Neujahrskonzert

02.01.2015

Leben, List und Liebe

Mit Küsschen ins neue Jahr: Kapellmeister Roland Techet und Sopranistin Cathrin Lange.
Bild: Wolfgang Diekamp

Die Philharmoniker, Theaterchor und Solisten bringen das Publikum bestens von 2014 nach 2015

Auf einer musikalischen Europareise verknüpfte das Theater Augsburg den Silvesterabend mit dem neuen Jahr. Ausgerüstet „Mit Schirm, Charme und Champagner“ waren Schauplätze aus Oper und Operette die übermütig schäumenden, aber auch romantischen Stationen der Konzerte zum Jahreswechsel im Großen Haus. Die Augsburger Philharmoniker, der Theaterchor und Solisten sorgten auf dem Trip für klingende Leckerbissen. Kapellmeister Roland Techet und Chorchefin Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek wechselten sich im Programm der „Best of“-Perlen böhmischer, romanischer und Wienerischer Gemütszustände animierend ab.

„Was eigentlich nur zählt, sind Liebe und Tod, alles andere sind Peanuts“, dies rutschte Kapellmeister Techet bei seinen sympathisch improvisierten Moderationen raus. Da hat er wohl recht, freilich ging es ausschließlich um die Liebe, zu der das Musiktheater ja allerhand bietet. Man startete im Land unerschöpflicher musikalischer Quellen, in Böhmen, und die Ouvertüre zu Smetanas „Verkaufter Braut“ sprudelte denn auch mit bestechend virtuoser Präzision aus den Bögen der Streicher – vom spitzen Pianissimo bis zum Glanz des ganzen Orchesters.

Noch komplizierter ist der Hochzeits-Deal dieser lustig-listigen Oper im Streit um die Dorfschöne Marie. Einer freute sich besonders, Joachim Stork aus dem Publikum, der die von Roland Techet gestellte Frage nach dem Nutznießer der Brautverhandlung beantworten konnte: Er bekam eine Flasche Schampus als Prämie. Dirigentin Ihnatsyeva-Cadek entlockte darauf dem Chor „Warum sollten wir nicht froh sein?“ die besten Töne. Etwas gemessenere Fröhlichkeit bot sie aus Lortzings „Zar und Zimmermann“, wo der Chor wacker „Hoch, es lebe die Freude“ intonierte.

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Vorher hatte das Reiseprogramm die Opernwelt italienisch-französischer Herkunft gestreift: Bariton Giulio Alvise Caselli träumte aus Gounods „Roméo et Juliette“, Sopranistin Cathrin Lange vermittelte in den Girlanden und Koloraturen des „Je veux vivre“ Julias Lebensbekenntnis mit hinreißendem Glanz. Hochgeladen wurde der romanische Trip mit Rimski-Korsakows „Capriccio espagnol“, in dem das Orchester instrumentales Feuer zündete. Und der Gitarrist Matthias Müller zauberte die still-intensiven iberischen Töne aus Joaquín Rodrigos Concierto de Aranjuez.

Frauenlist und Männerwucht gaben Sopran und Bariton mit Donizettis „Pronta io son“ aus „Don Pasquale“ zum Besten, wo man erneut über Cathrin Langes hinreißende Standfestigkeit in Spitzentönen staunte. Giulio Caselli ließ mit „Mein Sehnen“ aus Korngolds „Die tote Stadt“ seinen weichen Bariton strömen. Angekommen in der Wiener Operette machte Cathrin Lange Lehárs „Meine Lippen, die küssen so heiß“ zum sinnlich-künstlerischen Erlebnis.

Schließlich war Schampus angesagt: mit Johann Strauß’ Champagnerpolka, dem Kaiserwalzer und dem musikalisch-alkoholisch wunderbar delirierenden Ensemble „Im Feuerstrom der Reben“ aus der „Fledermaus“ als Zugabe. Weitere gab es mit der „Operettic Nightmare“-Farce, die Opern-Hits lustig verwurstet, und schließlich dem Radetzky-Marsch zum guten Rutsch.

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