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Augsburg

29.05.2019

Kontroverse um Werner-Egk-Schule: Lehrer attackiert CSU

Die Werner-Egk-Grundschule in Oberhausen trägt ihren Namen seit 1994.
Bild: Michael Hochgemuth

Der frühere Lehrer, der die Diskussion um die Namensgebung der Werner-Egk-Schule angestoßen hat, greift die CSU an. Heute wird im Stadtrat entschieden.

Die CSU-Stadtratsfraktion und die Fraktion von Pro Augsburg haben sich vor der Stadtratssitzung am Mittwoch festgelegt. Sie wollen einer Namensänderung der Werner-Egk-Schule in Oberhausen nicht zustimmen. Stattdessen soll die Biografie des Namensgebers in unterschiedlicher Weise aufgearbeitet werden. Dies könnte auf einer Tafel geschehen, die an der Schule angebracht ist. Auch auf der Internetseite der Schule und der Stadt ließe sich das Leben von Egk mit all seinen Facetten darstellen.

Über den Namen der Schule wird heftig diskutiert. Den Anstoß gab dazu gab ein pensionierter Lehrer aus Nordrhein-Westfalen. Hans-Georg Kalbhenn missfiel, wie der Lebenslauf des Komponisten Werner Egk auf der Internetseite der Schule dargestellt war. Er wandte sich an die Stadt und kritisierte, dass im Internet nur Angaben zu Leben und Werk des Musikers aufgeführt seien, nicht aber zu seinem Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus.

Lehrer: Werner Egk ist kein Vorbild

Vor der Stadtratssitzung meldet sich Kalbhenn zu Wort. Er spricht von „einer Rolle zurück“. Den Kurswechsel der CSU habe er mit „fast ungläubigem Erstaunen“ registriert. Mit einem großen Schild in der Schule und einer lückenlosen Interseite zu Werner Egk sei es nicht getan, sagt Kalbhenn. Leben und Wirken des Namensgebers müssten mit der Schulfamilie transparent aufgearbeitet werden. Im Unterricht müsse das Thema „kindgerecht“ mit den Grundschülern behandelt werden. Kalbhenn bezieht sich auf die Empfehlung der Kommission der Erinnerungskultur. Egk sei „kein Vorbild und kein geeigneter Namenspatron für eine Schule“.

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Der Komponist Werner Egk (1901 bis 1983) war unter den Nationalsozialisten ein Funktionär der Reichsmusikkammer und Kapellmeister der Berliner Staatsoper. Wegen seiner Nähe zum NS-Regime eigne er sich nicht als Vorbild für eine Schule mit Grundschülern, sagen die Befürworter einer Namensänderung. Dazu zählen unter anderem die Grünen, die auf eine Empfehlung der Kommission für Erinnerungskultur verweisen. Die Kommission war aufgefordert worden, sich mit dem Leben und Wirken von Egk auseinanderzusetzen.

Lesen Sie hier den Kommentar von Nicole Prestle: Werner Egk: Ein Versagen des Schulreferenten

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29.05.2019

Bravo und Gratulation für den Augsburger Stadtrat und vor allem dem CSU-Referenten Hermann Köhler, der bei dem ganzen hektischen Zinnober ruhig geblieben ist und sich nicht von seiner objektiven Betrachtungsweise sowie Bewertung abbringen lies und den Namen der Oberhauser Schule nicht überhastet änderte oder gar den Namen der Komponisten Werner Egk nachträglich diskreditierte.

Lobenswert sind auch die Städte Donauwörth und München, die sich nicht an der "Hexenjagd" beteiligten und den Namen Werner Egk weder aus dem Archiv strichen noch in Betracht zogen verliehene Auszeichnungen zurückverlangen oder ungültig werden zu lassen.

Es mag möglicherweise an der Mentalität oder am fehlerhaften Geschichtsunterricht liegen, das Menschen zu Überreaktionen neigen lässt?



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29.05.2019

Die Rolle rückwärts vollführt doch Herr Kalbhenn höchstpersönlich. Ich verlinke hier mal den ersten Artikel, in dem er selbst den Ablauf um die Kontroverse Egk erläutert und um was es ihm dabei ging:

https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Werner-Egk-Schule-Wer-ist-der-Mann-der-die-Diskussion-ausloeste-id53538071.html

Zitate daraus:

„Es ging mir darum, dass die Seite vervollständigt, dass sein Leben von Anfang bis Ende dargestellt wird und nicht nur Rosinen gepickt werden.“

„Eine Umbenennung war nie mein Ziel“, sagt Kalbhenn. Von ihm aus könne die Oberhauser Schule weiterhin den Namen Werner Egk tragen. „Aber dann bitte mit einer kompletten Vita auf der Homepage“

Ich halte Herrn Kalbhenn in erster Linie für einen Wichtigmacher, der nun die Möglichkeit am Schopfe packt, sich wiederum in Szene zu setzen, selbst wenn seinem ursprünglichen Anliegen nachgekommen wird.

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