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05.03.2009

Kochen gegen Vorurteile und die Einsamkeit

Kriegshaber Asylbewerber Sam Dike rührt bedächtig in dem großen grauen Topf vor sich. Er trägt einen Blaumann und erklärt, wie aus der roten Suppe und dem vorgegarten Fleisch die perfekte Gulasch-Soße werden soll. Das Kochen hat der 29-Jährige in einer Missionsstation in seiner Heimat Nigeria gelernt. Als Koch reiste er mit deren Angestellten durch das Land. "Wir haben den Menschen Essen und Jesus gebracht", sagt er stolz und wendet sich wieder dem Herd zu.

Dike lebt mit einer sogenannten "humanitären Duldung" in Deutschland. Sein Asylantrag wurde zwar abgelehnt, abgeschoben wird er aber zunächst nicht. Seit September wohnt er mit etwa 170 anderen Männern aus 24 Nationen im Übergangswohnheim in der Flak-Kaserne in Kriegshaber. Über die Umstände seiner Flucht aus der Heimat möchte er nicht sprechen. Etwas Hoffnung hat er noch, dass er doch bleiben darf. "Mein Fall liegt jetzt bei der Bundesregierung, die muss darüber entscheiden." Neben Dike steht Issa Jah am Herd und kontrolliert den Spaghetti-Topf. Er ist vor einem Jahr aus Sierra Leone nach Deutschland gekommen.

Indra Jani aus Tansania, der für die Caritas als Betreuer in der Flak-Kaserne arbeitet, erkundigt sich bei den beiden, wie lange sie noch brauchen. Vom Flur dringt bereits ein Stimmengewirr herein. Die eingeladenen Mitglieder der evangelischen St.-Thomas-Gemeinde kommen zum Mittagessen vorbei.

Abwechslung zu tristem Alltag

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"Wir wollen eine Brücke bauen", sagt Jani. "Die Menschen hier leben am Rand der Gesellschaft." Arbeiten dürfen sie nicht, sie leben von 40 Euro im Monat und zwei Essenspaketen in der Woche. Da ist diese Einladung eine willkommene Abwechslung. "Wir tun hier sonst nichts, gar nichts", sagt Dike. "Es tut gut, einmal andere Gesichter zu sehen", sagt er. "Man wird hier schnell einsam."

Couscous und Salate stehen schon in großen Schüsseln im Gemeinschaftsraum nebenan, wo sich langsam die langen Tafeln füllen. Etwa 25 Gäste haben den Weg in die alte Kaserne gefunden. "Der Zustand des Geländes ist schon sehr deprimierend", sagt Friederike Göpfert, die beruflich oft in der Flak-Kaserne war, als hier noch amerikanische Soldaten untergebracht waren. "Ich finde solche Aktionen gut, sie bauen das Misstrauen ab, das Asylbewerbern gegenüber doch oft ein bisschen da ist."

Jani und Dike tragen den Topf heiße Spaghetti-Soße herein, spontan wird applaudiert. Dann spricht Dike das Dankgebet, auf Englisch. "Mich begeistert es, Menschen zu treffen", sagt Gabi Raunigk und schiebt zufrieden ihren leer gegessenen Teller beiseite. "Gerade miteinander Kochen und Essen hilft, Vorurteile abzubauen."

Die nächste gemeinsame Aktion wird schon geplant: Im Sommer soll ein großes Barbecue im Freien stattfinden.

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