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Augsburger Geschichte

24.01.2018

Königlich-bayerische Spuren in Augsburg

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3 Bilder
Seit 1903 gibt es den Prinzregentenbrunnen. Auf dem Amateurfoto aus dem Jahr 1905 sind am Sockel zwei der vier steinernen Königsporträts erkennbar.
Bild: Sammlung Häußler

Von König Max I. bis Ludwig III. – Monogramme von Ludwig II. an der Prinz-Karl-Kaserne – Kuriose Inschrift am Wertachbrucker Tor

Als die Augsburger 1806 von freien Reichsstädtern zu Provinzlern in dem von Napoleon geschaffenen Königreich Bayern degradiert wurden, befürchteten die Militärs offenbar massive Proteste gegen die politische Entrechtung und Bevormundung durch königliche Beamte. Das Kriegsministerium belegte die Stadt mit einer starken Garnison. Die Befürchtungen waren grundlos: Die „Beute-Bayern“ erwiesen sich als königstreu! Sie huldigten dem vom Kurfürsten zum ersten bayerischen König Max I. erhobenen neuen Souverän über Augsburg. An Max I. erinnern zwei schwungvolle „M“ aus Eisen am 1808 erbauten Zollgebäude an der Hallstraße. Es war das erste vom Königreich erbaute Staatsgebäude in Augsburg und gehört jetzt zum Holbein-Gymnasium.

Es gibt etliche weitere „königlich-bayerische“ Hinterlassenschaften: Am Sockel des 1903 eingeweihten Prinzregentenbrunnens erinnern vier in Stein gehauene Porträts an die Vorgänger des in Bronze gegossenen Prinzregenten Luitpold. Er vertrat von 1886 bis 1912 Otto, den fünften Bayern-König. Den geisteskranken Otto „vergaßen“ die Augsburger geflissentlich am Brunnen. Porträtiert sind Max I. (König 1806-1825), Ludwig I. (1825-1848), Max II. (1848-1864) und Ludwig II. (1864-1886).

Prinzregent Luitpold von Bayern besuchte den Hochablass

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An die „segensreiche Regentschaft des Prinzregenten Luitpold von Bayern“ wird auch auf einer Metallplatte am „Löwendenkmal“ bei Hochablasswehr erinnert. Es wurde in seiner Regierungszeit errichtet. An der Säule befindet sich die einzige erhaltene Ehrung an seinen Nachfolger, den letzten bayerischen König Ludwig III.: Er besuchte am 9. Juni 1914 den Hochablass. Nach Ludwig III. war der „Ludwigsbau“ im Stadtgarten benannt, doch der wurde am 27. März 1965 gesprengt.

Zu zwei Bayern-Königen hat Augsburg besondere Beziehungen: Ludwig I. stiftete das Denkmal für Hans Jakob Fugger auf dem Fuggerplatz. Das ist am Sockel zu lesen. Sein Nachfolger Max II. ist der Namensgeber für das Maximilianmuseum. Ludwig I. und Max II. waren mehrfach in Augsburg, während Ludwig II. – er regierte von 1866 bis 1886 – nie zu einem offiziellen Besuch in der Stadt! Als am 18. August 1867 der damals 21-jährige Monarch mit seinem Hofzug Kaiser Napoleon III. bei dessen Augsburg-Visite abholte, verließ er den Hauptbahnhof nicht.

Zu dieser Zeit war Augsburgs Hochzeitsgeschenk für Ludwig II. in Arbeit. Am 22. Januar 1867 hatte er sich mit seiner Cousine Herzogin Sophie in Bayern verlobt. Das war der Anlass für die Stadt, ein Modell des Augustusbrunnens als kostspieliges Geschenk in Auftrag zu geben. Der in Silber getriebene, gegossene, ziselierte, punzierte und teilvergoldete 90 Zentimeter hohe Brunnen war fertig, als Ludwig II. am 7. Oktober 1867 die Verlobung löste. Die Augsburger blieben auf ihrem noblen Geschenk sitzen. Der Tischbrunnen für Wein oder Wasser ist im Maximilianmuseum zu sehen.

Ludwig II. und sein Vater Max II. wurden mit dem „Königsplatz“ geehrt

Ludwig II. und sein Vater Max II. wurden mit dem „Königsplatz“ geehrt. Seit 1869 heißt er so. Die beiden Könige hatten die Erlasse zur „Entfestigung“ der Stadt unterzeichnet. Ludwig II. hatte zwar das Protektorat für die Schwäbische Kreisausstellung 1886 auf dem Gelände des jetzigen Stadtgartens übernommen, doch zur Eröffnung am 15. Mai 1886 entsandte er seinen Cousin Prinz Ludwig von Bayern. Am 13. Juni starb Ludwig II. im Starnberger See.

Dass unter König Ludwig II. die Prinz-Karl-Kaserne errichtet wurde, darauf verweisen an der Fassade an der Schertlinstraße zwei große „L II“. Auch am einstigen Militärgebäude Von-der-Tann-Straße 53 weist dieses Kürzel auf den einstigen obersten Bauherrn. Es gab sogar eine große Ludwig-II.-Büste hoch über dem Eingang des Justizgebäudes am Alten Einlass. Sie fiel im Februar 1944 einem Bombenangriff zum Opfer. In Goldschrift wurde bis vor wenigen Jahren in der Eingangshalle daran erinnert, dass dieses Staatsgebäude in den Jahren 1871 bis 1875 „unter der glorreichen Regierung Seiner Majestät des Königs Ludwig II.“ errichtet worden war. Die schwarze Marmorplatte verschwand beim Einbau eines Lifts.

Ein Kuriosum stellt inzwischen eine Inschrift über der Durchfahrt des Wertachbrucker Tors dar. Anno 1845 wurde dort erstmals eine Tafel mit folgendem Text angebracht: „Zur Erinnerung an den 25. August 1845, den Geburts- und Namenstag des Königs Ludwig I. und den Geburtstag des Erbprinzen Ludwig von Bayern, gewidmet von den Bürgern Augsburgs“. Der von 1825 bis 1848 regierende König Ludwig I. hatte an diesem Tag seinen 59. Geburtstag gefeiert. Am selben Tag wurde ihm im Schloss Nymphenburg ein Enkel geboren: „Erbprinz Ludwig“, erster Sohn des damaligen Kronprinzen Max. Dieser 1845 zur Welt gekommene „Erbprinz“ bestieg 1864 als König Ludwig II. den bayerischen Thron. Bei einer Torrestaurierung wurde die desolat gewordene Tafel erneuert. Da schlich sich ein Fehler ein: „Ludwig I.“ wurde zu „Ludwig II.“ Die zwei Ludwig – Großvater und Enkel –, die am selben Tag Geburts- und Namenstag feiern konnten, verwirrten ganz offenbar.

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