlastungsanzeigen können Ärzte und Pfleger offiziell melden, wenn sie Probleme sehen, angesichts der Rahmenbedingungen ihre Pflichten ordnungsgemäß zu versehen. „Wenn eine Anzeige kommt, gehen wir dieser sofort nach, um Abhilfe zu schaffen“, so Pflege-Vorstand Susanne Arnold.

Die Patientenzahlen sind deutich gestiegen

Allerdings sind in den vergangenen Jahren die Patientenzahlen deutlich nach oben gegangen. Bei der Zahl der Beschäftigten im Pflegebereich spiegle sich das nicht wider, klagt Schwering. „Es gibt gerade im Pflegebereich keine verlässlichen Dienstzeiten mehr. Es kommt immer wieder vor, dass jemand kurzfristig einspringen muss.“

Susanne Arnold entgegnet, dass man Abläufe geändert habe, um die gestiegenen Patientenzahlen aufzufangen. In einigen Bereichen mit hohem Pflegeaufwand habe man personell zugelegt. Mit acht Prozent sei die Fluktuation gering. Zudem müsste man berücksichtigen, dass Bereiche mit Schnittstellen zur Pflege, etwa im medizinisch-technischen Sektor, aufgestockt worden seien.

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