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Region

04.01.2018

Krankenwagen lassen auf sich warten: Warum dauert es so lange?

Wer einen Krankentransport braucht, muss oft sehr lange darauf warten. Die Augsburger Hilfsorganisationen und private Anbieter kritisieren, dass es zu wenige Krankenwagen gibt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Stundenlange Wartezeiten sind bei Krankentransporten fast Standard. Hilfsorganisation sehen sich an der Grenze der Belastbarkeit. Was ein privater Anbieter sagt.

Es sind Fälle wie diese, die zeigen, wie angespannt die Situation mitunter ist: Ein demenzkranker Mann, 87 Jahre alt, muss nach der Behandlung in der Notaufnahme des Klinikums gut sechs Stunden ausharren. Erst dann, am späteren Abend, ist ein Krankenwagen frei, der ihn wieder nach Hause bringt. Die Augsburger Hilfsorganisation kritisieren seit langem, dass es zu wenige Krankenwagen gebe. Die Folge: lange Wartzeiten für Patienten und Stress für das Personal.

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Jan Quak ist der Geschäftsführer des privaten Augsburger Anbieters Bäuerle Ambulanz. Mehr als 22.000 Krankentransporte wickelt sein Unternehmen jedes Jahr in der Region ab. Auch er bestätigt, dass es immer wieder Engpässe und lange Wartezeiten gibt. Das System funktioniere zwar. Wenn aber mal mehr Transporte anfallen als vorgesehen, gerate es schnell an seine Grenzen. „Das System fährt auf der letzten Rille“, sagt Jan Quak. Der Grund dafür aus seiner Sicht: Die Krankenkassen seien nicht bereit, so viel Geld in den Krankentransort zu stecken, dass sich die Situation verbessern kann.

Die Rechnung an einem Beispiel

Der Geschäftsführer rechnet es an einem Beispiel vor: Für einen Krankentransport innerhalb des Augsburger Stadtgebiets erhalte er einen Pauschalbetrag von knapp 55 Euro. Unabhängig davon, wie aufwendig der Transport ist und wie lange er dauert. Diese Summe decke nicht einmal im Ansatz die Kosten ab, sagt Jan Quak. Das Geschäft rechne sich für ihn nur noch, weil es auch längere Fahrten gibt, für die neben einer Pauschale auch die gefahrenen Kilometer bezahlt werden. Besonders lukrativ sei das Geschäft mit den Krankentransporten nicht. Er kenne Fälle aus anderen bayerischen Städten, wo private Krankentransport-Anbieter bereits ihre Lizenz zurückgegeben hätten, weil sich das Geschäft für sie nicht mehr lohne.

Krankenwagen lassen auf sich warten: Warum dauert es so lange?

Die Bäuerle Ambulanz betreibt im Augsburger Klinikum eine eigene Leitstelle, die die Krankentransporte dort organisiert. Jan Quak widerspricht einem Vorwurf, der bei den Hilfsorganisationen immer wieder zu hören ist – dass er lukrative Fahrten abgreife und den Rest gerne mal an die Hilfsorganisationen abschiebe. Das sei nicht der Fall. Für Unmut sorgte bei Johannitern, Maltesern und Rotem Kreuz auch, dass die Bäuerle Ambulanz in den Nachtstunden zwischen ein und fünf Uhr keinen Krankenwagen mehr stelle – weil es sich nicht für sie nicht lohnt. Jan Quak sagt, er habe das vorab mit der Augsburger Rettungsleitstelle so abgesprochen. Die Verantwortlichen hätten keine Bedenken gehabt. Er könne es sich bei den niedrigen Pauschalen eigentlich nicht leisten, dass ein Krankenwagen, der mit Personal besetzt ist, nachts längere Zeit ohne Auftrag steht.

Wenn es wegen der Nachtstunden nun ein Problem gebe, sei er gerne gesprächsbereit. Er warnt aber davor, private Betreiber und Hilfsorganisationen gegeneinander auszuspielen. „Wir sitzen im selben Boot und sollten zusammenarbeiten“, meint der Bäuerle-Geschäftsführer. Letztlich hätte alle doch mit dem selben Problem zu kämpfen – dem Spardruck durch die Krankenkassen.

Ein Krankenwagen wurde sogar gestrichen

Bei den Hilfsorganisationen fühlte man sich zuletzt durch die vielen Krankentransporte stark belastet. Teils mussten sogar Ehrenamtliche aktiviert werden, weil der Stau an bestellten Fahrten zu groß wurde.

Die Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen hatte bereits vor einigen Jahren davor gewarnt, dass es im Krankentransport Engpässe gibt. Eine Wartezeit von bis zu drei Stunden halten die Kassen aber für akzeptabel. Und es wurden trotz der Kritik sogar noch Krankenwagen in der Region gestrichen. Zwar bekam im Gegenzug der Rettungsdienst – also die Versorgung von Notfällen – dadurch zusätzliche Kapazitäten. Doch insgesamt sei das System mehr denn je auf Kante „auf Kante genäht“.

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