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Kommunalwahl 2020: Wenn es „Exoten“ in die Politik zieht

Kommunalwahl 2020: Wenn es „Exoten“ in die Politik zieht
Kommentar Von Michael Hörmann
24.08.2019

Plus Wer zieht in den Augsburger Stadtrat ein? Unter rund 600 Kandidaten finden sich auch überraschende Namen. Ein Quereinsteiger hat ein Zeichen gesetzt.

Die Person XY kenne ich doch!?! Das ist eine Aussage, die grundsätzlich positiv besetzt ist. Bei Wahlen spielt jedenfalls die Bekanntheit von kandidierenden Personen eine zentrale Rolle – speziell im kommunalen Bereich. Eine Kommunalwahl, die im Turnus von sechs Jahren stattfindet, ist stets Anlass, um sich etwas mehr mit denjenigen Menschen zu befassen, die sich kommunalpolitisch engagieren. Wer möchte in den Augsburger Stadtrat einziehen?

Wenn am 15. März 2020 gewählt wird, liegt ein Stimmzettel vor, der wohl annähernd 600 Namen auflistet. Bei der Wahl 2014 waren es 588 Kandidaten. Jede Partei und Gruppierung, die antritt, kann bis zu 60 Personen auflisten. Die großen Parteien schöpfen das Kontingent aus, kleinere Gruppierungen belassen es mitunter bei weniger Kandidaten. Wer kandidiert? In vielen Fällen sind es Frauen und Männer, die ein Parteibuch haben. Für diese Partei treten sie auch an. Sogenannte Quereinsteiger – wie es zu Beginn seiner politischen Karriere auch Oberbürgermeister Kurt Gribl war – sind eher selten. Die Strukturen in den Parteien sind zudem gefestigt. Nominiert werden Leute aus den eigenen Reihen. Für sogenannte „Exoten“, die von außen kommen, bleibt da wenig Platz.

Etwas leichter tun sich Bürgervereinigungen und -gruppierungen, die im kommunalen Bereich verstärkt bei Wahlen antreten. In Augsburg fällt Pro Augsburg in diese Kategorie. Auch die Polit-WG, die 2014 erstmals den Einzug in den Stadtrat geschafft hat, ist zu nennen. Bei der Wahl 2020 werden erstmals die WSA (Wir sind Augsburg) und die Bürgervereinigung „Augsburg in Bürgerhand“ antreten. Allein dies bedingt, dass neue Köpfe präsentiert werden.

Kommunalwahl 2020: Wenn es „Exoten“ in die Politik zieht

Kommunalwahl in Augsburg: Die WSA hat für Aufsehen gesorgt

Die WSA um Stadtrat Peter Grab hat nun für Aufsehen gesorgt, weil einige bekannte Augsburger auf der Liste auftauchen, die man bislang nicht zwingend mit Kommunalpolitik in Verbindung gebracht hat. Der Boxer Guido Fiedler (Platz 34), der Zauberer Erich Rico Strauss (29) und der „singende Fliesenleger“ Michael Rauscher (15) gehören dazu. Für politische Beobachter ist aufgrund der Platzierung andererseits absehbar, dass keiner aus diesem Trio wohl ernsthafte Chancen hat, tatsächlich ein Stadtratsmandat zu erringen. Das dürfte den Kandidaten sicherlich bewusst sein. Ihnen geht es vielmehr darum, mit ihrer in Augsburg vorhandenen Popularität einen persönlichen Beitrag zu leisten, die WSA ins Gespräch zu bringen. Das ist vorerst schon einmal gelungen.

Gerade die Bürgervereinigung Pro Augsburg hatte bei der Wahl im Jahr 2008 gezeigt, welche Überraschungen mit bekannten Kandidaten möglich sind. Der frühere Citymanager Peter Grab war OB-Kandidat, der damalige FCA-Präsident Walther Seinsch war eine große Zugnummer auf der Liste. Der ehemalige Ärztliche Direktor des Klinikums, Rolf Harzmann, war ebenfalls mit von der Partie. Karl Heinz Englet, umtriebiger Marketingmann und erfolgreicher Kanute, hatte die Kontakte geknüpft. Im Fall von Seinsch hatte die SPD ebenfalls ihre Fühler ausgestreckt, bekam aber einen Korb von ihm.

Nach einer erfolgreichen Wahl lief es bei Pro Augsburg nicht rund

Die Popularität jener Kandidaten, die zuvor wenig mit Politik zu tun hatten, bescherte Pro Augsburg einen gigantischen Wahlerfolg. Pro Augsburg regierte mit der CSU. Hausgemachte Probleme traten aber schnell auf. Seinsch zog sich aus dem Stadtrat zurück. Englet überwarf sich mit Fraktionskollegen, Kulturreferent Grab kam längst nicht mit allen Pro-Augsburg-Akteuren klar. Der Promi-Bonus aus der Wahl machte sich im laufenden politischen Geschäft nicht mehr bezahlt. Das Ergebnis war bei der Wahl 2014 ablesbar: Pro Augsburg erlebte einen tiefen Absturz.

Die Bürgervereinigung hat jedenfalls aus ihren Erfahrungen die Konsequenzen gezogen. Als OB-Kandidatin geht Claudia Eberle ins Rennen, die auf eine über 20-jährige Erfahrung in der Kommunalpolitik zurückblickt.

CSU und Grüne, die gemeinsam mit der SPD das im Rathaus regierende Dreierbündnis stellen, haben ihre Stadtratskandidaten bereits nominiert. Wirklich prominente Quereinsteiger sucht man bei CSU und Grünen vergeblich. Es ist davon auszugehen, dass dies bei der SPD nicht anders sein wird. Die „Exoten“ sind fast immer bei kleinen Gruppierungen zu entdecken.

Der parteilose Kandidat Gribl hatte im Jahr 2008 viele überrascht

Dass ein politischer Quereinsteiger dennoch überraschen kann, auch dafür liefert die Stadt Augsburg das beste Beispiel. Bei der Kommunalwahl 2008 schickte die CSU den parteilosen Anwalt Kurt Gribl als OB-Kandidat ins Rennen. Es trat ein, womit nicht einmal ein Großteil der CSU-Leute gerechnet hatte: Gribl gewann die Wahl gegen Amtsinhaber Paul Wengert (SPD). Jetzt hört Gribl freiwillig auf. Nach zwei Amtsperioden ist für ihn Schluss. Gerade diese Personalie macht die Kommunalwahl in Augsburg besonders spannend.

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