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Augsburg

19.06.2015

Leben ohne Auto: Mehr Carsharing-Anbieter drängen nach Augsburg

Keine Lust auf ein eigenes Auto? In Augsburg lassen sich Wagen leihen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Immer mehr Augsburger verzichten aufs eigene Auto: Die Stadtwerke sind zufrieden mit dem Start ihres Angebots. Doch es gibt Ärger mit einem Verein und Konkurrenz kündigt sich an.

Fast 15 Jahre lang war der Verein BeiAnrufAuto allein auf weiter Flur in Sachen Carsharing in Augsburg. Inzwischen sind die Stadtwerke und das Unternehmen Scouter in das Geschäft eingestiegen, bei dem sich Kunden ein Auto teilen. Außerdem gibt es Anbieter, über die man Privatautos mieten kann, etwa Drivy. Die Stadtwerke starteten i vor zwei Monaten und zeigen sich hochzufrieden. 300 Kunden habe man gewonnen – das war als Jahresziel ausgegeben. Droht ein Verdrängungswettbewerb? Mitbewerber sind jedenfalls nicht ganz glücklich.

Beim Verein BeiAnrufAuto, der zuletzt erhebliche Zuwächse verzeichnet hatte, stagniert die Mitgliederzahl dagegen seit April bei 250. Vorsitzender Matthias Reinsch bereitet das vor allem aus einem Grund Sorge: Der Verein hat ein Angebot aufgebaut, bei dem ältere, mobiltätseingeschränkte Mitglieder von einem ehrenamtlichen Fahrer begleitet werden.

Das Interesse seitens der Senioren ist groß, 70 machen mit. Doch es könnten bald zu wenig Fahrer da sein, um die wachsende Nachfrage zu stillen. Reinsch sieht BeiAnrufAuto von den Stadtwerken und ihrer, wie er sagt, „massiven Werbekampagne“ an den Rand gedrängt. Der Verein sei an einer Kooperation interessiert gewesen, aber an der Blockadehaltung der Stadtwerke gescheitert. „Wir sind enttäuscht, dass sie ihr eigenes Süppchen kochen.“ Also suchte man einen anderen Partner.

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Warum Scouter in die Stadt kommt

Gefunden hat sich das bundesweit agierende Unternehmen Scouter, das auf dem Fuhrpark des Bahn-Carsharing-Angebots (Flinkster) aufbaut. Vorteile: Kunden können die Wagen beider Anbieter nutzen; 30 an acht Stationen sind es in der Stadt. Außerdem können Mitglieder auch in anderen Städten Autos des Scouter-Netzwerkes buchen; 3600 deutschlandweit. Scouter stellte dem Verein ein Computersystem zur Verfügung, so dass jetzt – wie bei den Stadtwerken – Buchung per Handy-App möglich ist.

Lukas Quilitz, Produktmanager Marketing von Scouter, sieht den Wachstumsmarkt von Carsharing in „mittelgroßen Städten“ wie Augsburg oder Nürnberg. Hier sei Carsharing noch nicht so verbreitet wie in Großstädten, gleichzeitig würden sich aber auch die Menschen immer mehr der Parkplatzprobleme und Kosten für ein Auto bewusst. Immerhin wird in Deutschland ein Pkw statistisch gesehen nur eine Stunde täglich genutzt. 800 Kunden, die Autos in Augsburg nutzen, hat Scouter von Flinkster übernommen.

Angebot soll ausgeweitet werden

Die Firma hofft auf Steigerung, will die Zahl ihrer Autos vor Ort verdoppeln. Auch dort bedauert man, dass die Kooperation mit den Stadtwerken nicht zustande kam, in Würzburg dagegen arbeite man gut mit den Verkehrsbetrieben zusammen. Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg betont, an den Stadtwerken habe es nicht gelegen. Ihr Ziel sei es, Mobilität aus einer Hand anzubieten – nicht Gewinn machen. Man habe eine Tochtergesellschaft der Verkehrsbetriebe gegründet, die sich selber tragen muss.

Nach jetzigem Stand werde das sicher gelingen. Und auch die Werbekampagne der Agentur Team m&m müsse sich amortisieren. Diese hatte unter anderem dadurch für Wirbel gesorgt, dass ihre Werbefotos stark denen eines Zigarettenherstellers ähnelten. Abgesehen von dieser Panne: Auch die Stadtwerke planen eine Ausweitung des Angebots. 25 Fahrzeuge an neun Stationen sind es, 17 Stationen soll es bis Ende des Jahres geben. Außerdem wolle man verstärkt an Geschäftskunden herantreten.

Der Preis entscheidet

Kunden entscheiden nach Preis – hier schneiden die Stadtwerke schlechter ab als ihre Konkurrenten. Muss ihnen das Sorge machen? Lukas Quilitz sieht den Wettbewerb gelassen: „Wir sehen in Augsburg viel Potenzial neben den Stadtwerken.“ Insgesamt seien die Gruppen der Autoteiler sehr verschieden und suchten sich danach auch die Anbieter aus.

Da gebe es die Idealisten, die etwas für die Umwelt und ihre Stadt tun wollen, Studenten, die auch ohne viel Geld mobil sein möchten, Familien, die den Zweitwagen im Carsharing-Prinzip nutzen und Rentner, die ihr Auto abgeschafft haben. Reinsch fürchtet trotzdem, dass BeiAnrufAuto Mitglieder an die Stadtwerke verliert. Konkurrenz mache vor allem ein Sondertarif für ÖPNV-Abonnenten, da „typischerweise Carsharer intensive Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs“ seien.

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