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Großraum München

14.04.2014

Kommt das gemeinsame Ticket für AVV und MVV?

Gute Nahverkehrsverbindungen fordert die Studie der IHK. Denkbar sei ein gemeinsames Ticket für AVV und MVV.
Bild: Frank Leonhardt, dpa

Die Münchner Industrie-und Handelskammer (IHK) fordert eine engere Zusammenarbeit in Oberbayern und Schwaben. Unter anderem könnte es ein gemeinsames Ticket für AVV und MVV geben.

Kennen Sie Nürnberg? Der Großraum München ist seit 1995 um die Einwohnerzahl in der Größenordnung der zweitgrößten Stadt Bayerns um etwa 440.000 auf jetzt rund 4,1 Millionen Menschen gewachsen. Stimmt die Vorausberechnung des statistischen Landesamts, dann kommt bis 2031 noch einmal ein „Stück Augsburg“ (270 000 Menschen), also die drittgrößte Kommune im Freistaat, dazu.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern schrillen längst die Warnglocken: Schon jetzt ist Wohnraum im Ballungszentrum knapp. Bauland und Mieten steigen und sind für viele Arbeitnehmer nicht mehr bezahlbar – der Verkehrsinfarkt droht. Ohne vorausschauende Planung drohe der attraktiven Wachstumsregion, in der in diesem Zeitraum 200 0000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen sollen, mittelfristig eine große Gefahr: Wenn dringend benötigte Fachkräfte keine Wohnung finden, oder nicht mehr bezahlen können, dann kommen sie nicht.

IHK sieht dringenden Handlungsbedarf

Die IHK in der Nachbarschaft sieht jedenfalls dringenden Handlungsbedarf und denkt über ihre eigenen Grenzen hinaus. Der alte Planungsraum München stammt noch aus der Zeit vor den Olympischen Spielen 1972 und umfasst die Landeshauptstadt und die umliegenden Landkreise. Damals wurden die Landkreise in der Gebietsreform neu strukturiert.

Kommt das gemeinsame Ticket für AVV und MVV?

In einer neuen Studie wird jetzt eine Konzeptregion für den Großraum definiert, der die nächste „Landkreisschicht“ und die angrenzenden Städte dazunimmt. Damit sind Augsburg und der Kreis Aichach-Friedberg dabei. Und eigentlich gehören auch große Teile des Landkreises Augsburg dazu, weiß Claudia Schlebach. Die Mittelstandsexpertin zeichnet bei der Münchner IHK für die Studie verantwortlich. Sie weiß, dass die Pendlerströme nicht in Augsburg abreißen.

Entlang der Bahnlinie in Richtung Donauwörth wird eingestiegen, um den Arbeitsplatz in München zu erreichen und über die Lechbrücke bei Königsbrunn ist der Weg zum Bahnhof Mering-St. Afra nicht weit. B 17 und A 96 sowie die ausgebaute A8 sind weitere Zubringer. Schlebach hat schon mit den IHK-Kollegen in Augsburg über eine weitere Untersuchung der Pendlerbewegungen gesprochen.

Die Münchner sehen jedenfalls eklatante Schwachstellen in der aktuellen Regionalplanung. Die Zuständigkeiten enden derzeit an den Grenzen des Regierungsbezirks. Die „Konzeptregion Großraum München“ soll dagegen Siedlungs- und Verkehrsplanung aus einem Guss betreiben. Dies sei dringend notwendig, um Wohnraum für zuziehende Menschen zu schaffen und Druck aus dem Immobilien- und Mietmarkt zu nehmen.

Studie: größerer Verkehrsverbund mit einem vereinfachten Tarifsystem

Das Wittelsbacher Land hat starke Verflechtungen mit Stadt und Kreis Augsburg. In die Stadt pendeln rund 13 500 Arbeitnehmer. Besonders im Raum Mering/Kissing und im östlichen Teil des Landkreises ist aber auch der tägliche Arbeitsweg in den Wirtschaftsraum München normal. 5200 Menschen pendeln allein direkt in die Landeshauptstadt. Dazu kommt, dass immer mehr Arbeitsplätze außerhalb der Metropole entstehen. Interessant: Schon jetzt verdienen mehr Münchner (64 000) ihr Geld im Landkreis München als andersherum (58 000).

Für Schlebach ist das der Weg in die Zukunft und sie kennt auch die Bedenken der Landkreise außerhalb der Millionenstadt: Ziel sei keine sternförmige Entwicklung in Richtung München mit Schlafstädten in der Region, sondern eine homogene Wirtschaftsstruktur. Davon würden die Kommunen und die Menschen mit kürzeren Arbeitswegen profitieren.

Konkret fordert die IHK-Studie im öffentlichen Nahverkehr einen größeren Verkehrsverbund mit einem vereinfachten Tarifsystem. Also vor Ort eine gemeinsame Fahrkarte, die innerhalb von MVV und AVV (Augsburger Verkehrsverbund) gelten würde. Dreh- und Angelpunkt ist laut IHK nach wie vor die zweite Stammstrecke der Münchner S-Bahn. Gleichzeitig müssten im Wirtschaftsraum die Tangentialverbindungen wie beispielsweise der Autobahnring A99 im Münchner Westen ausgebaut werden, sagt Schlebach: Pendler aus der Region Augsburg arbeiten eben nicht nur in der Nähe des Stachus, sondern auch in Garching oder Oberpfaffenhofen.

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