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Augsburg

13.10.2019

Kurden verbrennen in Augsburg Erdogan-Konterfei

Am Samstag kamen hunderte Demonstranten zur Kundgebung „Frieden für Rojava“ auf den Königsplatz. Lautstark protestierten sie gegen den türkischen Angriff auf die kurdischen Gebiete in Nordsyrien.
Bild: Michael Hochgemuth

"Dieser Krieg muss sofort aufhören": Am Samstag wurde auch in Augsburg gegen die Militäroffensive der Türkei in Syrien protestiert.

Die Türkei treibt ihre Militäroffensive gegen die Kurden-Miliz YPG im Nordosten Syriens voran. Auch in Augsburg gab es am Samstag massive, aber friedliche Proteste dagegen.

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Arta kann sich gut an den Krieg erinnern. „Es war immer laut, wir haben in unserem Hochhaus die Flugzeuge, Gewehre und Bomben gehört“, erzählt die Elfjährige. Bis vor vier Jahren lebte sie in Amude, einer überwiegend von Kurden bewohnte 50.000-Einwohner-Stadt nahe der syrisch-türkischen Grenze. Dann floh sie mit ihren Eltern und Geschwistern in die Provinzhauptstadt Hassake. „Meine Großmutter lebte dort. Aber kurz darauf mussten wir auch hier wieder weg. Am Ende kamen wir 2015 nach Augsburg. Was mit meiner Großmutter ist, weiß ich nicht“, sagt sie. Die Erinnerung wühlt sie sichtbar auf. Heute lebt sie in Königsbrunn und besucht die Realschule. Den neuen Krieg in ihrer Heimat verfolgt sie im deutschen Radio.

Kundgebung: "Frieden für Rojava"

Mit Tante und Mutter ist sie am Samstag zur Kundgebung „Frieden für Rojava“ auf den Königsplatz gekommen. Lautstark entlädt sich der Zorn kurdischer, irakischer, türkischer, aber auch deutscher Augsburger über die vor wenigen Tagen gestarteten türkischen Angriffe auf die kurdischen Gebiete in Nordsyrien. Die nach Angaben des Veranstalters bis zu 700, nach Schätzungen der Polizei etwa 300 Menschen, unter ihnen viele Schüler und junge Leute, skandieren „Terrorist Erdogan“, „Nein zum Krieg“, „Es lebe der Widerstand von Rojava“. Fahnen der Linken, der Antifaschistischen Jugend Augsburg, Schilder mit dem Hinweis, Erdogan plane einen neuen „Islamischen Staat“ in der Region Rojava, sowie ein Transparent „Stoppt die Faschisten“, bestimmen das Bild. Beim Marsch zum Rathausplatz hallen die Rufe über Lautsprecher zwischen den Kaufhäusern der Bürgermeister-Fischer-Straße wider. Die Menschen am Rand halten inne, überrascht, jedoch ohne offene Ablehnung.

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Im Frühjahr dieses Jahres gab es schon mal eine kurdische Demonstration in Augsburg. Anders als damals zählen an diesem Samstag jedoch überwiegend linke deutsche Initiativen zum Unterstützerteam: die Frauenorganisation Courage, MLPD, der Jugendverband Rebell, die Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa (ATIF) und das Internationale Kulturzentrum Augsburg. Uwe Hauser, der als Sprecher des „Internationalistischen Bündnisses“ angemeldet hat, hat keine Redeliste vorgesehen.

In spontanen Redebeiträgen betonen die Teilnehmer, dass es kurdische, arabische und aramäische Kämpfer waren, die im letzten Jahr den Terror des „Islamischen Staats“ in Syrien militärisch beendeten und jetzt im Stich gelassen würden. Die Waffenlieferungen an die Türkei müssten gestoppt werden, forderte ein Vertreter der Augsburger Friedensinitiative.

"Völkerrechtswidriger Angriffskrieg"

Während in der Menge ein Foto von Erdogan verbrannt wird, steht Rashid Bamerny etwas abseits. Er versteht die Wut. Er ist irakischer Kurde, Deutscher und lebt seit 30 Jahren in Augsburg. „Es ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg“, sagt er. Das Grundproblem sei der türkische Staatspräsident. Aber darüber hinaus, so der Dolmetscher, geht es um das friedliche Zusammenleben der Völker nicht nur in Kurdistan, sondern auch in Augsburg.

So sieht es auch Anwar Amir. „Dieser Krieg muss sofort aufhören“, fordert der technische Produktdesigner. Er lebt seit 1998 in Augsburg, wurde 2001 als politischer Flüchtling des Assad-Regimes anerkannt. Seine Heimat Afrin wurde schon im Februar von der türkischen Armee besetzt. Ein Cousin vonihmwurde dort erst vor Kurzem von Söldnern des türkischen Militärs ermordet, wie er sagt. Amir ist in Augsburg nicht ganz unbekannt. Er und seine Familie waren es, die im Februar die erste kurdische Demonstration organisierten, damals für Frieden in Afrin. Auf dem Rathausplatz kam es zu erheblichen Störungen durch Anhänger der rechtsextremen türkischen Grauen Wölfe. Auch am Samstag beobachtete er, wie ein Mann versuchte, die Demonstrationsteilnehmer mit dem Erkennungszeichen der Grauen Wölfe, dem Wolfsgruß, aufzustacheln. Dieser wurde jedoch von der Polizei zügig des Platzes verwiesen. Diesen Vorfall bestätigt die Polizei konkret nicht. Sie stellte jedoch unter den Demonstranten verbotene T-Shirts und Fahnen fest und nahm die Daten der Personen auf.

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