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Augsburg

29.01.2020

Kuka, MAN und Co.: Coronavirus beschäftigt Augsburger Unternehmen

Der Augsburger Roboterhersteller Kuka war 2016 vom chinesischen Konzern Midea übernommen worden. Nun hat er ein Reiseverbot von und nach China verhängt.
Bild: Ulrich Wagner

Plus China ist im Ausnahmezustand und auch in Augsburg beschäftigt das Coronavirus mittlerweile Menschen und Unternehmen. Noch ist in der Region niemand betroffen, teils wurden aber Niederlassungen in China geschlossen.

Das Corona-Virus hält derzeit China in Atem. Schulen und Kindergärten sind geschlossen, Menschen gehen kaum noch auf die Straße und die Regierung hat ganze Städte von der Außenwelt abgeschottet, indem sie beispielsweise Überlandverbindungen mit dem Bus gestrichen hat. Auch auf die Wirtschaft hat das Virus Auswirkungen: Ganze Unternehmen sind dichtgemacht worden, die Produktion steht still. Das betrifft nun auch Niederlassungen Augsburger Unternehmen in China, wie jene von Erhardt & Leimer in Hangzhou (Nahe Shanghai).

Niederlassung von Erhardt & Leimer geschlossen

Am Dienstag hat das Unternehmen erfahren, dass der Betrieb seitens der chinesischen Regierung geschlossen worden ist. Bis voraussichtlich 9. Februar soll diese Maßnahme gelten. „Wir tun nun alles, um die Mitarbeiter vor Ort zu unterstützen“, sagt Geschäftsführer Michael Proeller. Unter anderem werden Atemmasken und Fieberthermometer nach China geschickt, weil dort die Vorräte zur Neige gehen. Die Geschäftsleitung hat zudem sämtliche Geschäftsreisen von und nach China gestrichen und steht in Kontakt mit Ärzten und dem Robert-Koch-Institut, um stets auf aktuellem Stand zu sein. Eine Mitarbeiterin, die privat in China war, bleibt vorsorglich zwei Wochen zu Hause.

Und auch an anderen Stellen werden alle zur Verfügung stehenden Vorsorgemaßnahmen ausgeschöpft. So steht man bei allen Fragen der Beschäftigten zum Thema Rede und Antwort und bietet Homeoffice an. „Da sind wir flexibel“, so Proeller. Insgesamt gelte es, eine Panik zu vermeiden. Das sei bislang auch gelungen. Die Mitarbeiter gingen sachlich mit dem Thema um, die Stimmung sei gut. Alle Mitarbeiter sind bislang gesund.

Wegen Coronavirus: Kuka verhängt Reiseverbot

Ähnlich ist die Lage beim Roboterbauer Kuka. Rund 1.400 Mitarbeiter sind für das Unternehmen in China tätig. Niederlassungen gibt es in Shanghai, Kunshan (Nähe Shanghai) sowie in Shunde (Foshan). Man ergreife Maßnahmen, um die Mitarbeiter in der derzeitigen Situation ausführlich zu informieren und zu schützen, so ein Sprecher. Die Kuka-Gruppe hat zudem ein Reiseverbot von und nach China ausgesprochen. Mitarbeiter, die sich vor Kurzem in China aufgehalten haben, sollen zunächst nicht direkt an den Arbeitsplatz zurückkehren, sondern zwei Wochen von zu Hause aus arbeiten. Durch das chinesische Neujahr und die verbundenen Feiertage ist derzeit Urlaubszeit in China. Das entspanne die Lage etwas.

Eine Laborantin sortiert im Institut für Virologie an der Charite Berlin Mitte, in dem Untersuchungen zum Coronavirus laufen, Proben.
Bild: Christophe Gateau/dpa

Das bestätigt auch Jan Hoppe, Sprecher von MAN Energy Solutions. Zur Sicherheit sind aber auch hier alle Geschäftsreisen bis einschließlich 17. Februar gestoppt worden. Man stehe zudem in engem Kontakt mit den lokalen Behörden. Der Luftfahrtzulieferer Premium Aerotec bittet seine Beschäftigten ebenfalls, geplante Dienstreisen in den asiatischen Raum auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen. Alternativ dazu sollen digitale Möglichkeiten, wie Videokonferenzen, für den Austausch genutzt werden.

Wirtschaftliche Konsequenzen des Coronavirus kaum absehbar

So wie die genannten Unternehmen agieren auch andere Firmen aus Augsburg und der Region. Insgesamt unterhalten laut IHK Schwaben derzeit über 500 Unternehmen aus der Region wirtschaftliche Beziehungen mit und in China. In ersten Reaktionen sei auf Homeoffice umgestellt worden, geschäftliche Tätigkeiten würden digital abgewickelt und Reisetätigkeiten stark eingeschränkt, erzählt IHK-Sprecher Thomas Schörg. Dazu werde auf Händeschütteln sowie längere Meetings und Menschenansammlungen verzichtet.

Welche wirtschaftlichen Folgen das Corona-Virus für die Unternehmen haben wird, ist laut Schörg bislang nicht absehbar. „Betroffene Branchen sind aufgrund gehemmter Reisetätigkeit der Tourismus oder das Messewesen. Aufgrund globaler und vernetzter Lieferketten allerdings ebenso die exportierende Industrie wie der Fahrzeug- und Maschinenbau“, so Schörg. Auch bei Erhardt & Leimer geht man von wirtschaftlichen Folgen aus. Für konkrete Aussagen sei es aber noch zu früh. Die Großkonzerne Kuka und MAN Energy Solutions fürchten dagegen derzeit kaum wirtschaftliche Konsequenzen. Dies habe eben auch mit der derzeitigen Urlaubszeit in China zu tun.

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