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Konzert II

05.04.2016

Komplexes kann so einfach sein

Der Pianist Bernhard Schüler und sein „Triosence“ waren Gast im Jazzclub Augsburg.
Bild: Zwang-Eriksson

Das Kasseler Pianotrio Triosence zeigt im Jazzclub seine Klasse

Kompliziertes kann so einfach sein – zumindest klingen. Das hat das Kasseler Trio „Triosence“ während seines zweistündigen Konzertes im ausverkauften Jazzclub mit facettenreichen Tönen eindrücklich demonstriert. Es sei das Credo der Band, komplizierte Musik einfach klingen zu lassen, hat Mastermind und Pianist Bernhard Schüler erklärt. Und wahrlich sind die vielen versteckten Takt- und Harmoniewechsel kaum wahrzunehmen. Aus einem Guss klingen die Kompositionen des Bandleaders, die sich in lyrisch-elegischer Pracht ausbreiten.

Dass Keith Jarrett prägend gewesen ist für die Stilistik des mittlerweile in Bremen lebenden Pianisten, ist nicht zu verleugnen. Tatsächlich habe er in jungen Jahren versucht, Jarretts legendäres Köln Concert nachzuspielen, wie Schüler schelmisch anmerkt. Doch der 36-Jährige hat Jarretts Stil erweitert und ihn zu seinem eigenen transformiert.

Seit 15 Jahren erfahren Bernhard Schülers musikalische Ideen durch den in reduzierter Definition agierenden Kontrabassisten Matthias Nowak und den ideenreich werkelnden Schlagzeuger Stephan Emig kongeniale Umsetzungen. Eine lange Zeit, die das Trio zusammenschmelzen ließ zu einer einzigen, ausdrucksstarken Stimme.

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Triosence, also das Gespür fürs Spiel im Trio, ist den Dreien hörbar eine Herzensangelegenheit. So sehr und so demokratisch, dass die führende Rolle oft nicht mehr auszumachen ist. Diese Gleichberechtigung ist es, die den Kompositionen einen einnehmend homogenen Klang verleiht.

Wie sich bei „Some Things Never Change“ alles um einen Ton herum aufbaut und aufbauscht, um nach vielen Wirbeln doch wieder zu seinem Ursprung zurückzukehren, das zeigt philosophische Tiefe. Oder die Schönheit einer Melodie, die in „Heaven Beauty“ – von massiver Begleitung verdeckt – nur einmal kurz aufblitzen darf. So finden tief greifende Themen und Gedanken in tiefgründigen Stücken ihren Ausdruck.

Dass die lautstark eingeforderte Zugabe immens lange auf sich warten lässt, ist indes der Tür zum Backstage Raum geschuldet, die sich von innen nicht mehr hat öffnen lassen. Eine kleine Anekdote, die vielleicht zu einem neuen Stück führen wird, wie Schüler prompt resümiert. Denn immer sind es die persönlichen Erlebnisse, die den zündenden Funken für seine Kompositionen geben.

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