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Augsburg

23.01.2019

Lebenshilfe baut an der Heinrich-Böll-Straße

Auf diesem Grundstück an der Heinrich-Böll-Straße will die Lebenshilfe ihr neues Projekt errichten.
Bild: Michael Eichhammer

Ein Bauprojekt in Göggingen soll dafür sorgen, dass das Zusammenleben mit behinderten Menschen selbstverständlich wird.

Noch sieht man nichts. Oder fast nichts. Derzeit wächst lediglich natürliches, wildwucherndes Grün da, wo in Kürze ein ambitioniertes Bauprojekt der Lebenshilfe realisiert werden soll. Seit mehreren Jahren schon wünscht sich die Lebenshilfe Wohnstätten GmbH, hier die Vision von behindertengerechtem Wohnen in der Mitte der Gesellschaft umzusetzen. Jetzt wird die Idee auf dem 3500 Quadratmeter großen Grundstück direkt im Neubaugebiet an der Heinrich-Böll-Straße in Augsburg-Göggingen Wirklichkeit.

24 zeitgemäße Wohnplätze für Menschen mit Behinderung sind angedacht. „Wir unterstützen dieses wichtige Vorhaben gemeinsam mit dem Bauministerium mit einem Zuschuss in Höhe von 2525430 Euro und einem Darlehen in Höhe von 304270 Euro“, erklärt die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer. Eines der Anliegen der bayerischen Behindertenpolitik sei die Versorgung der steigenden Zahl älterer Menschen mit Behinderung mit Wohnplätzen und Plätzen zur Tagesbetreuung. Die Gesamtkosten von 4,3 Millionen Euro werden zwischen dem Freistaat, dem Bezirk Schwaben und dem Träger aufgeteilt.

Wichtiges und gutes Projekt der Lebenshilfe

Über die Unterstützung des Projekts freut sich nicht nur die Lebenshilfe, sondern auch der Augsburger Landtagsabgeordnete und ehemalige Staatssekretär Johannes Hintersberger. In seiner Zeit als Staatssekretär beim Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales war Hintersberger mit vergleichbaren Projekten betraut, die behindertengerechtes Wohnen fördern. Ein besonderes Anliegen war ihm das barrierefreie Bauen, denn dies sei ein wesentlicher Bestandteil für behindertengerechtes Wohnen. Gerade für ältere Menschen mit Behinderungen sei ein ganz wichtiger Aspekt in ihrem Lebensumfeld „die Atmosphäre, die Umgebung – und dass der Mensch so lange wie möglich daheim alt werden kann und darf“. Die Initiative der Lebenshilfe in Göggingen empfindet er als „wichtiges und gutes Projekt, das hoffentlich viele Nachahmer findet“.

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Spatenstich ist voraussichtlich im Mai oder Juni

Derzeit befindet sich das Bauprojekt in der Ausschreibungsphase. Spatenstich wird voraussichtlich im Mai oder Juni sein. Als Bauende ist 2021 anvisiert. Wenn der Bau abgeschlossen ist, sollen in dem zweigeschossigen Gebäude insgesamt 24 Menschen mit Mehrfachbeeinträchtigungen zusammenleben. Entsprechend dem Konzept des Trägers leben die Menschen wie in einer Familie in Wohngruppen miteinander. „Die Einrichtung ist mit drei 8er-Wohngruppen geplant“, so das Sozialministerium auf unsere Anfrage. In zwei dieser Wohngruppen werden Menschen mit Behinderung leben, die eine Werkstatt für behinderte Menschen oder eine Förderstätte nicht mehr regelmäßig, sondern nur noch stundenweise oder gar nicht mehr besuchen. Für diese Bewohner wird eine alternative Tagesstruktur innerhalb des Hauses angeboten. In der dritten Wohngruppe wohnen Erwachsene im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die in einer Werkstatt oder Förderstätte arbeiten.

Wichtig ist der Lebenshilfe sowie dem Ministerium zum einen, dass die Wohnstellen den besonderen Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. Zum anderen sollen sie nicht ohne Berührungspunkte zur Mitte der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden – auch nicht räumlich. Ganz im Gegenteil ist es den Beteiligten ein Anliegen, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam am Leben teilhaben. Im Neubaugebiet in Augsburg-Göggingen entsteht eine Struktur, wo das gemeinsam möglich ist, so die Überzeugung der Macher. „Mittendrin statt nur dabei – das ist mehr als ein gängiger Slogan“, erklärt Kerstin Schreyer. „Es soll für uns alle eine Selbstverständlichkeit werden, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben“, so die Sozialministerin.

Alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist der Ort, an dem dieses Miteinander nun stattfinden soll. Denn die Idee zum Bauprojekt reicht weit zurück. Im ursprünglichen Bebauungsplan war das Gebiet noch als Kindergarten ausgewiesen. Nachdem dieser Bedarf anderswo gedeckt wurde, liegt die Fläche seit Jahren brach. Interesse bekundet hatte neben der Lebenshilfe bereits 2015 ein Bauunternehmer, der Sozialwohnungen errichten wollte. Einige Jahre davor war eine andere Bebauungsidee gescheitert: Die St.-Gregor-Jugendhilfe wollte ein Familienzentrum bauen. Alternative Grundstücke für die Vision der Lebenshilfe füllten ganze Aktenordner. Doch wurden sie allesamt als ungeeignet eingestuft. Denn an eine solche Einrichtung ist das Erfüllen von Vorgaben geknüpft – eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr beispielsweise und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Auch die zentrale Lage in Wohngebieten ist erwünscht. Fazit der Lebenshilfe damals: Nur in dem Baugebiet an der Heinrich-Böll-Straße sei Inklusion wirklich möglich.

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