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20.11.2017

Krippenspiel mit Männer-WG

Esel und Ox müssen sich um das Findelkind kümmern.
Bild: Wolfgang Diekamp

Fritz und Freunde spielen „Ox und Esel“

Ox und Esel kommen nach Hause in ihren Stall und was finden sie dort? Ein schreiendes Balg, in des Ochsen Futtertrog. Woher das Kleine kommt, bleibt ein Rätsel und genauso, wo die Eltern abgeblieben sind. Nur schnell wird klar, irgendjemand muss sich um das unselbstständige Menschenkind kümmern – und der Ox will das erst mal nicht sein. Dann aber machen Gerüchte die Runde. Das Findelkind schwebt in Lebensgefahr. Der König Herodes will alle Neugeborenen töten lassen.

Das Kinderstück „Ox und Esel“ von Norbert Ebel, das in der Aufführung des Theaters Fritz und Freunde im Abraxas Premiere feierte, hüllt das altbekannte Krippenspiel in ein neues Gewand, durch einen schlichten, aber intelligent gewählten Perspektivwechsel und moderne Erzählelemente. So bleibt bewusst unausgesprochen, ob die beiden stark vermenschlichten Tiere in ihrem Stall ein Männer-WG-Leben führen, das jetzt durch den kleinen Eindringling aus dem Ruder läuft, oder ob die Zwei nicht doch ein Liebespaar darstellen. Konkret thematisiert werden die Geschlechterrollen dann, wenn Ox und Esel darüber diskutieren, wer die Rolle der Mutter einnehmen soll. Dabei ist das Stück keinesfalls belehrend und es möchte Kindern ab fünf Jahren sicherlich keine Theorien des Gender-Mainstreamings nahebringen. Unterhaltung und die Weihnachtsgeschichte stehen im Vordergrund. Und so wird an lauten Slapstick-Elementen nicht gespart, die besonders dann funktionieren, wenn mehr angedeutet als gezeigt wird, und die tatsächliche Aktion im Kopf der Zuschauer passieren darf. Schlicht anstrengend dagegen das Weinen des Mündels, das über Lautsprecher eingespielt wird. Das geht in den 60 Minuten nicht nur Ox und Esel rasch auf die Nerven.

Fritz Weinert und Christian Fischer gehen in ihren Rollen stark auf die Kinder im Publikum ein, vergessen dabei jedoch, die im Stück angelegte Fabel auszuspielen und damit die Eltern mit einzubeziehen. Dadurch gehen die von Regisseurin Caroline Ghanipour eingerichteten Momente einer Mehrdeutigkeit verloren. Den jungen Zuschauern freilich war das am Ende egal. Sie hatten viel zu lachen und applaudierten dementsprechend lautstark.

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