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Augsburg

06.04.2016

Laster überrollt Radlerin: Neue Technik als Schutz?

Bei einem Unfall am Montag wurde eine Radlerin schwer verletzt.
Foto: Anne Wall

Am Montag hat ein Lastwagen in der Innenstadt eine Radfahrerin überrollt. Abbiegesyteme für Lastwagen sollen solche Unfälle verhindern. Sie sind aber noch nicht zugelassen.

Die abgesperrte Unfallstelle am Leonhardsberg ließ Schlimmes erahnen. Ein massiv verbogenes Damenrad lag hinter den großen Vorderreifen eines Lastwagens, daneben ein völlig zerstörter Radkorb. Dass die Radfahrerin, die hier am Montagvormittag verunglückt ist, den Unfall überleben wird, konnten Augenzeugen fast nicht glauben. Ihr Zustand sei aber nach einer Operation im Klinikum weiter stabil, hieß es am Dienstag bei der Polizei.

Frau war eine Viertelstunde eingeklemmt

Die 44-jährige Frau lag fast eine Viertelstunde lang eingeklemmt unter dem Lastwagen. Ein Reifen lastete demnach auf dem Bereich ihrer Beine. Retter versorgten die Frau, bis die Feuerwehr den Lkw anheben konnte. In Lebensgefahr schwebt die Frau nicht. Welche – womöglich auch dauerhaften – Folgen die schweren Verletzungen für die Frau haben werden, sei aber noch nicht absehbar, hieß es bei der Polizei.

Beide Verkehrsteilnehmer hatten an der roten Ampel gewartet

Zu dem Unfall an der Kreuzung im Bereich Leonhardsberg und Mittlerer Graben kam es, weil der Fahrer des Lastwagens rechts abbiegen wollte und dabei offenbar die gerade aus fahrende Radlerin übersah. Beide hatten zuvor an der roten Ampel gewartet. Warum der Lastwagenfahrer die Frau nicht gesehen hat, soll nun unter anderem ein Gutachten klären. Dabei geht es auch um die Frage, ob der Fahrer die Radlerin hätte bemerken müssen – oder ob sie sich in einem Bereich befand, den man vom Steuer des Lkw aus trotz diverser Rückspiegel nicht sehen kann.

Beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung setzt man darauf, dass es bald neue technische Systeme gibt, welche die Gefahr des „toten Winkels“ reduzieren. Entwickelt werden solche Abbiegsysteme bereits seit längerer Zeit. Sie sollen einen Lkw-Fahrer automatisch warnen, wenn sich neben seinem Fahrzeug ein Radfahrer oder Fußgänger befindet. Bis jetzt gebe es aber leider noch kein zugelassenes System, sagt der Sprecher des Verbands, Martin Bulheller. Der Verband appelliert deshalb an Lastwagenfahrer, täglich vor der Abfahrt die Spiegeleinstellungen zu prüfen. Radfahrer und Fußgänger sollten unbedingt Blickkontakt zum Fahrer suchen – und nicht darauf Vertrauen, dass sie gesehen werden.

ADFC fordert Abbiegesystem

Der Fahrradclub ADFC fordert Abbiegesysteme, welche einen Lastwagen in Gefahrensituationen automatisch abbremsen – und will diese Technik zur Pflicht für alle Lastwagen machen. Aus Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen sei schon länger bekannt, so der ADFC, dass Lastwagenfahrer beim Abbiegen häufig damit überfordert seien, alles im Blick zu behalten.

Ob dem Lastwagenfahrer nach dem Unfall nun strafrechtlicher Ärger droht, ist offen. Das hängt von den Ergebnissen der weiteren Ermittlungen ab. In der Vergangenheit wurden Fahrer nach ähnlichen Unfällen aber schon bestraft – in der Regel mit Geldstrafen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

06.04.2016

»Bis jetzt gebe es aber leider noch kein zugelassenes System, sagt der Sprecher des Verbands, Martin Bulheller.«

Knaller. Es gibt ein System, das seit Erfindung des Automobils funktioniert: Rechtsabbiegespuren bzw. Spuren die dafür benutzt werden, sind die äußerst rechten. Rechts davon gibt es keine weitere Spur. Das System wird auf Autobahnen nach wie vor perfekt eingesetzt. Aber im Stadtverkehr kam man auf dumme Ideen und bastelt rechts neben eine Fahrspur, von der aus nach rechts abgebogen werden soll, noch eine Spur hin und nennt das ganze dann »Radweg«. Böse Zungen behaupten, das ist nur die falsche Schreibweise und es sollte eigentlich mal »Rad weg« heißen. Denn es ist erst mal weg, bis zur nächsten Kreuzung. Ohne funktioniert Fahrverkehr schon sehr lange und recht zuverlässig. Auch bei Anwesenheit von LKWs. Und kostet keinen Cent mehr. Will man aber offenkundig nicht.

»Radfahrer und Fußgänger sollten unbedingt Blickkontakt zum Fahrer suchen – und nicht darauf Vertrauen, dass sie gesehen werden.«

Und wieder der Quatsch mit dem Blickkontakt. Nennen Sie mir doch mal eine Situation, in der der Blickkontakt notwendig und wirksam war, um einen Unfall zu verhindern. Fahren Autofahrer und LKW-Fahrer Radfahrer nur dann tot, wenn sie die Augen des Radfahrers nicht sehen können, oder was hält einen KFZ-Fahrer davon ab, dort hin zu sehen, wo er hin fährt? Macht er das nicht, oder nimmt den Radfahrer nicht wahr, verhindert sich da gar nichts, auch wenn man ihm hundert mal noch so sehr in die Augen sieht. Anders rum ist der Blickkontakt oft bzw. meistens gar nicht herstellbar (oben im LKW eh nicht, mit spieglenden Windschutzschreiben sehr oft auch nicht) und selbst wenn man glaubt ihn zu haben, heißt das noch lange nicht, dass der KFZ-Fahrer auch schnallt, dass er da jetzt nicht lang kann. Und in diesem Falle wiegt sich der Radfahrer in falscher Sicherheit. Funktioniert ja prächtig... Das einzige was wirklich was bringen könnte, ist zu sehen, was der KFZ-Fahrer macht und entsprechend zu reagieren. Hält er an, oder nicht? Dazu ist aber kein Blickkontakt notwendig. Das lenkt nur vom Wesentlichen ab.

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07.04.2016


Es gibt im Stadtverkehr immer eine weitere Spur rechts neben der Abbiegespur - das ist der Gehweg. Dort halten sich auch Verkehrsteilnehmer auf. Es geht nicht immer nur um den Bauchnabel des Radfahrers. Auch der Fußgänger ist schutzbedürftig, auch wenn es offenbar eher die Radfahrer trifft, vermutlich wegen der höheren Geschwindigkeit.

Sie sollten Ihr Lieblingsthema, Fahrradfahrer auf die Straße nicht mit anderer Unfallprävention verquicken. Schon deshalb, weil es auch, wenn der Radfahrer im Verkehr mitschwimmt, noch genügend Möglichkeiten gibt, ihn zu übersehen.

Dann beispielsweise, wenn dieser meint, an stehendem oder langsam fahrenden Verkehr rechts überholen zu müssen.

Technische Hilfsmittel sind deshalb überaus sinnvoll, schon im Hinblick darauf, dass das Projekt Weg mit den Radwegen und Fahrradstreifen so schnell sicher keine Umsetzung finden wird.

Darüber hinaus bleibt als wirksamster Schutz - hier schreiben Sie es ja mal selbst - darauf zu achten, was der Fahrer des Kfz/LKW wirklich macht.

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07.04.2016

»Es gibt im Stadtverkehr immer eine weitere Spur rechts neben der Abbiegespur - das ist der Gehweg. Dort halten sich auch Verkehrsteilnehmer auf.«

Richtig, nur fahren die da üblicherweise nicht. Dass man den Käse auch irgendwann mal angefangen hat, ist eine andere Sache. Einzige Ausnahme: Kinder bis 10. Das Lustige daran: Dem Gesetzgeber war die Gefahr dabei offenbar sehr wohl bewusst, weshalb Kinder bei Benutzung des Gehwegs mit dem Rad bei jedem Überqueren der Straße eigentlich absteigen müssen. Eben weil das gefährlicher Bockmist ist. Der Gesetzgeber weiß also genau was Sache ist, nur in anderem Zusammenhang interessiert ihn das offenbar nicht. Geht ja schließlich um freie Bahn und Erwachsenen ist es nur schwer zu vermitteln, dass sie an jeder Querstraße absteigen sollen.

»Auch der Fußgänger ist schutzbedürftig,«

Völlig Richtig. Deswegen steht in der StVO auch noch mal klar und deutlich drin, dass Autofahrer beim Abbiegen insbesondere auf jene aufzupassen hat und notfalls zu warten hat. Das gilt im Prinzip genau so für Radfahrer. Nur:

»auch wenn es offenbar eher die Radfahrer trifft, vermutlich wegen der höheren Geschwindigkeit.«

Da liegt eben der Hase im Pfeffer. Wenn ich zukünftig nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren soll, oder an jeder Querstraße absteigen, nur damit mir auch ja keiner von der Seite beim Abbiegen rein fährt, kann ich das Rad auch stehen lassen. Dann bin ich nämlich kaum schneller als ein Fußgänger, aber dafür drei mal so angenervt.

»Sie sollten Ihr Lieblingsthema, Fahrradfahrer auf die Straße nicht mit anderer Unfallprävention verquicken.«

Warum nicht? Es ist ein integraler Bestandteil der Unfallprävention, sich anzusehen, in welchen Situationen und unter welchen Umständen Radverkehr möglichst sicher voran kommt (und zwar objektiv, nicht subjektiv). Und da ist dann schon auffällig, dass ein sehr großer Teil aller Radfahrerunfälle auf genau jenen Wegen stattfindet, die angeblich der Sicherheit wegen angelegt wurden. Und nur damit wir uns da nicht falsch verstehen: Der aller größte Teil der Straßen hat gar keine Radwege. Wie schon in einem anderen Artikel-Kommentar angesprochen, das weiß man seit 1985.

»Schon deshalb, weil es auch, wenn der Radfahrer im Verkehr mitschwimmt, noch genügend Möglichkeiten gibt, ihn zu übersehen.«

Und deshalb wäre es dann sinnvoll, eine Verkehrsführung zu wählen, die das nur noch verschlimmert? Den Teufel mit dem Belzebub austreiben?

»Schon deshalb, weil es auch, wenn der Radfahrer im Verkehr mitschwimmt, noch genügend Möglichkeiten gibt, ihn zu übersehen.«

Ob Sie es glauben oder nicht: Diese durchaus legale Handhabung (zumindest bei stehendem Verkehr!) finde ich auch gaga. Aber erzählen Sie das mal denen, die das von ihren Sonderwegen her genau so gewohnt sind. Rechts vorbei ist da build in.

»Darüber hinaus bleibt als wirksamster Schutz - hier schreiben Sie es ja mal selbst - darauf zu achten, was der Fahrer des Kfz/LKW wirklich macht.«

Nachdem man das maximale getan hat, es ihm einfach zu machen, keinen Mist zu bauen, ja. Mehr kann man dann auch irgendwann nicht mehr tun.

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07.04.2016

Sagen wir es mal so, wenn ich nicht routinemäßig als Auto-, Radfahrer oder Fußgänger den Blickkontakt suchen würde, dann könnte ich diese Zeilen nicht schreiben, da ich bereits vor Jahrzehnten überfahren worden wäre. Es ist sicherlich kein Allheilmittel, dass Unfälle auf jeden Fall verhindert. Aber zu behaupten es wäre Quatsch ist selbiger. Was richtig ist, dass es nicht immer geht. Dann bleibt einem nur Vertrauen in die eigene Erfahrung und Intuition. Das macht es als EIN Baustein nicht weniger wichtig.

Solange nicht Rechtsabbiegen als zu gefährlich verboten wird, spielt es in meinen Augen keine große Rolle, ob jetzt der abbiegende Verkehr den Radfahrer an der Kreuzung umfährt oder 50m davor, an der die Abbiegespur anfängt. Zumal nicht an jeder Kreuzung eine Rechtsabbiegespur ist. Dabei geht es Radfahrern nicht exklusiv so, es soll schon vorgekommen sein, dass beim Abbiegen Trams übersehen wurden.

Wenn wie in diesem Fall der Radweg von der Strasse weggeführt wird (was baulich an der Stelle sinnvoll ist), dann wäre es in meinen Augen notwendig die Kreuzung zusätzlich abzusichern, z.B. über eine separate Ampel für Rechtsabbieger. Dann entschärft man auch das Thema Toten Winkel. Hilft natürlich auch nicht, wenn die Rote Ampel ingnoriert wird. Aber das perfekte Allheilmittel gibt es auch bei der Verkehrssicherheit nicht.

Elektronische Hiflsmittel sind gut, das Problem ist nur, es dauert Jahre bis sie in ausreichender Menge installiert sind und es hilft halt auch nicht, wenn ausgerechnet der eine LKW ohne dieses Hilfsmittel den Radfahrer im Toten Winkel nicht erkennen kann und diesen umfährt.

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07.04.2016

Auch an Sie die Frage: Unter welchen Umständen (mal haarklein beschrieben) ist der Blickkontakt 1. Notwendig und 2. Hinrichend, um sicherzustellen, dass man als nächstes keinen Unfall erleidet? Meine ich ernst, die Frage. Ich habe das mal vor einiger Zeit systematisch durch gedacht, welche Fälle eigentlich existieren, und unter welchen das 1. notwendig ist und 2. ausreicht. Wenn er mich sieht, wahrnimmt und nicht absichtlich nicht reagiert, ist das schon mal nicht notwendig. Ist einer der Bedingungen nicht erfüllt (sieht nicht hin -> bringt nichts, nimmt mich nicht wahr -> ich kriege es nicht mal mit, dass es nichts gebracht hat, er fährt trotzdem absichtlich weiter -> hat auch nichts gebracht), wars das schon. Dann bleibt nur zu sehen, was er tatsächlich macht. Das ist der Schlüssel, hin sehen und vergewissen, was er macht. Bremsbereit, aber nicht offensichtlich defensiv (sonst animiert man nur eine kleine Minderheit an *zensiert*, es erst recht zu versuchen, einem die Butter vom Brot zu klauen).
»Solange nicht Rechtsabbiegen als zu gefährlich verboten wird, spielt es in meinen Augen keine große Rolle, ob jetzt der abbiegende Verkehr den Radfahrer an der Kreuzung umfährt oder 50m davor, an der die Abbiegespur anfängt.«
Na es macht schon einen Unterschied, ob man jemanden direkt vor der eigenen Nase hat, und bewusst überholen muss, oder ob jemand einfach irgendwo rechts im Augenwinkel auftaucht. Wahrnehmung ist zwar kompliziert, aber so viel dürfte dann doch gesichert sein. Und gegen Wachkomapatienten ist eh kein Kraut gewachsen, egal wo man fährt.
»Zumal nicht an jeder Kreuzung eine Rechtsabbiegespur ist.«
Das ist auch gar nicht wichtig, ob eine Spur dediziert zum Abbiegen gedacht ist, oder nur auch dafür benutzt werden kann. Eine Geradeausspur rechts vom Rechtsabbieger ist immer eine dumme Idee. Siehe anderer Beitrag von mir: Auf der Autobahn biegt auch keiner von der linken Spur direkt in die Ausfahrt ab. So irre ist dann keiner. Im Stadtverkehr ist das Alltag, wenn auch in leicht veränderter Kombination der Verkehrsmittel.
»Dabei geht es Radfahrern nicht exklusiv so, es soll schon vorgekommen sein, dass beim Abbiegen Trams übersehen wurden.«
Selbes Problem. Und jetzt die Preisfrage: Wenn schon 20 m lange Straßenbahnen übersehen werden, weil die Verkehrsführung blöde gemacht ist (in diesem Fall, um der Straßenbahn die Bahn frei zu machen, damit die nicht ständig im Stau steht und den Zeitplan nicht mehr einhalten kann), dann kann das doch wohl für Radfahrer nicht besser sein. Oder?
»dann wäre es in meinen Augen notwendig die Kreuzung zusätzlich abzusichern, z.B. über eine separate Ampel für Rechtsabbieger.«
Darüber habe ich auch schon mal nachgedacht. Es würde aber zusätzliche Ampelumläufe bedeuten. Denn der Verkehr auf dem Radweg müsste gewissermaßen immer exklusiv geradeaus fahren, während der Rechtsabbiegerverkehr steht und anders rum, und das bei sich kreuzenden Straßen mit Radwegen... Da möchte ich mal die Autofahrerschaft hören. Und die Radfahrerschaft genau so. Denn die stehen dann nämlich ständig dumm rum, wegen ungünstiger Verkehrsplanung. Mag vielleicht gesünder sein, aber angenommen wird so was sicherlich noch weniger.
»Elektronische Hiflsmittel sind gut, das Problem ist nur, es dauert Jahre bis sie in ausreichender Menge installiert sind und es hilft halt auch nicht, wenn ausgerechnet der eine LKW ohne dieses Hilfsmittel den Radfahrer im Toten Winkel nicht erkennen kann und diesen umfährt.«
Alles richtig. Weshalb man eben besser vor oder hinter einem LKW steht/fährt. Gibt sogar welche, die das ganz schnippisch auf ihrem LKW als Aufkleber haben. So beschissen, wie es der eine oder andere vielleicht auch meint: Es ist die bittere Wahrheit.

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08.04.2016

Zum Blickkontakt: Erstmal hiflt er nur rauszufinden, wohin der Fahrer blickt. Schaut er in die falsche Richtung, dann kann er einen nicht wahrnehmen. Beispiel rechtabbiegendes Auto und von rechts kommender Fußgänger. oder Auto biegt links in die Einbahnstrasse ein und übersieht, dass der Radfahrer auch gegen die Einbahnrichtung fahren darf. Da ist es sogar notwendig als schwächerer Verkehrsteilnehmer dem Fahrer ins Gesicht zu schauen. Das Auto steht ja erstmal. Also vom äußeren Anschein alles OK, sagt aber immer noch nix darüber aus, ob er mich sieht oder nicht. Natürlich heißt anblicken nicht automatisch erkennen. Aber nicht anblicken heißt definitiv nicht erkennen.

Zur Ampelschaltung: das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Üblicherweise wird bei Grün für die Linksabbieger in der kreuzenden Straße grün für Rechtsabbieger gezeigt. Also keine zusätzliche Ampelphase. An der Kreuzung geht das sehr konkret, da es eine Linksabbiegerampel vom Leonhardsberg in den Graben gibt. Da geht ohne Probleme eine Rechtsabbiegeampel vom Graben in den Leonhardsberg analog der MAN-Kreuzung.

Zur Akzeptanz der Radfahrer - wenn die Radfahrerschaft eine spezifische zu ihrem Schutz installierte Schaltung ingoriert weil nicht ausreichend komfortabel, dann darf sie sich nicht über Unfälle beschweren. Irgendwo hat alles seine Grenzen.

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08.04.2016

»Zum Blickkontakt: Erstmal hiflt er nur rauszufinden, wohin der Fahrer blickt.«

Verhindert damit aber noch keinen Unfall. Hin sehen, was er als nächstes macht und ggf. Bremsbereit sein muss man also weiterhin. Was aber auch ganz ohne Blickkontakt geht bzw. so laufen sollte. Er war also nicht nötig. Wo wer hin sieht ist vielleicht eine nette Info, kann aber auch ganz bewusst ausgenutzt werden, um z. B. einfach weg zu sehen, obwohl man ganz genau weiß, dass da wer ist. Ich werfe mal Vorfahrt nehmen in den Raum. Bzw. um Unsicherheit zu stiften. Was letztlich also getan wird, daran wird man knabbern müssen und darauf vorbereitet sein, indem man die Finger mal schön an der Bremse hat.

»Schaut er in die falsche Richtung, dann kann er einen nicht wahrnehmen.«

Dann wird er auch nicht reagieren, klar. Der Blickkontakt wird in diesem Fall aber gar nicht hergestellt. Er ist also nicht mal möglich. Hat also nicht so viel gebracht. Man muss also mal wieder sehen, wie der Gegenüber handelt. Alles andere bringt ja nichts.

»Auto biegt links in die Einbahnstrasse ein und übersieht, dass der Radfahrer auch gegen die Einbahnrichtung fahren darf.«

Entweder der Autofahrer sieht mich und bremst, oder er sieht mich nicht/nimmt mich nicht wahr, und ich habe schlicht Pech gehabt. (Oder er sieht mich und scheißt drauf, dass ich da bin, was am Ergebnis nicht viel ändert.) Es bleibt dann nur noch die Frage, ob ich auf dem Rad noch reagieren kann, oder nicht. In Luft auflösen, nur weil ích gerade Blickkontakt hatte, kann ich mich schlecht. Hinreichend war das dann nicht, wenn gar keine ernstzunehmende Reaktionsmöglichkeit deswegen vorhanden war. Falls doch Platz ist, langt es auch hier wieder völlig, zu sehen, dass er genau auf mich zu hält und ich weiche aus/bremse. Auch hier war nicht der Blickkontakt nötig, sondern das Beobachten, was getan wird und entsprechendes Reagieren.

»Da ist es sogar notwendig als schwächerer Verkehrsteilnehmer dem Fahrer ins Gesicht zu schauen.«

Wieso? Ich kann (als nicht pennender Verkehrsteilnehmer) recht deutlich erkennen, ob er Platz genug macht, bzw. ob überhaupt Platz genug da ist und ob der Gegenüber bremst, oder nicht. Letztlich hilft auch da nur reagieren auf das was tatsächlich getan wird. Ich habe schon Autofahrer erlebt, die mir noch ganz tief in die Augen gesehen haben, als sie trotzdem völlig rücksichtslos in den Kreisverkehr rein gefahren sind, obwohl ich da schon fuhr und mir damit die Vorfahrt genommen haben. Denen war das gelinde gesagt scheiß egal, dass ich Blickkontakt hergestellt habe. Wer da drauf vertraut, dass der Blickkontakt was ändert, ist tot. Anders rum habe ich schon oft genug erlebt, dass die Leute mich keines Blickes gewürdigt haben, weil sie schon vorher die Situation gescannt haben (vorausschauendes Fahren machts möglich, ich wende das auch gerne an), und einfach stehen geblieben sind. Ganz ohne Blickkontakt. Letztlich zählte nur, was sie taten, nicht wo sie hin gesehen haben.

»Also vom äußeren Anschein alles OK, sagt aber immer noch nix darüber aus, ob er mich sieht oder nicht.«

Richtig. Und selbst wenn man Blickkontakt hat, heißt das noch gar nichts. Der kann einfach gerade geistig umnachtet sein (no offence, das kommt bei jedem mal vor!) und zieht trotzdem raus. So wie man auch ganze Straßenbahnen übersieht... Oder mit Absicht. Mehr als ein mal erlebt, wo offensichtlich war, dass er mich gesehen hat, aber absichtlich trotzdem raus gezogen ist. Da hat der Blickkontakt auch genau null gebracht. Hätte ich mich darauf verlassen, würden wir hier nicht miteinander schreiben können. Der Blickkontakt wiegt einen in diesen Fällen in ein falsches Gefühl der Sicherheit. Bremsbereit muss man nach wie vor sein, egal ob mit oder ohne Blickkontakt. Dann kann ich ihn auch gleich sein lassen. Ist vielleicht manchmal eine nette Zusatzinfo, aber notwendig ist nicht der Blickkontakt, sondern das beobachten der Handlungen.

»Aber nicht anblicken heißt definitiv nicht erkennen.«

Schon klar. Aber worin unterscheidet sich »hat nicht hin gesehen« von »nimmt mich nicht wahr« bzw. »ignoriert mich absichtlich« hinsichtlich dessen, was als nächstes von mir zu kommen hat? Nämlich bremsbereit sein. Ich sehe ja recht genau, was er tut. Und so lange warten, bis der gnädigerweise doch vor mir raus zieht, das wird auch lustig. Erstens kann man da u. U. sehr lange warten und zweitens kann man auf diese Weise Leute auch darauf konditionieren, dass sie nur angestrengt weg sehen müssen, um überall bereitwillig Vorfahrt zu erhalten. Das will dann erst recht keiner.

»Zur Ampelschaltung: das verstehe ich ehrlich gesagt nicht.«

Ich erkläre es mal so: Man hat üblicherweise zwei Phasen für die beiden sich kreuzenden Verkehrsströme. Ist logisch. Das kann man natürlich noch verkomplizieren, indem man dafür sorgt, dass Abbieger und Geradeausfahrer getrennte Fahrzeigen haben. Bei vielbefahrenen Straßen ist das oft anzutreffen, weil sonst Blech dem Blech im Weg stünde und zwar ständig. Was in jedem Fall eine zusätzliche Phase pro Richtung bedeutet, also statt des einfachsten Falls von 2 Phasen (stehe und fahre, weil mal Querverkehr, mal man selbst die Freigabe hat) hat man jetzt 4 Phasen, eine stehende und eine fahrende, jeweils für Abbieger und Geradeausfahrer getrennt. Und das schon bei einfachen Straßen. Was aber auch bedeutet, dass man statt in der Hälfte der Fälle in drei der vier Fälle stehen muss. Linksabbieger mögen gleichzeitig mit parallelfahrenden Rechtsabbiegern fahren können, sodass man nicht sogar sechs Phasen hat, aber mehr als die einfachsten zwei bleiben es in jedem Fall. Und da man immer nur in einem davon fahren kann, erhöht sich die Standzeit entsprechend recht schnell. Und wie schon gesagt, würde man das bei Anwesenheit von Radwegen konsequent durch ziehen, wäre das Verständnis ganz schnell weg. Viel schlimmer sind aber eh die Fälle, in denen gar keine Ampelschaltung das ganze regelt. Ich werfe mal die Haunstetter Straße Stadteinwärts in den Ring. Da gibt es Abschnitte, wo man tunlichst nach links hinten sehen sollte, weil man sich einfach nicht darauf verlassen kann, dass nicht gleich einer blind nach rechts rein zieht. Spätestens da ist dann Schluss mit der Wirkung von nicht vorhandenen Ampeln.

»Zur Akzeptanz der Radfahrer - wenn die Radfahrerschaft eine spezifische zu ihrem Schutz installierte Schaltung ingoriert weil nicht ausreichend komfortabel, dann darf sie sich nicht über Unfälle beschweren.«

Ich sehe das zwar teils ähnlich, zweifle aber an, dass eine angeblich zum Schutz eingerichtete Verkehrseinrichtung mit noch mal einer zusätzlichen Einschränkung wegen des offenkundig doch nicht brauchbaren Schutzes ihren Job überhaupt erfüllt. Auch wenn sie ständig so hin gestellt wird, als bräuchte man sie. Ohne braucht man diesen zusätzlich Schutz-Schutz-Zirkus nämlich nicht. Weil die Sache da recht klar ist: Ich bin entweder vor oder hinter dem nächsten Verkehrsteilnehmer, nicht rechts daneben. Wer es in dieser Situation noch schafft, Radfahrer umzumangeln, sollte das Autofahren noch mal lernen, denn das setzt fehlerhafte Überholvorgänge voraus, die aber auch alle anderen treffen würden. Das hat dann nichts mit Radverkehr oder nicht Radverkehr zu tun, sondern mit fährt anständig Auto, oder nicht. Bescheuerte Verhaltensweisen von Radfahrern mal außen vor, das beliebte Linksabbiegen ohne Umsehen oder Handzeichen würde da z. B. nicht drunter fallen. (Das hat aber beides nichts mit generell gefährlichem Verkehr zu tun, sondern mit fahrlässigem Fehlverhalten. Dafür baut man keine Radwege, dafür zieht man die Pappenheimer aus dem Verkehr.)

»Irgendwo hat alles seine Grenzen.«

Der Fall im Artikel zeigt klar, wo die Grenzen liegen: Separation hat sich nicht bewährt, das ist eine Grenze die trotzdem weiterhin ständig übertreten wird.

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06.04.2016

Umgehrt: der Radler muß von der Straße runter. Waldwege reichen ihm. [url=http://www.smilies.4-user.de][img]http://www.smilies.4-user.de/include/Schilder/grummel.gif[/img][/url]

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06.04.2016

War schon klar, dass von Ihnen nichts Vernünftiges kommt...

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06.04.2016

Und Dummschwatz sollte aus den Kommentaren hier verschwinden.

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07.04.2016


Das wäre eine gute Lösung. (Eine sehr gute sogar - Zusatz geschuldet der 30-Zeichen-Regel)

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