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28.02.2012

Latein darf nicht aussterben

Für Prof. Gregor Weber ist eine Universität ohne Latein undenkbar.
Bild: wys

Die Professur wurde erst einmal eingezogen, aber die Fakultät kämpft für neue Studiengänge

Eine Universität ohne Latein? Völlig undenkbar. Da meint nicht nur Althistoriker Prof. Gregor Weber. Er weiß auch die Archäologie, die mittelalterliche Geschichte und Germanistik, die Kunstgeschichte und die Volkskunde hinter sich. Trotzdem ist an der Philologisch-Historischen Fakultät das Fach Latein mit dem Abschied von Prof. Marion Lausberg in den Ruhestand erst einmal erledigt. Im Augenblick unterrichtet Latein und Griechisch nur der Akademische Direktor Peter Roth von der Katholisch-Theologischen Fakultät.

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„Es lag ein Zwang auf unserer Fakultät. Wir mussten vor vier Jahren in den staatlichen Innovationsfonds Stellen abgeben und konnten nur auf solche zugreifen, die bald frei werden“, erklärt Dekan Prof. Freimut Löser. Die Lateinprofessur war eine dieser Abgaben. Nun will die geisteswissenschaftliche Fakultät Latein wenigstens wieder in ihren Entwicklungsplan aufnehmen, der im Sommersemester aktualisiert wird. „Wir werden vier, fünf Positionen durchdenken und in eine Rangfolge bringen, was das Wichtigste ist“, sagt der Dekan.

Eine andere Möglichkeit wäre ein Lehramtsstudiengang Latein. „Andere Standorte platzen derzeit aus allen Nähten, allein in Regensburg studieren 500 Lateiner“, weiß Prof. Weber. Auch an den Gymnasien der Region Augsburg gebe es eine hohe Zahl von Latein-Lernern. „Sie würden das Fach auch gern studieren – gerade in Augsburg“, so Weber. Latein als Lehrfach lasse sich „extrem gut“ mit anderen Fächern kombinieren: mit Sport, Religion, Mathematik, Geschichte und allen Sprachen. Zum starken Lehramtsstudienstandort Augsburg würde diese Ergänzung ideal passen.

Latein darf nicht aussterben

Aktuell läuft eine Anfrage der Unipräsidentin Prof. Sabine Doering-Manteuffel beim Kultusministerium, ob grundsätzlich ein weiteres Latein-Lehramtsstudium genehmigt würde. Gregor Weber weiß, dass diese Ausbildung eine gewisse Ausstattung benötigt, nämlich zum Lehrstuhlinhaber mit wissenschaftlichem Mitarbeiter noch einen Akademischen Rat, der die Sprach- und Stilübungen leitet.

Die kleine Lösung, die eine Arbeitsgruppe der Historisch-Philologischen Fakultät auch ins Auge gefasst hat, bestünde aus einem innovativen Studiengang „Kulturgeschichte der Antike und ihres Fortlebens“. Andere Fakultäten interessieren sich sehr für eine Zusammenarbeit: „Wir haben Beschlüsse von Jura, Theologie und Philosophie zur Kooperation vorliegen“, berichtet Weber. Auch der Altphilologen-Verband und die Mommsen-Gesellschaft unterstützen diesen interdisziplinären Studiengang.

Ein Eckpfeiler humanistischer Bildung

Bei Eltern gilt Latein ohnehin als ein Eckpfeiler humanistischer Bildung und genießt den Ruf der Elite. Warum das so ist? „Latein ist prägend für eine bestimmte Lernfähigkeit in logischen Strukturen“, sagt Prof. Gregor Weber. Und Latein erschließt den hohen Bestand zentraler Texte unserer europäischen Kultur. Wohl deshalb hat Latein an den Gymnasien die G8-Reform schadlos überstanden. "Meinung

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