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01.07.2010

Lampenfieber im Bärenkostüm

Probieren es mit Gemütlichkeit und lassen sich den Honig schmecken: Bär Balu (Mert Öner, links) und Wolfskind Mogli (Daniel Tete-Sossou). Foto: Ramona Langner
Bild: Ramona Langner

Göggingen Seit Januar probte die Theater-AG der Ulrichschule an ihrem neuesten Stück. In diesem Jahr hatte sich das sonderpädagogische Förderzentrum "Das Dschungelbuch" vorgenommen. "Wir haben uns für die Geschichte von Rudyard Kipling entschieden, weil darin viele verschiedene Tiere vorkommen, die von Schülern jeden Alters dargestellt werden können", so Leiterin der Theater-AG Christine Hutzler. Zusammen mit ihrer Kollegin Ursula Loose, hatte sie das Stück auf eine Stunde gekürzt und die anspruchsvollen Sprechrollen auf die Viertklässler verteilt.

Mert ist der geborene Balu

"Viele unserer Schüler kommen aus einem labilen Elternhaus oder leiden an Konzentrationsstörungen", erklärte Loose. Durch das klassenübergreifende Theaterprojekt würden sie das Miteinander lernen und hätten die Gelegenheit, sich selbstbewusst vor Publikum zu präsentieren. Zur Aufführung ins Roncallihaus kamen rund 150 Gäste, die sich die gelungene Inszenierung des Klassikers nicht entgehen lassen wollten. Der zehnjährige Mert Öner war sehr aufgeregt, als er für die Rolle des Balu in sein Bärenkostüm schlüpfte.

"Wenn ich vor Publikum stehe, habe ich immer Lampenfieber", so der Schüler. Fiel Mert früher eher durch aggressive Verhaltensweise an seiner alten Schule auf, beeindruckte er die Zuschauer im Roncallihaus als begabter Darsteller, der alle an die Wand spielte.

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Der Part des Balu schien Mert wie auf den Leib geschneidert worden zu sein. Mit seiner authentischen Verkörperung des beliebten Disneybären und seiner musikalischen Darbietung von "Probiers mal mit Gemütlichkeit" avancierte er bei Jung und Alt sofort zum Publikumsliebling. "Man sieht, wie sehr sich die Kinder steigern können", so Hutzler stolz.

Auch die anderen Schauspieler liefen zur Höchstform auf. Daniel Tete-Sossou, der in der Rolle des berühmten Mogli ein Findelkind mimte, das von Wölfen aufgezogen wurde, agierte auf der Bühne, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und bei der zehnjährigen Jenny Werner, die als Panther Baghira durch den Dschungel schlich und dabei immer ein wachsames Auge auf den kleinen Mogli hatte, war von Aufregung überhaupt keine Spur: "In drei Tagen konnte ich meinen Text, auswendig lernen fällt mir einfach leicht."

Szenen wie Moglis unfreiwilliger Besuch bei Affenkönig Louis, die Hypnose des Wolfskindes durch die schillernde Schlange Kaa und schließlich der erbitterte Kampf gegen den Tiger Shirkan meisterten die Ulrichschüler wie die Profis.

Das ganze Herzblut in der Vorstellung

Nicht zuletzt die ausgefallenen Kostüme und das aufwendige Bühnenbild trugen dazu bei, dass sich das Publikum mitten im tiefsten Dschungel wiederfand. Zuschauerin Tanja Merkle fand: "Was diese Kinder leisten, ist bewundernswert, sie stecken ihr ganzes Herzblut in diese Vorstellung."

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