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Augsburg

11.10.2017

Kommt das endgültige Aus für Konzerte auf der Freilichtbühne?

Haindling spielte im Sommer 2017 auf der Freilichtbühne.
Bild: Fred Schöllhorn

Der Auftritt der Band "Haindling" könnte eine einmalige Ausnahme gewesen sein. Sollte ein Anwohner klagen, würde dies den Betrieb der Theater-Spielstätte massiv gefährden.

Auswärtige Musiker auf der Freilichtbühne werden künftig wohl noch seltener zu sehen sein als bisher: Ein Rechts-Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte, sieht erhebliche Risiken, wenn das Theater über die 26 eigenen Aufführungen pro Jahr (zuzüglich sechs Probentermine) hinaus noch weitere Veranstaltungen zulässt. Die beauftragte Anwaltskanzlei kommt zum Ergebnis, dass beim Ermöglichen weiterer Veranstaltungen der Betrieb der Freilichtbühne in der jetzigen Form infrage stehen könnte, sollte ein Anwohner klagen.

Die Frage, in welchem Ausmaß auswärtige Künstler auf der Freilichtbühne auftreten können, ist seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Konzertveranstaltern und der Stadt. In diesem Jahr war ein Konzert von Haindling und eine Abba-Nacht möglich, nachdem das Kulturreferat zunächst signalisiert hatte, dass die Freilichtbühne künftig nur noch fürs Theater zur Verfügung stehen solle. In der Vergangenheit standen auch Max Raabe, Hubert von Goisern und Chris de Burgh auf der Bühne am Roten Tor.

Man wolle mit dem externen Gutachten Klarheit haben, was gehe und was nicht, sagt Kulturreferent Thomas Weitzel. „Es geht nicht darum, dass das Theater nicht vermieten will, sondern darum, ob es überhaupt geht.“ Es handle sich um schwierige rechtliche Fragen. Aus Sicht der Stadt benötigt das Theater seine Termine in vollem Umfang. Hintergrund ist, dass die Freilichtbühne aufgrund ihrer sehr guten Auslastung dem Theater dabei hilft, den jährlichen Zuschussbedarf etwas zu senken. Politisch diskutiert ist das Gutachten noch nicht. Aus Weitzels Sicht ist aber keine Luft mehr nach oben.

Nach Ansicht der Experten der Münchner Kanzlei Messerschmidt, Niedermeier und Partner müsste im Fall von zusätzlichen Veranstaltungen ein Bauantrag für die Freilichtbühne gestellt werden. Denn für die Bühne, die 1929 errichtet wurde, war damals keine Baugenehmigung nötig. Nutze man die Bühne wie bisher, stehe sie unter Bestandsschutz, doch eine Änderung der bisherigen Praxis mache eine Genehmigung nötig.„Bei einem Bauantrag wäre die Freilichtbühne so zu beurteilen wie jede neue Bühne, die in ein Wohngebiet gesetzt wird“, so Anwalt Ulrich Numberger.

Freilichtbühne muss sich bemühen, möglichst leise zu sein

Die Chancen auf Genehmigung seien nicht zuletzt wegen des Lärms gering. Angesichts des langen Bestehens der Freilichtbühne könne man beim Lärm, der für die traditionellen Theateraufführungen anfällt, noch argumentieren, dass es eine Sondersituation gibt: Die Freilichtbühne muss sich bemühen, möglichst leise zu sein, Anwohner müssen andersrum mehr Lärm hinnehmen als in einem gewöhnlichen Wohngebiet. Sattle man noch Konzerte obendrauf, sei diese Argumentation im Falle einer Klage vor Gericht aber wohl schwierig.

Konzertveranstalter Lothar Schlessmann, der zuletzt Haindling ans Rote Tor gebracht hatte, äußerte sich kritisch. Entscheidende Fragen seien auch nach Vorliegen des Gutachtens nicht geklärt. Dass zwei oder drei Veranstaltungen mehr pro Jahr die rechtliche Situation zum Kippen bringen, bezweifle er, so Schlessmann.

Sogar Schuhplattler hat Hans-Jürgen Buchner mit seiner Band Haindling 2017 auf die Augsburger Freilichtbühne mitgebracht.
Bild: Foto: Fred Schöllhorn

Das Gutachten gibt in der Tat keine verbindliche Obergrenze der Gesamtveranstaltungen vor. Eine Orientierung sei der jährliche Durchschnittswert seit dem Jahr 1962, als das Baurecht geändert wurde. Dieser dürfte zwischen 20 und 30 liegen.

In der Vergangenheit hatte es freilich immer wieder auch Konzerte gegeben, die nicht vom Theater veranstaltet wurden. Schlessmann sagt, dass er sich weiterhin um Termine bemühen wolle. Es habe zuletzt die ungenutzte Möglichkeit gegeben, die Toten Hosen und Gerhard Polt auf die Bühne zu bringen. Auch die Erste Allgemeine Verunsicherung sei ein möglicher Kandidat. Weitzel entgegnet, dass man sich möglicherweise über andere Veranstaltungsorte unter freiem Himmel Gedanken machen müsse. Eine Möglichkeit für Open-Air-Konzerte könnte mittelfristig das Gaswerk-Areal sein, das Stadtwerke und Stadt aktuell zum Kulturzentrum entwickeln wollen und auf dem künftig auch das Jugendfestival „Modular“ stattfinden soll.

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