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Augsburg

21.05.2015

Kommt jetzt doch das umstrittene Großbordell?

Hier im Gewerbegebiet in Augsburg-Lechhausen plant ein Geschäftsmann ein Großbordell mit knapp 50 Zimmern.
Bild: Foto: Silvio Wyszengrad

Die Stadt Augsburg will ein neues Haus für fast 50 Prostituierte verhindern. Doch nun gab es vor Gericht eine Niederlage.

Der Investor bleibt hartnäckig: Ein Geschäftsmann aus der Oberpfalz hält trotz starken Gegenwinds an seinen Plänen fest, im Gewerbegebiet in Lechhausen eine neues Bordell zu eröffnen. Mit rund 50 Zimmern für Prostituierte wäre es das größte Haus dieser Art in Augsburg. Jetzt hat er einen wichtigen Sieg errungen. Das Augsburger Verwaltungsgericht hat das Nein der Stadt zu seinem Bauantrag gekippt.

Eigentlich möchte die Stadt das Großbordell, das in einem leer stehenden Firmengebäude in der Steinernen Furt entstehen soll, unbedingt verhindern. Die Pläne des Rotlicht-Investors waren im Wahlkampf zur Kommunalwahl voriges Jahr ein Politikum. Anfangs hatten die Stadträte noch mehrheitlich den Bordellplänen zugestimmt, doch schließlich schwenkten mehrere Parteien – darunter CSU und SPD – um. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) positionierte sich klar gegen das Bordell. Er machte das Thema zur Chefsache und kündigte an, die Stadt werde ein sogenanntes Strukturkonzept erarbeiten. Dieses Konzept soll festlegen, ob und wo es im Stadtgebiet noch Platz für Sexclubs gibt. Von Bürgern und Geschäftsleuten in Lechhausen kommt immer wieder die Kritik, in ihrem Stadtteil gebe es bereits überdurchschnittliche viele Rotlicht-Betriebe.

Eigentlich wollte die Stadt vorerst keine neuen Bordelle mehr zulassen

Das neue Konzept lässt noch auf sich warten. Demnächst will man bei der Stadt einen Vertrag mit einem Planungsbüro abschließen. Bis Januar kommenden Jahres sollen die Ergebnisse vorliegen. Ein Ziel ist es, den Wildwuchs von Bordellen zu stoppen. Bis das Konzept steht, will die Stadt zunächst keine neuen Etablissements mehr zulassen – das gilt auch für das Großbordell in der Steinernen Furt. Ob das Gerichtsurteil den strikten Kurs der Stadt nun durchkreuzt, ist noch unklar. Die Kammer hat zwar ihre Entscheidung verkündet. Die Begründung der Richter liegt aber noch nicht vor. Mit ihr sei nicht vor Mitte Juni zu rechnen, heißt es.

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Bei der Stadt will man diese Begründung abwarten, ehe eine Entscheidung über das weitere Vorgehen fallen soll. „Wir sind natürlich nicht glücklich über das Ergebnis“, sagt Carolin Rößler-Schick, Baujuristin bei der Stadt. In Politikerkreisen heißt es, man gehe davon aus, dass die Stadt gegen die Entscheidung vorgehen wird. Der nächste Schritt wäre ein Antrag auf eine Berufungsverhandlung beim Verwaltungsgerichtshof München. In der Szene erzählt man sich, dass der Investor, ein Deutschtürke aus der Oberpfalz, möglichst bald mit dem Umbau des Firmengebäudes in ein Bordell beginnen will.

Firmen und ein Moschee-Verein sind besorgt

Nachbarn sehen das mit großer Sorgen. Mehrere Chefs von mittelständischen Firmen in dem Gewerbegebiet fürchten negative Auswirkungen. Auch eine muslimische Gemeinde, deren Moschee sich nur einige Häuser weiter befindet, wehrt sich gegen das Bordell. Bei den Rotlichtermittlern der Kripo sieht man die Pläne für das Großbordell ebenfalls kritisch. Die Ermittler fürchten, dass durch noch mehr Prostituierte der Konkurrenzdruck im Milieu zunimmt. Die Frauen verdienten dann weniger, müssten mehr Freier bedienen und teils unwürdige Sexualpraktiken akzeptieren.

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