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Region Augsburg

19.03.2015

Langsames Internet legt Betriebe in der Region lahm

Viele Gemeinden investieren in den Breitbandausbau - doch Unternehmen fordern mehr.
Bild: Wolfgang Widemann

Kommunen in der Region investieren eine Menge Geld in den Breitbandausbau. Vor allem Firmen geht das nicht weit genug - sie brauchen dringend schnelleres Internet.

Manchmal sitzt Sabine Asum Stunden vor dem Rechner. Für ein paar Eingaben ins Internet, die eigentlich in Minuten erledigt wären. Asum ist Landwirtin. Ihre Familie betreibt einen Hof in Laimering, einem Ortsteil von Dasing im Wittelsbacher Land. Dazu gehören ein Mastbetrieb mit 20 000 Puten, eine Biogasanlage, mehrere Äcker und Appartements – ein richtiges kleines Unternehmen eben.

Wie es sich für einen solchen Betrieb gehört, muss vieles am Rechner und im Internet erledigt werden: Anträge, Bestandsmeldungen, Online-Buchungen, und, und, und. Nur: Die Infrastruktur, die dafür zur Verfügung steht, reicht hinten und vorne nicht. „Unser Betrieb leidet, weil der Internetanschluss zu schlecht ist“, sagt Sabine Asum.

Von einer Versorgung via Glasfaser ist ihr Hof weit entfernt. Die verlegten Kupferleitungen erlauben nur Surfen im Schneckentempo. Das kostet Zeit und Geld. „Ich sitze zum Teil den ganzen Tag daran, weil es einfach nicht funktioniert“, sagt Asum.

Langsames Internet: Ein Drittel der Unternehmen sieht Auswirkungen aufs Geschäft

Mit diesem Problem ist sie nicht alleine. Der Ausbau der Breitbandversorgung ist in den vergangenen Jahren – vor allem dank staatlicher Förderung – rasant vorangekommen. Doch noch immer gibt es viele weiße Flecken, gerade in ländlichen Gebieten. Was für Privathaushalte lästig und ärgerlich ist, ist für Unternehmen, Selbstständige und Arbeitnehmer, die von zuhause aus arbeiten, ein echtes Problem.

Gestern stellte die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) eine Umfrage unter ihren Mitgliedsunternehmen und -verbänden vor. Demnach sind mehr als 60 Prozent der schwäbischen Unternehmen mit den derzeit verfügbaren Bandbreiten – also der Surf-Geschwindigkeit – unzufrieden. Ein Drittel sieht die Beziehung zum Endkunden tangiert.

46,2 Prozent fühlen sich in der Zusammenarbeit mit anderen Kunden beeinträchtigt. Die VBW fordert, einen weiteren Ausbau – auch über die Mindest-Bandbreiten hinaus. „Die Infrastruktur ist im Hintertreffen“, sagte Wolfgang Thoma, Vorstand der VBW-Bezirksgruppe Schwaben, „wir müssen das verlorene Terrain aufholen.“

Vielerorts arbeitet man hart daran. Dort, wo sich für Netzbetreiber wie die Telekom oder LEW ein Ausbau wirtschaftlich nicht rechnet, müssen die Kommunen mit bezahlen. Dafür erhalten sie eine Förderung vom Freistaat.

Derzeit laufen laut Bayerischem Breitbandzentrum allein im Kreis Augsburg in 33 Kommunen solche Projekte. Im Wittelsbacher Land wird die Versorgung mit schnellem Internet in 19 Gemeinden verbessert. Viele Kommunen haben erkannt: Die Verfügbarkeit von hohen Bandbreiten ist längst zum wichtigen Standortkriterium geworden.

Für Gemeinden ist die Lage schwierig

In der Gemeinde Kleinaitingen, die kürzlich mit der Ansiedlung des BMW-Logistikzentrums von sich reden gemacht hat, ist man sich dessen bewusst. „Als Gemeinde muss man aktiv werden“, sagt Bürgermeister Rupert Fiehl. Dabei gehe es nicht nur um die großen Unternehmen wie BMW oder Aldi. Mit denen finde man oft eine individuelle Lösung, sagt der Bürgermeister. Aufwendiger sei die Sache bei kleinen Gewerbegebieten.

Ein solches hat Kleinaitingen im Norden des Ortes, in dem sich vor allem kleine Betriebe ansiedeln. „Da mussten wir als Gemeinde in Vorleistung treten“, sagt Fiel. Auch die Privathaushalte in Kleinaitingen seien größtenteils mit Bandbreiten von 25 bis 50 Mbit/Sekunde versorgt. Eventuell will die Gemeinde nun erneut Geld in die Hand nehmen, um auch die letzten Randgebiete des Ortes anzubinden.

Manche Unternehmen investieren selbst in schnelleres Internet

Ramona Meinzer musste in die eigene Tasche greifen. Die Unternehmerin hatte 2012 den Verwaltungssitz ihres Familienunternehmens Aumüller Aumatic von Augsburg nach Thierhaupten verlegt. Das Thema Internet habe sie unterschätzt, sagt Meinzer.

„Man ist gewohnt, dass das Internet funktioniert. In Lechhausen war das für uns nie ein Thema.“ Am neuen Standort in Thierhaupten sehr wohl. Ein Kupferkabel ermöglichte maximale Bandbreiten von 1Mbit/Sekunde – zu wenig für die webbasierten Anwendungen, auf die sich die Arbeit bei dem Hersteller von Lüftungssystemen, Schranken und Toren stützt. 100.000 Euro musste Meinzer aufbringen, um gemeinsam mit der LEW auf eigene Faust eine Glasfaserleitung verlegen zu lassen.

„Heute profitieren auch andere Firmen in dem Gewerbegebiet davon“, sagt die Chefin von 150 Mitarbeitern. Inzwischen ist auch die Gemeinde Thierhaupten in einem Förderprojekt beim Breitbandausbau aufgenommen. Auch Bäuerin Sabine Asum hofft, dass sich in Laimering etwas tut. So lange wird sie noch so manche Stunde wartend vor dem Rechner verbringen.

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