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Kommentar: Nicht der Mietspiegel ist das Problem

Kommentar: Nicht der Mietspiegel ist das Problem
Kommentar Von Stefan Krog
04.11.2019

Dass Vermieter, die zu überdurchschnittlich günstigen Preisen vermieten, steuerliche Nachteile haben, ist kein Thema des Mietspiegels. Das Thema ist ein anderes.

Dass Vermieter, die zu überdurchschnittlich günstigen Preisen vermieten, steuerliche Nachteile haben, ist ein Thema des Steuerrechts und nicht des seit 2017 geltenden Mietspiegels. Denn das Finanzamt stuft das Vermieten weit unter Wert schon lange als sogenannte Liebhaberei ein, bei der z.B. Reparaturkosten nicht steuerlich geltend gemacht werden können. Es mag sein, dass der Mietspiegel es nun den Finanzbehörden vereinfacht, den Nachweis zur 66-Prozent-Regelung zu führen, doch noch einmal: Die Ursache ist er nicht.

Vielmehr attestiert der Mieterverein dem Zahlenwerk, das 2017 nach langen politischen Auseinandersetzungen eingeführt wurde, mit dafür gesorgt zu haben, dass die Mieten in Augsburg nicht mehr so stark steigen wie in der Vergangenheit. Ein mittelfristiger Vergleich von Angebotsmieten in Inseraten bestätigt diese Einschätzung auch.

Trotzdem sind auch geringere Steigerungen immer noch Steigerungen. Zur Durchschnittsmiete von 7,27 Euro laut Mietspiegel wird in den Inseraten in der Zeitung und im Internet wenig angeboten. Allerdings berücksichtigt der Mietspiegel nicht nur Neuvermietungen, sondern auch länger bestehende (und meist günstigere) Mietverhältnisse, in denen in den vergangenen vier Jahren erhöht wurde. Demnächst soll der Stadtrat entscheiden, den Mietspiegel fortzuschreiben. Anders als vor zwei Jahren wird es keine großflächige Befragung geben, sondern der Mietpreis wird auf Basis der Verbraucherpreise neu festgelegt. Die zugrunde gelegte Steigerungsrate von 2,8 Prozent scheint – trotz der sinkenden Dynamik bei der Mietpreisentwicklung – für Augsburg relativ niedrig. Die Mieter können sich freuen.

Kommentar: Nicht der Mietspiegel ist das Problem

In zwei Jahren wird der Mietspiegel dann von Grund auf neu zu erstellen sein. Die Stadt sollte dann auch sehr ernsthaft prüfen, die bisherige Einteilung der Stadtviertel, für die Zu- oder Abschläge bei der Miete einzurechnen sind, zu überdenken. Die Systematik dahinter ist nicht ganz einfach nachvollziehbar. Der Eigentümerverband Haus und Grund sieht darin sogar eine Verzerrung der Realitäten. Wenn es die Akzeptanz des Mietspiegels erhöht, sollte in zwei Jahren auf jeden Fall darüber nachgedacht werden, eine für alle nachvollziehbarere Karte der Stadtteilbewertungen zu erarbeiten.

Lesen Sie dazu den Artikel: Welche Probleme günstige Mieten verursachen

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