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Augsburg

19.11.2014

Künstler erobern die Grottenau

Die fünf Organisatoren, auch „Direktoren“ genannt, blicken der zweiten Auflage des Kunstprojekts „Ars Dilettanti“ entgegen (von links): Tobias Sommer, Christoph Sauter, Simone Kunz, Hilde Strobl und Florian Freyer.
Bild: Foto: Volker Stock

Vier Tage lang bespielen rund 40 Kreative bei „Ars Dilettanti 2“ die vier Stockwerke des alten Postgebäudes mit Poesie, Bildern und Installationen. Danach halten Handwerker Einzug

Jeder kennt die Grottenau-Post in Augsburg, die wenigsten waren aber jemals in den oberen Stockwerken des Gebäudes. Das kann sich in den kommenden Tagen ändern: Die Veranstalter von „Ars Dilettanti 2“ bespielen einen Teil der vier Stockwerke mit einer „unabhängigen und befristeten Kunstansammlung“. Über 40 Künstler präsentieren sich auf 1000 Quadratmetern. Möglich wird es, weil die Räumlichkeiten momentan leer stehen. Jetzt ist das Gebäude noch in dem Zustand, in dem es jahrelang Bürozimmer der Telekom beherbergte. Den kahlen Räumen haben die Direktoren – Kunsthistorikerin Hilde Strobl, Diplom-Kulturarbeiter Tobias Sommer, Steinmetz- und Steinbildhauermeister Florian Freyer und die Diplom-Designer Simone Kunz und Christoph Sauter – eine geballte Ladung Kunst verpasst.

Direktoren deshalb, weil sie im vergangenen Jahr die ehemalige Direktion am Oberhauser Gaskessel mit einer auf zwei Tage befristeten Kunstansammlung füllten. Direktoren passt in dem aktuellen Fall aber genauso gut: Bei der Grottenau handelt es sich um die ehemalige Oberpostdirektion.

Nach der Veranstaltung im vergangenen Jahr war eine Fortsetzung nicht sicher. Nur wenn sie geeignete Räumlichkeiten in Augsburg finden, wollten die Organisatoren „Ars Dilettanti“ nochmals veranstalten. Als Christoph Sauter im Sommer anlässlich der Partyreihe „Hidden Places“, die mehrfach im Innenhof stattfand, durch die Räume ging, wusste er gleich: Das ist es. Nachdem seine Mitstreiter genauso begeistert waren wie er und die Stadt als jetzige Eigentümerin grünes Licht gab, konnten sie mit den Planungen beginnen. Und es wurde größer als gedacht. „Zuerst wollten wir 20 Künstler einladen, daraus wurden schließlich über 40“, sagt Tobias Sommer. „Es hat auch kaum jemand abgesagt“, freut sich Hilde Strobl. Im Gegenteil.

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Die meisten Künstler reisen von außerhalb an. Und damit sind nicht nur die Augsburger Achim Stiermann und Roland Rauschmeier gemeint, die inzwischen in Berlin und Wien leben und arbeiten. Der in London geborene und nun bei München lebende Daniel Man hat seine Spuren bereits im Eingangsbereich hinterlassen. Rote, gelbe und blaue Schnüre hat er am Geländer verknotet. Sie ziehen den Besucher regelrecht hinauf, Stockwerk für Stockwerk. Hilde Strobl: „Neben Performances, Videoarbeiten und Bildender Kunst wird es auch viel installative und skulpturelle Kunst zu sehen geben, die sich einfach für diese Räume eignet.“

Sara Opic wird dort eine aus Stahl, Stroh und Lehm konstruierte Figurengruppe zeigen und – wie für sie typisch – im Anschluss auch wieder auflösen, der Duisburger Stefan-Reinhard Becker-Schmitz wird im Innenraum den elf Meter großen goldfarbenen „Golden Tube“ schweben lassen – und noch bevor der Augsburger Maximilian Moritz Prüfer den Augsburger Kunstförderpreis entgegennimmt, zeigt er in der Grottenau seine Werke. „Die präparierten Flächen hat er teilweise im Wald ausgelegt. Zu sehen sind darauf Spuren von Tieren und Insekten, aber auch der Einschlag eines Regentropfens“, erklärt Hilde Strobl. Neben der Ausstellung wird es ein Rahmenprogramm mit Lesungen geben (unter anderem mit Franz Dobler), außerdem eine Poetry-Revue und einen Slam, moderiert von Horst Thieme. Anstatt Konzerten gibt es nun Soundperformances. „Wir wollen Spaß bereiten, aber keine Spaßbude sein“, erklärt Christoph Sauter. Orte zum Verweilen gibt es dafür allemal, etwa im Bereich der ehemaligen Kantine im obersten Stockwerk, wo man von der Bar aus durch die Fensterfront einen Blick über die Dächer Augsburgs genießen kann. „Das ist auch Kunst“, sind sich die Veranstalter einig.

Und Kunst wird es in den Räumen auch nach dem Zwischenspiel von „Ars Dilettanti 2“ geben. Die Stadt, die das über 100 Jahre alte Gebäude 2011 kaufte, beginnt demnächst mit dem Umbau. Folgendes ist geplant: Im Erdgeschoss bleibt die Post, in den beiden Etagen darüber ziehen Mitarbeiter der Stadtverwaltung ein, in den obersten zwei Stockwerken Studenten des Leopold-Mozart-Zentrums. Ein großer Konzertsaal ist ebenso geplant wie die Neugestaltung und Öffnung des Hofes.

Infos: 

Öffnungszeiten: Donnerstag, 20. November, 19 bis 1 Uhr. Freitag und Samstag, 21. und 22. November, 16 bis 1 Uhr, Sonntag, 23. November, 12 bis 18 Uhr.

Eintritt: Das Tagesticket kostet 5 Euro, das Mehrtagesticket 10 Euro.

Freiwillige Helfer: Die Veranstalter sind noch auf der Suche nach freiwilligen Helfern, die etwa eine Schicht als Ausstellungsaufsicht übernehmen. Wer daran interessiert ist, kann sich unter EMail direktion.arsdilettanti@gmail.com melden.

Adresse: Grottenau 1 (Der Eingang ist seitlich auf dem Weg in Richtung Ernst-Reuter-Parkhaus).

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