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„12 Städte, 12 Schicksale“

23.04.2015

Kriegsende in Augsburg: Vox zeigt heute neue Aufnahmen

Zwölf Städte in zwölf Stunden: 70 Jahre nach Kriegsende zeigt Vox heute einen Doku-Marathon. Ein Schauplatz ist Augsburg. Der Sender verspricht einzigartige Filmaufnahmen.

Verbrannt im Bombenhagel, gefallen an der Front oder ermordet in Konzentrationslagern - Dutzende Millionen Menschen kamen im Zweiten Weltkrieg um. Bis kurz vor der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 führte Adolf Hitler sein Volk unbeirrt weiter in den Abgrund. 70 Jahre nach Kriegsende begibt sich Vox auf eine Reise durch Deutschland nach dem Krieg. Heute läuft das zwölfstündige Doku-Event "1945 - 12 Städte, 12 Schicksale".

Der von Stern TV-Moderator Steffen Hallaschka moderierte Dokumentations-Marathon zeigt Filmaufnahmen eines US-Kamerateams. Von März bis Juli 1945 reisten die Filmer durch Gebiete des von den Nationalsozialisten befreiten Deutschlands und seiner Nachbarn. Sie wollten den Vormarsch der Alliierten und die Reaktionen der Deutschen auf den Niedergang des Dritten Reiches festhalten. Neben Köln, Leipzig und Amsterdam ist auch Augsburg ein Schauplatz der Doku.

Die Sendestunde von 17 bis 18 Uhr steht unter dem Motto "Entnazifizierung". Als das US-Kamerateam Mitte Mai 1945 in Augsburg dreht, hat Deutschland kapituliert. Kein Deutscher will mehr ein Nazi gewesen sein. Selbst Hermann Göring, der zweite Mann nach Hitler, gibt sich vor der Kamera diplomatisch und geläutert und glaubt an seine Zukunft.

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Die Beiträge aus Augsburg und den anderen Städten bieten laut Vox seltene Einblicke. Denn: Die US-Amerikaner filmten in Farbe. Ihre Aufnahmen wurden im "National Archives" in Washington D.C. aufwändig in HD abgetastet.

Ergänzend kommen Zeitzeugen zu Wort. Auch in Augsburg drehte vor einigen Monaten ein Produktionsteam von Spiegel TV. Unter anderem besuchte es die bei Kriegsende 20-jährige Gertraud Grandy. Sie erlebte in der elterlichen Wohnung in der Lechhauser Straße 21 den Einmarsch der Amerikaner. Mehrmals am Tag und in der Nacht stenografierte sie die aktuellen Erlebnisse. Für das Filmteam nahm die jetzt 90-Jährige ihr Tagebuch wieder zur Hand und las aus den 70 Jahre alten Aufzeichnungen.

„1945 – 12 Städte, 12 Schicksale“: Auch prominente Zeitzeugen kommen zu Wort

Darüber hinaus berichten in der Doku auch prominente Zeitzeugen von ihren Erfahrungen. So erzählt Schauspieler Hardy Krüger von seinen persönlichen Erlebnissen im Kampfeinsatz als Kindersoldat - vom Gefühl, als Teenager einen anderen Menschen zu erschießen. Schauspielerin Ingrid van Bergen berichtet, wie sie als Jungmädel im Alter von 13 Jahren von einem Soldaten vergewaltigt wurde. Deutschlands ehemaliger Außenminister Hans-Dietrich Genscher schildert, wie er nach dem Krieg als junger Soldat vor der Roten Armee floh und nur mit viel Glück überlebte. 

Auch Schauspieler Mario Adorf und Literaturkritiker Hellmuth Karasek erzählen von "ihrem" Kriegsende. Der 81 Jahre alte Karasek wurde als Jugendlicher in einer "Nationalpolitischen Anstalt", in der Hitler die junge politische Elite heranzog, ausgebildet. Im Interview erinnert sich der Literaturkritiker, dass dort großer Druck ausgeübt wurde, mit dem nicht jeder umgehen konnte: "Es gab unendlich viele Bettnässer! Das waren Angstbettnässer", erzählt Karasek. "Sie haben Stockhiebe vor versammelter Mannschaft bekommen." 

Die Idee von Vox, einen ganzen Tag lang eine Dokumentation zu senden, ist nicht neu. Der Sender hat bereits zu Hitlers Todestag und den Anschlägen am 11. September 2001 auf solche Doku-Events gesetzt.

Sendeablauf von „1945 – 12 Städte, 12 Schicksale“

12:00 Uhr: Köln – Die Zerstörung. Journalist und Moderator Jean Pütz (78) berichtet von den Luftangriffen auf seine Heimatstadt.

13:00 Uhr: Wiesbaden – Die Kriegsgefangenen. Deutsche Soldaten gehen zu hunderttausenden in die US-Gefangenschaft. Schauspieler Mario Adorf (84) erinnert sich an die letzten Tage vor dem Eintreffen der Amerikaner und die Zeit danach.

14:00 Uhr: Bad Hersfeld – Die weißen Fahnen. US-Kameraleute dokumentieren Ende März 1945 den US-Vormarsch in Hessen: Gerade in der Provinz stoßen sie immer noch auf deutschen Widerstand.

15:00 Uhr: Nürnberg – Die Fanatiker. Der damalige Regime-Anhänger Waldemar Maile (81) schildert die ersten Begegnungen mit der amerikanischen Besatzung.

16:00 Uhr: Leipzig – Die Teilung. Die Bewohner sind froh, dass ihre Stadt von den Amerikanern und nicht von den Russen besetzt wird. Letzteren eilt kein guter Ruf voraus. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (87) flüchtet als Soldat vor der Roten Armee.

17:00 Uhr: Augsburg – Die Entnazifizierung. Nach der Kapitulation will kein Deutscher mehr ein Nazi gewesen sein. Selbst ranghohe Nationalsozialisten wie Hermann Göring geben sich geläutert.

18:00 Uhr: Braunschweig – Die Ruinen. Journalist Eckhard Schimpf (75) erinnert sich an die zahlreichen Bombenangriffe auf die Stadt.

19:00 Uhr: Linz, Wien, München – Der Verführer. In Linz und Wien lebt Hitler, bevor sein politischer Aufstieg in München beginnt. Die Schauspielerinnen Marianne Koch (83) und Nadja Tiller (86) berichten von ihren Kriegserinnerungen aus München und Wien.

20:15 Uhr: Plauen – Die Kindersoldaten. Im Interview erinnert sich Literaturkritiker Hellmuth Karasek (81) an seine Zeit auf einer der „Nationalpolitischen Anstalten“ (NAPOLA).

21:15 Uhr: Pilsen – Die Flucht. Schauspielerin Ingrid van Bergen (83) wird vertrieben und flüchtet aus Danzig. Auf ihrer Flucht erlebt sie Traumatisches.

22:15 Uhr: Amsterdam – Der Völkermord. Wie Anne Frank versteckt sich auch der spätere Amsterdamer Bürgermeister Ed van Thijn (90). Auch er wird entdeckt und entgeht nur durch Zufall der Deportation. Zeitzeuge Walter Feiden (87) erinnert sich im Interview an seine Zeit im KZ Auschwitz.

23:15 Uhr: Berlin – Der Neubeginn. Zeitzeugen wie Journalist Rolf Seelmann-Eggebert (78) und SPD-Politiker Egon Bahr (93) teilen ihre Erinnerungen an das spannungsreiche Kriegsende in Berlin. drs, dpa

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