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Prozess

07.10.2014

Kung-Fu-Attacke im Hauptbahnhof

Zwei Zufallsopfer mit Fußtritten angegriffen. Täter zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt

Es war spätnachts im Oktober 2013, als in der Schalterhalle des Hauptbahnhofes zufällig drei Männer völlig unterschiedlicher Herkunft und Natur aufeinandertrafen: Ein im Gesicht, auf dem Kopf und an den Händen tätowierter Maler, 26, aus dem Raum Donauwörth, ein Student der Psychologie, 23, aus München und ein 24-Jähriger aus Neu-Ulm, der wie ein „Punk“ aussah und ein T-Shirt mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz trug, was ihn als Nazi-Gegner offenbarte.

Alle drei hatten etwas gemeinsam: Sie waren mehr oder weniger stark betrunken und warteten auf den nächsten Zug, der sie nach Hause brachte. Wie aus dem Nichts eskalierte ein zunächst harmloser Wortwechsel zu einem Gewaltexzess.

Mit den Worten „Scheiß Punks“ trat der Tätowierte, der Stiefel trug, mit den Füßen zuerst gegen den Mann mit dem Anti-Nazi-Shirt, der aber ausweichen konnte. Dann richtete sich sein ganzer Zorn gegen den am Boden sitzenden Studenten, den er in Kung-Fu-Manier heftig attackierte. Das Opfer konnte die Tritte ins Gesicht zwar mit beiden Armen abwehren, schlug dabei aber mit dem Hinterkopf gegen die Wand. Zum Glück überstand der Student die Attacke ohne schwerwiegende Verletzungen.

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Der Schläger, dem nun vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Christoph Dössinger der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung gemacht wird, ist der Justiz nicht unbekannt. Sein Strafregister summiert sich auf acht Einträge, zumeist Gewaltdelikte. Und, was das Gericht aufhorchen lässt, zwei frühere Verurteilungen wegen Nazi-Propagandadelikten, bei denen es um verbotene Tattoos ging.

Das seien Jugendsünden gewesen, damit habe er jetzt nichts mehr zu tun, verneint der Angeklagte (Verteidiger: Frank Thaler) eine rechte Gesinnung als mögliches Motiv der Attacke.

Ja, was denn dann? „Ich kann es nicht sagen, Herr Richter. Ich kann mich nur entschuldigen“, antwortet der 26-Jährige. Aber man könne schon sagen, „dass ich unter Alkohol aggressiv werde“. Die beiden Opfer des Kung-Fu-Angriffs können, wohl auch mangels alkoholbedingter Erinnerungslücken, wenig zur Motivforschung beitragen. Der Student weiß noch, wie der Angeklagte völlig ausrastete, „acht, neun Schritte“ Anlauf nahm und ihm dann mit den Stiefeln ins Gesicht sprang.

Ein „erschreckendes Ausmaß von Gewalt, das ziemlich übel hätte enden können“, bemerkt Richter Dössinger. Der Angeklagte, der derzeit eine andere Strafe im Knast absitzt, wird am Ende zu weiteren zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

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