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Weltbild

22.12.2015

Kurz vor Weihnachten: Weltbild entlässt 48 Mitarbeiter

Bei Weltbild in Augsburg fallen weitere 48 Stellen weg.
Bild: Ulrich Wagner

Die Beschäftigten des Buchhändlers erfahren kurz vor Weihnachten, dass sie gehen müssen. Ist jetzt Schluss mit Entlassungen?

Ihre Kollegen im Logistikzentrum hatten die schlechte Nachricht bereits vergangene Woche bekommen. Der neue Eigentümer hat dort 235 Mitarbeiter entlassen. Nun sind auch viele Beschäftigte in der Weltbild-Verwaltung in Augsburg selbst betroffen: Seit Dienstag besteht Gewissheit für 48 Weltbild-Mitarbeiter, dass sich ihr Unternehmen im Laufe des kommenden Jahres von ihnen trennt. Dass es zu dem Jobabbau kommen sollte, das ist bereits seit Wochen bekannt. Das Unternehmen hat dies offen kommuniziert. Etwas ganz anderes freilich ist es, wenn es konkret wird und der eigene Arbeitsplatz tatsächlich gestrichen wird. Die Weltbild-Beschäftigten erfuhren am Dienstag in einer Betriebsversammlung von den Beschlüssen.

Nach der Weltbild-Insolvenz im Januar 2014 und dem Einstieg des Düsseldorfer Investors Walter Droege hatten Betriebsrat und die neue Geschäftsführung monatelang über einen Personalabbau verhandelt. Beide Lager hatten sich ein Tauziehen geliefert, ja regelrecht einen Kleinkrieg. Der Konflikt landete erst vor Gericht, dann vor einer Einigungsstelle. Nach außen war der Ton hart. Beobachter erinnern sich an Vorwürfe wie „Lüge“ oder „Blockadehaltung“.

Überraschend ist deshalb, wie einvernehmlich alle am Dienstag die Einigung auf den Jobabbau und Sozialplan präsentierten. „In einem gemeinsamen Kraftakt haben Betriebsrat und Gewerkschaft auf den letzten Metern doch noch ein Ergebnis erzielt, das vor einigen Monaten kaum noch erreichbar schien“, teilte Betriebsrat Timm Boßmann erleichtert mit und dankte der Geschäftsführung.

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Viele Mitarbeiter haben zwischenzeitlich Weltbild selbst verlassen

Und überraschend ist, dass die Entlassungen nicht in der Größenordnung stattfinden, wie einst befürchtet. Im November 2014 habe das Management noch den Abbau von rund 200 Stellen allein im Verwaltungsbereich verlangt, erinnert die Gewerkschaft Verdi. Nun gibt es 48 Betroffene statt 200. Zur Wahrheit gehört wohl aber auch, dass in der Zwischenzeit viele Mitarbeiter Weltbild selbst verlassen haben. Zählt man die Betroffenen in der Logistik dazu, sind unter Investor Walter Droege seit seinem Einstieg insgesamt 283 Stellen gestrichen worden.

Für die 48 Beschäftigten, die bei Weltbild über alle Bereiche hinweg gehen müssen, sollen „möglichst faire Lösungen“ gefunden werden, teilte Weltbild mit. Sie erhalten das Angebot, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Diese sei für die Dauer von einem Jahr geplant, sagte Weltbild-Sprecherin Eva Großkinsky. Stimmen die Betroffenen dem Eintritt in die Beschäftigungsgesellschaft zu, müsse es nicht zu Kündigungen kommen. Die 48 Betroffenen sollen in der Gesellschaft weiterqualifiziert werden, zusätzlich steht Geld für Abfindungen bereit. „Ich denke, wir haben in beiden Fällen das Maximum herausgeholt“, sagte Betriebsrat Boßmann mit Blick auf Verlag und Logistik.

Das Unternehmen bedauerte den Jobabbau kurz vor Weihnachten: „Es fällt uns nicht leicht, diesen Schritt zu tun, und wir bedauern, dass wir den Betroffenen diese schwere Nachricht zu diesem Zeitpunkt mitteilen müssen, aber es gibt keine Alternative“, teilten die Geschäftsführer Sikko Böhm und Patrick Hofmann am Dienstag mit.

Und wie geht es bei Weltbild weiter? Die Gruppe beschäftigt nun noch 1300 Mitarbeiter, davon 400 in Augsburg. Nach Auskunft von Sprecherin Großkinsky ist der im Rahmen der Einigungsstelle geplante Personalabbau mit den aktuellen Entscheidungen abgeschlossen. Dementsprechend blickt das Unternehmen nach vorne.

„Wir wollen Weltbild kundennah, digital und innovativ machen“, sagen die Geschäftsführer Böhm und Hofmann. „Deswegen gehen wir jetzt zügig an die nächsten Schritte der Neuausrichtung.“ Dazu gehöre ein überarbeiteter Markenauftritt, Werbung, Investitionen in die IT und der Ausbau des Online-Shops zum Online-Marktplatz. Und wie sieht es geschäftlich aus?

„Die Umsätze im Weihnachtsgeschäft befinden sich auf Plan“, heißt es bei Weltbild. Die Geschäftsführer kündigten kürzlich an, bald schwarze Zahlen schreiben zu wollen.

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